Politik
Marcel Musolf ist neuer Landrat

Mit 53 Stimmen ist der amtierende Bissinger Bürgermeister auf Anhieb zum neuen Chef der Kreisverwaltung gewählt worden. Woher die Stimmen für den 39-Jährigen genau kommen, bleibt offen. 

Marcel Musolf bedankt sich nach seiner Wahl für das Vertrauen. Foto: Tobias Tropper

Der Bissinger Bürgermeister Marcel Musolf ist in Filderstadt im ersten Wahlgang zum Landrat im Kreis Esslingen gewählt worden. Er erhielt 53 Stimmen, und damit fünf mehr als benötigt. Der Kandidat der CDU, Peter Rosenberger, der von den Grünen mitgetragen wurde, kam auf 40 Stimmen. 

Die SPD-Fraktion im Kreistag hatte vorab zugesichert, den Kandidaten der Freien Wähler zu unterstützen. Musolf konnte also mit 39 Stimmen rechnen. Laut Bernhard Richter, Vorsitzender der Freien Wähler, hatten  Linke und FDP – wenn auch nicht öffentlich – im Vorfeld zugesagt, den Bissinger Bürgermeister zu wählen. Damit hätte der Kandidat 47 Stimmen auf sich vereint. Offenbar haben noch weitere Kreisräte für den 39-Jährigen gestimmt, darunter mutmaßlich die AfD-Fraktion, deren Fraktionsvorsitzender Ulrich Deuschle im Anschluss an die Wahl behauptete, seinen Mitgliedern dieses Votum empfohlen zu haben. Überprüft werden kann das nicht, der Landrat wird im geheimer Wahl gewählt.

 

Ich wollte alle Fraktionen erreichen – mit Ausnahme der AfD.

Marcel Musolf, Landrat in spe

 

In seiner Vorstellungsrede hatten die Kreisrätinnen und Kreisräte einen Marcel Musolf erlebt, der sich überzeugend und wortreich von der AfD abgegrenzt hatte. Auf die Frage des Linken-Kreisrats Marc Dreher, ob er ausschließen könne, im Vorfeld das Gespräch mit der Rechtsaußen-Fraktion gesucht oder Absprachen getroffen zu haben, antwortete Musolf: „Ich habe kein Gespräch gesucht. Ich habe mit meiner Person, meiner Ausrichtung und meinen Zielen nichts mit dem rechten Rand gemeinsam“. Natürlich müssten die demokratischen Rechte gewahrt werden. „Aber mit mir würde es sicher eine Debatte über Ausschussgrößen geben“. Die Strategie der AfD seien einfache Antworten auf komplexe Fragen. Der Bissiger Bürgermeister nannte das Beispiel Jugendvereinsförderung. Dass die AfD Jugendvereine direkt fördern wolle, und nicht mehr über den Kreisjugendring (KJR), hänge damit zusammen, dass „da Menschen sitzen, die nicht ihre politischen Ansichten teilen“. Der KJR, und damit die Arbeit für Demokratie, Vielfalt und Menschenwürde, sollten damit geschwächt werden.

Musolf mit Frau und Kindern nach der Wahl. Foto: Tobias Tropper

Bei Peter Rosenberger hingegen war die Abgrenzung nicht ganz so deutlich ausgefallen. Auf dieselbe Frage des Linken-Kreisrats hatte er geantwortet: „Für mich sind alle Gewählten im Kreistag Mandatsträger, die eine Stimme haben. Das ist das, was die Wählerinnen und Wähler uns mitgegeben haben.“ Er sei aber durchaus bereit, klare Positionen zu beziehen. „Ich habe mich kürzlich im SWR zum Thema Reichsbürger positioniert.“ Auf die Nachfrage aus der SPD-Fraktion, ob er ausschließen könne, Absprachen mit der AfD getroffen zu haben, sagte Rosenberger etwas umständlich: „Ich habe von der AfD keine Zusage, dass ich heute von der AfD gewählt werde.“ 

Unabhängig vom Umgang mit der zehnköpfigen Rechts-Außen-Fraktion hatten der Bissiger Bürgermeister und der Horber Oberbürgermeister in ihren Reden unterschiedliche Akzente gesetzt. Während Lokalmatador Musolf damit warb, ohne lange Vorlaufzeit ins Amt starten zu können, betonte Rosenberger seinen „unverschränkten Blick von Außen“. 

Beobachter hatten nicht damit gerechnet, dass der Landrat bereits nach dem ersten Wahlgang feststehen würde. Auch Marcel Musolf war davon überrascht. Dass die AfD ihm Stimmen gegeben haben soll, wies der 39-Jährige von sich. „Ich wollte alle Fraktionen erreichen – mit Ausnahme der AfD“, sagte Musolf. Auch aus anderen Fraktionen kam Kritik an der Rolle der Kreisräte um Ulrich Deuschle. „Das war ja klar, dass die AfD jetzt versucht, maximale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und den Sieg für sich zu reklamieren“, sagte Michael Medla (SPD), dessen Fraktion Musolf unterstützt hat. 

Noch einer dürfte sich über den Sieg Marcel Musolfs freuen: Michael Kuch. Der Lenninger Landwirt, der bei der Kommunalwahl für die Freien Wähler angetreten war und es trotz vieler Stimmen nicht in den Kreistag geschafft hatte, rückt für seinen Kollegen nach.

Der amtierende Landrat Heinz Eininger geht am 30. September nach 24 Jahren in den Ruhestand. Marcel Musolf tritt sein Amt am 1. Oktober an.