Nürtingen. Der Platz vor der Nürtinger Stadtkirche Sankt Laurentius wird künftig „Dipper-Platz“ heißen. Die Initiative dafür hatte die Nürtinger CDU mit einem Antrag für den Gemeinderat ergriffen. Die Namensgebung erinnert an den ehemaligen Nürtinger Dekan Theodor Dipper und seine Ehefrau Hildegard, die während des Nationalsozialismus jüdische Mitmenschen aufgenommen und versteckt hatten. Die CDU wolle damit ein Zeichen gegen den aufkommenden Antisemitismus setzen, betonte Stadtrat Matthias Hiller bei der Antragstellung im vergangenen Herbst. Er hatte auch Kontakt mit Stefan Dipper, einem Nachfahren aufgenommen, der sich sehr offen dafür gezeigt habe.
Der Planungsausschuss des Gemeinderats sprach sich einstimmig für die Benennung des Platzes und für eine Gedenktafel aus. Auch der Stadtkirchenpfarrer Markus Lautenschlager und die Dekanin Christiane Kohler-Weiß äußerten sich positiv zu der Initiative.
Theodor Dipper war von 1938 an Pfarrer in Reichenbach an der Fils. Der Platz vor der Mauritiuskirche wurde 2003 in Theodor-Dipper-Platz umbenannt. Dipper war im Dezember 1937 von den Nationalsozialisten auch mit einem Redeverbot belegt worden und für kurze Zeit in Gestapo-Haft in Welzheim. Nach dem Krieg war der 1903 geborene Dipper von 1945 bis 1959 Dekan in Nürtingen. Er galt weiterhin als kritischer Kopf in der evangelischen Kirche. Theodor Dipper starb im Jahr 1969.
Vom Staat Israel geehrt
Während der nationalsozialistischen Herrschaft zählte Theodor Dipper zu den Organisatoren der legendären „Württembergischen Pfarrhauskette“, deren Mitglieder untergetauchte, offiziell als Besuch getarnte Juden bei sich versteckten und anschließend an das nächste Glied der Kette weiterreichten.
Durch Theodor und Hildegard Dipper sowie ihren Mitstreitern in rund 40 Pfarrhäusern wurden nachweislich 13 Menschen vor dem sicheren Tod bewahrt. Eine der ersten Anlaufstellen, die es im Zuge der Pfarrhauskette gab, war Eugen Stöffler, von 1927 bis 1947 Pfarrer in Köngen.
Bei ihm im Pfarrhaus am Kiesweg war das Ehepaar Krakauer vom 9. bis zum 30. August 1943, vom 4. bis zum 10. Oktober 1943 und am 13. Oktober 1944 versteckt.
Der Staat Israel ehrte im Jahr 2008 Theodor und Hildegard Dipper mit der Auszeichnung „Gerechte unter den Völkern“. Es ist ein Ehrentitel für nichtjüdische Personen, die unter nationalsozialistischer Herrschaft während des Zweiten Weltkriegs ihr Leben einsetzten, um Juden vor der Ermordung zu retten. Ihre Namen werden an der Ehrenmauer im Garten der Gerechten der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem angeschlagen.

