Sprache der Hände als sensible Werkzeuge – Vortragsabend bei den Landfrauen Neidlingen
Mit den Händen Brücken bauen

„Mit einer geballten Faust kann man keine Hände schütteln“, äußerte sich die ehemalige indische Ministerpräsidentin Indira Gandhi einmal. Diese These stellte Rosemarie Rieker an den Beginn des Vortrags „Vom Tun unserer Hände“ bei den Landfrauen in Neidlingen.

Neidlingen. Die Hände sind für den Menschen etwas Rätselhaftes, Faszinierendes, Besonderes, von der Wurzel bis in die Fingerspitzen. Sinn und Tun der Hände hieß es zu betrachten, betonte Rosemarie Rieker in ihrem Vortrag. Sich zu erinnern an Hände, seien es die eigenen, die sich verändert haben, von der Kinderhand zur jetzigen, oder aber das Erinnern an die Hände vertrauter Menschen – dies alles animierte die Zuhörer zum Staunen und zu Kommentaren.

„Jede Hand ist einmalig, ist schön“, so die Referentin, und Hände „beeinflussen unser Leben, sind Geschenk und Aufgabe zugleich“. Von allen Körperteilen des Menschen ist die Hand – unmittelbar nach dem Gesicht – der selbstständigste, eigentümlichste und merkwürdigste. Immer bestimmt die Hand das Handeln und Tun. Von A wie Arbeit bis Z wie Zerstören kann Positives und Negatives aufgezählt werden: In vielfältiger Weise sind unsere Hände stets am Werk, vom kraftvollen Zupacken, einer zärtlichen Berührung oder dem freundlichen Winken bis hin zur Drohung, dem Festhalten und Loslassen und vielem mehr.

Der bewusste Händedruck bei einer Begrüßung – immer mit Blickkontakt – wurde dabei ebenso angesprochen wie viele weitere Gesten und Zeichen der Hände. Gerade der Tastsinn sei wichtig, so Rieker, denn was die Hände nicht fühlen, das existiert für den Menschen nicht. Hand, Herz und Hirn sind Sinnbilder für Denken und Emotion, die sich in einem intelligenten Handeln bündeln.

Anhand einer Modellhand erkundeten die Landfrauen das Greifwerkzeug „Hand“. Die nötige Kraft und Beweglichkeit zum Händedruck erzeugen Einzelmuskeln im Unterarm, und einige „handfeste“ Bewegungsübungen zielten auf die Fingerfertigkeit der eigenen Hände.

Viele Redewendungen, aussagekräftige Worte, Gedichte und Lieder sind den Händen gewidmet. Die Bedeutung der Hand und besonders ihr Eigenleben hat neben Literaten auch viele berühmte Maler inspiriert, und die gezeigten Kunstkarten durch viele Mal-Jahrhunderte hindurch fanden Zuspruch bei den Zuhörern. Auch beim täglichen Lesen in der Tageszeitung werden Hände in Politik, Wirtschaft, Sport und Werbung mit einbezogen. Das Thema Links- und Rechtshänder, heute und früher, stand ebenfalls im Fokus des Vortrages.

Immer aber blieb ein bewusster Blick auf die eigene oder die fremde Hand eine Chance, den in diese Hand geschriebenen Geschichten auch nachzugehen: Hand hin- und festhalten, öffnen und lösen, alles sind Wahrnehmungen eines menschlichen Miteinanders. rr