Ziemlich überraschend ist die E-Mail am Montagmorgen in der Teckboten-Redaktion eingetroffen: Neun Stunden vor Ablauf der Bewerbungsfrist hat Stephanie Patricia Bux ihre Kandidatur für das Amt der Bürgermeisterin in Bissingen zurückgezogen. Dabei hatte sie am 15. September nur drei Tage nach dem CDU-Kreisvorstandsmitglied Robert Beck ihren Hut in den Ring geworfen. Dafür gab der Bissinger Björn Haigis um 16 Uhr seine Bewerbung bei Wahlleiterin Lisa Weis im Rathaus ab. Er tritt nun gegen Robert Beck um die Nachfolge des scheidenden Schultes und künftigen Landrats Marcel Musolf an.
Eindruck der Überqualifikation
Während die Kandidatenliste für die Wahl am 13. Oktober nun feststeht, bleibt noch die Frage nach dem Warum des Rückzugs der weiblichen Kandidatin mit der höchsten Qualifikation. Die Voraussetzungen waren eigentlich gut: Stephanie Patricia Bux ist seit Mai 2024 als Hauptamtsleiterin der Gemeinde nicht nur bestens mit den Vorgängen in Bissingen vertraut, sondern hat sich auch schon bei diversen Gelegenheiten unter die Leute gemischt und bringt zweifellos eine Menge Fachwissen mit. Sie ist studierte Juristin und hat während des Referendariats im Landgerichtsbezirk Ulm Erfahrungen im Verwaltungs- und Baurecht sowie Vergaberecht gesammelt. Außerdem war sie Leiterin der Straßenverkehrsbehörde und Bußgeldstelle der Stadt Geislingen.
Das hätte bei den Menschen in Bissingen eigentlich gut ankommen müssen, doch das dort erhaltene Feedback hat die Juristin eher ernüchtert. „Bei meinen persönlichen Vorstellungen in Vereinen und bei Bürgern in Ochsenwang und Bissingen habe ich überwiegend den Eindruck gewonnen, dass man mich für überqualifiziert hält“, erklärte sie gegenüber dem Teckboten. Dabei gab es auch positives Feedback. „Anders habe ich dies bei unseren Einrichtungen erlebt, mit denen ich bereits seit Monaten eng zusammenarbeite und von denen mir sehr großer Zuspruch entgegengebracht wurde“, ergänzte die 38-Jährige.
Die Fast-Kandidatin denkt jedenfalls nicht, dass ihre Qualifikation ein Nachteil sein könnte, im Gegenteil: „Meine Erfahrung und tägliche Arbeit ist, dass ich als Volljuristin im Rathaus für viele Themen zuständig bin, die juristische Kenntnisse erfordern und es bei vielen Angelegenheiten auch um Rechtssicherheit geht.“ Denn, so die gebürtige Göppingerin weiter: „Außenstehenden ist dies oftmals nicht bekannt. Ohne entsprechende Qualifikation kann man als Bürgermeister oder Bürgermeisterin in einer Gemeinde nichts voranbringen.“
Somit bleiben mit dem 32-jährigen Robert Beck und dem 47-jährigen Björn Haigis zwei Kandidaten übrig, die zumindest nicht mit dem „Vorwurf“ der Überqualifikation konfrontiert werden können. Der staatlich geprüfte Elektrotechniker Beck ist Vorstandsmitglied des CDU-Kreisverbands Esslingen und Vorstandsmitglied der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Esslingen. In der Kommunalverwaltung wäre er aber ein Quereinsteiger, ebenso wie Björn Haigis. Der gebürtige Kirchheimer und dreifache Familienvater lebt seit 2008 in Bissingen und hat eine führende Position im technischen Vertrieb eines Stahlhandelsunternehmens. „Ich habe mich in der vergangenen Woche intensiv damit auseinandergesetzt anzutreten“, sagt er. Sein Ziel ist es, die „hervorragende Vorarbeit von Marcel Musolf fortzusetzen“ und das Zusammenleben von Jung und Alt in der Gemeinde weiter zu stärken. Derzeit ist er noch im Vorstand der Ortsgruppe Bissingen-Nabern im Schwäbischen Albverein.
Beide präsentieren sich den Wählerinnen und Wählern am Mittwoch, 2. Oktober, um 19 Uhr in der Bissinger Gemeindehalle.

