Ermittlungen
Mitten in der Nacht: Erneute Explosionen sorgen für Unruhe

Nach zwei weiteren schweren Detonationen im Weilheimer Stadtgebiet binnen zwei Wochen macht sich bei einem der Betroffenen Verunsicherung breit: Er fühlt sich nicht mehr sicher. Stadtverwaltung und Polizei stehen in intensivem Austausch.

Die Frontscheibe des T5 ist zerstört. Insgesamt ist ein Schaden von 25.000 Euro entstanden. Foto: pr

In Weilheim wurden am frühen Sonntagmorgen zwei schwere „Polen-Böller“ gezündet: Es war die zweite größere Explosion im Weilheimer Stadtgebiet innerhalb von zwei Wochen: „Wir sind um 2.45 Uhr aus dem Schlaf hochgeschreckt. Das hatte mit gewöhnlichen Böllern nichts zu tun“, erzählt Anwohner Michael S. (Name von der Redaktion geändert). Durch die beiden Detonationen in der Amtgasse mitten im Zentrum wurde zum einen sein außen stehendes Fahrzeug beschädigt.

Es wird einfach zu viel.

Michael S. nimmt eine Häufung von „Böller-Vorfällen“ in Weilheim wahr. 

Am VW T5 ist ein Schaden in Höhe von etwa 25.000 Euro entstanden. „Er ist nicht mehr fahrtüchtig“, erzählt er gegenüber dem Teckboten. Eine zweite Detonation über einem Lichtschacht ließ mehrere Scheiben im Keller bersten. „Als wir die Treppe herunterkamen, kam uns Rauch entgegen“, erzählt Michael S.

Beim Seitenspiegel hat es das Glas rausgehauen. Foto: pr

Er ist im Nachhinein erleichtert, dass es keine weiteren Schäden gab und nichts in Brand geraten ist. Weglaufende Täterinnen oder Täter hat er hingegen nicht gesehen. „Vermutlich haben sie sich hinter der Baustelle gegenüber verschanzt und von dort die Böller geschmissen“, sagt er. Am Montagnachmittag erwartete er die Kriminalpolizei, die weitere Untersuchungen vor Ort vornehmen wollte. 

 

Es hat schon mehrfach geknallt

Zurück bleibt einen Tag danach aber ein unangenehmes Gefühl, dass sich derartige Vorfälle im beschaulichen Städtle gerade häufen. Vor zwei Wochen hatte es in der Kirchheimer Straße auf Höhe der Kreissparkasse ebenfalls eine starke Detonation gegeben, bei der ein Mini Cooper stark beschädigt wurde. Wiederum zwei Wochen zuvor hatten Unbekannte in der Nacht vom 25. auf den 26. Oktober in der Kelterstraße starke Feuerwerkskörper gezündet. Zwischen 0.30 Uhr und 1.15 Uhr ließen sie hierbei mehrere Böller in einem Briefkasten detonieren. Durch die Wucht der Detonation wurden Teile des Behälters gegen einen parkenden Pkw geschleudert, an dem ebenfalls Sachschaden entstand. Damals schickte die Polizei einen Sprengstoff-Experten, um die Gefahr möglicher weiterer Sprengkörper auszuschließen.

Mehrere Kellerfenster sind durch den Druck der Explosion geborsten. Foto: pr

Ebenso hatte es vor mehreren Wochen eine Explosion am Schulzentrum Wühle gegeben, bei der eine Fensterscheibe geborsten war. Zusammenhänge sind aber auch hier nicht bekannt. Dem Teckboten liegen weitere Aussagen von Anwohnern vor, die von regelmäßigen Böller-Detonationen über einen Zeitraum von mehreren Monaten im Stadtgebiet berichten. Dabei ist es aber offenbar nicht zu nennenswerten Sachbeschädigungen gekommen, die der Polizei gemeldet wurden.  

Dennoch machen die jüngsten Vorfälle deutlich, dass es sich um mehr als dumme Jungenstreiche handelt. „Es gibt ein zunehmendes Unsicherheitsgefühl“, sagt Michael S., der mit mehreren Anwohnerinnen und Anwohnern im Austausch ist. „Heute Morgen erst hat eine Frau an unserem beschädigten Fahrzeug angehalten und uns erzählt, dass auf ihre Dachterrasse häufiger Böller fliegen und schon ein Dachfenster beschädigt wurde“, sagt er. Er erhofft sich nun verstärkte Polizeipräsenz in der Innenstadt: „Es wird einfach zu viel“. Er habe bereits an die Verwaltung geschrieben und seine Sorgen geäußert.

Plastik und Metallteile sind in alle Richtungen geschossen. Foto: pr

Im Polizeipräsidium Reutlingen verweist man auf Ermittlungen. Man prüfe natürlich Zusammenhänge mit der anderen Detonation, heißt es dort auf Nachfrage. Die Kriminalpolizei habe den Fall übernommen. Weitere Details sind momentan nach Angaben der Pressestelle noch nicht spruchreif. 

Auch bei der Stadt sind Nachfragen besorgter Anwohner eingetroffen. „Da es sich um eine Straftat handelt, liegt die Ermittlungsarbeit bei der Polizei“, sagt Hauptamtsleiterin Daniela Braun. „Unser Ordnungsamt steht aber im intensiven Austausch mit der Polizei und natürlich mit den Betroffenen“, betont sie. Ob das in naher Zukunft zu einer verstärkten Polizeipräsenz oder von Mitarbeitern des Ordnungsamtes im Stadtkern führe, könne sie aber nicht sagen.