Bürgerentscheid
Mehrheit sagt Nein zu Amazon

Die mit Spannung erwartete Entscheidung ist gefallen: Die Mehrheit der Wähler hat sich am Sonntag gegen die Ansiedlung eines Verteilzentrums des Onlinehändlers in Hengen ausgesprochen.

Rathauschef Elmar Rebmann verkündet das Ergebnis des Bürgerentscheids vor dem Rathaus.  Foto: Dimitri Drofitsch

Am Ende war es eindeutiger als viele gedacht hätten: 1995 Ja-Stimmen standen 2209 Nein-Stimmen gegenüber. Also eine deutliche Mehrheit derer, die am Sonntag am ersten Bürgerentscheid Urachs teilgenommen haben, stimmten dagegen, dass die Stadt Flächen im Ortsteil Hengen an Amazon zur Verfügung stellen soll, damit sich der Onlinehändler dort ansiedeln kann. Wie mehrfach berichtet, plante der Weltkonzern den Bau eines Verteilzentrums. Das Baugesuch war bereits eingereicht. Doch daraus wird jetzt nichts. Der Entscheid ist insofern rechtswirksam, als das verbindliche Quorum von 20 Prozent übertroffen wurde. Dazu gereicht hätten schon 1887 Stimmen für die eine oder die andere Seite. Insgesamt nahmen knapp 44,9 Prozent der wahlberechtigten Uracher an der Abstimmung teil.

Das Ergebnis verkündete Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann am Sonntagabend vor dem Rathaus.  Äußerlich ungerührt, sprach er von einem demokratischen Mittel, das mit dem Bürgerentscheid gewählt worden sei. „Nun ist eine Entscheidung gefallen, und diese bitte ich zu akzeptieren“, rief er auch den Befürwortern einer Amazon-Ansiedlung zu. Man habe diesen Bürgerentscheid gemeinsam auf den Weg gebracht. „Ich werde die Entscheidung akzeptieren, ich bin Demokrat.“ Mehr könne er nicht sagen, außer „das Ergebnis ist klar“. Langer Beifall brandete auf.

Genugtuung bei „David“

Als einer der ersten suchte Hermann Kiefer, Sprecher des Bürgerforums in Hengen und ausgewiesener Kritiker des Vorhabens, das Gespräch mit dem Rathauschef. Kiefer, wie auch Mitstreiter Eberhard Wörz, zeigten sich überglücklich über den Ausgang. Triumphgefühle hege er zwar nicht, aber er empfinde dennoch eine Genugtuung, als David dem großen Goliath die Stirn geboten zu haben. Am Ende eines langen Wahlkampfs überwiege vor allem die Erleichterung, dass eine Entscheidung gefallen sei. Mit dieser Einschätzung war er nicht alleine. Auch Hengens Ortsvorsteher Gerhard Stooß stimmte mit ein. „Jetzt ist entschieden und damit fertig. Das ist mir am liebsten so“, sagte er in einer ersten Reaktion.

Bedauern bei Amazon

Auch Amazon selbst meldete sich am Sonntagabend zu Wort. „Wir bedauern die Entscheidung gegen die Ansiedlung und bedanken uns für den konstruktiven Austausch mit den Bürgern und Vertretern der Stadt Bad Urach“, so Amazon-Sprecher Steffen Adler. Man respektiere das Votum, werde das Projekt nicht weiter verfolgen und andere Möglichkeiten suchen, das bestehende Netzwerk in der Region zu optimieren. „Unser Ziel ist es, weiter in den Standort Deutschland zu investieren und lokale Arbeitsplätze zu schaffen.“

Bedauernd meldeten sich auch die IHK Reutlingen und die Standortagentur Neckar-Alb zu Wort. Wolfang Epp, IHK-Hauptgeschäftsführer: „Der Bürgerentscheid ist zu respektieren.“ Für Bad Urach sei es aber eine verpasste Chance. Es hätten zusätzliche Arbeitsplätze und positive Impulse für den Standort entstehen können. Markus Nawroth, Geschäftsführer der Standortagentur, erklärte: „Die Willkommenskultur gegenüber neuen, großen Unternehmen ist ein entscheidender Standortfaktor. Ohne die Erschließung durch Amazon wird die Vermarktung der verbleibenden Flächen im Gewerbegebiet Hengen anspruchsvoller.“