Invasion
Nürtingen geht gegen Ameisen vor

In dem Gebiet Kirchheimer Vorstadt wurde ein Vorkommen der Großen Drüsenameise entdeckt. Die Stadt baut auf die Mithilfe der Anwohner.

Die Stadt Nürtingen will in der Kirchheimer Vorstadt Ameisen bekämpfen. Symbolfoto: stock.adobe.com
Die Stadt Nürtingen will in der Kirchheimer Vorstadt Ameisen bekämpfen. Symbolfoto: stock.adobe.com

Die Tapinoma Magnum, die Große Drüsenameise, ist auch in Nürtingen angekommen. Gefürchtet wird sie, weil sie sogenannte Superkolonien bildet, die andernorts bereits erhebliche Schäden an Infrastruktureinrichtungen verursacht haben. Aber auch für Privatleute kann sie zur Plage werden, wenn sie auf Nahrungssuche in Gebäude eindringt. In der Kirchheimer Vorstadt wurde sie nachgewiesen, bestätigt der Nürtinger Umweltbeauftragte Jochen Hildenbrand. Im Sommer soll sie bekämpft werden, Anfang Februar gibt es dazu eine Informationsveranstaltung.

Nach Tübingen meldete auch die Stadt Esslingen ein großes Vorkommen an einer mit Sand angeböschten Lärmschutzwand im Stadtteil Sirnau. Der Tapinoma-Fund in Nürtingens Kirchheimer Vorstadt ist einem Zufall zu verdanken. „Eine Mitarbeiterin des naturkundlichen Rosensteinmuseums, das auch die Meldestelle für Vorkommen ist, wohnt dort“, so Hildenbrand. Er vermutet nach einem ersten Augenschein noch kein allzu großes Vorkommen. „Wir haben eher lehmige Böden“, nennt er als Grund.

Die Ameise stamme zwar aus dem Mittelmeerraum, doch seien die Kriterien zur Bekämpfung einer invasiven Art im Sinne des Naturschutzgesetzes nicht erfüllt, so Hildenbrand. Dennoch will die Stadt aktiv werden, das sei auch Oberbürgermeister Fridrich ein Anliegen gewesen, sagt der Umweltschutzbeauftragte.

Nürtingen setzt auf eine eigene Strategie

Er hat sich schlau gemacht bei einem Workshop, zu dem sein Kollege bei der Stadt Wörth eingeladen hatte. „Es waren 80 Teilnehmer aus 70 Kommunen da“, so Hildenbrand. Auch Kammerjäger hätten ihre Erfahrungen weitergegeben. Wörth rückt den Ameisen mit heißem Wasserdampf zu Leibe, auch die Stadt Esslingen habe sich dafür entschieden. Hildenbrand will einen anderen Weg gehen. Es handle sich zwar um Superkolonien, die Millionen von Individuen haben könnten, jedoch verteilt auf viele miteinander verbundene Nester. Sie alle zu lokalisieren, sei nicht einfach. Entkäme ein Teil nach der Bekämpfung, flüchte dieser sich in die anderen Nester. Das unterscheide die Drüsenameise von heimischen Kolonien, die sich gegenseitig abgrenzen und sogar bekriegen. „Ist ein Nest dann noch unter dem Asphalt, kommen wir gar nicht ran.“ Außerdem sei der Aufwand mit Dampf groß, müsste der Einsatz doch während des gesamten Sommers einmal wöchentlich wiederholt werden.

Stadt lädt zu Informationsveranstaltung ein

Die Stadt wird einen Kammerjäger beauftragen, ist aber auch auf die Hilfe der Gebäudeeigentümer in dem betroffenen Gebiet angewiesen, die bereits angeschrieben worden seien. „Wir bekämpfen im öffentlichen Raum bis zur Gebäudevorderfront“, so Hildenbrand. Dazu wird ein Kammerjäger beauftragt, da in der Öffentlichkeit ausgebrachte Mittel nur von Fachleuten verwendet werden dürfen. Am Haus selbst können Anwohner handelsübliche Mittel einsetzen. Wie die Bekämpfung durch die Stadt aussehen wird und was Betroffene selbst tun können, darüber informiert die Stadt bei einer öffentlichen Veranstaltung am Donnerstag, 5. Februar, im Kleinen Saal der Stadthalle K3N.