Dieses Mal war zum Glück weder Unfall noch Katastrophe der Grund, warum die DLRG in Wendlingen im Großeinsatz war. Die Stadt an Lauter und Neckar war Austragungsort des ersten „JET“-Wettkampftags der DLRG.
Das Programm soll der gezielten Nachwuchsförderung dienen. „Ziel ist, Jugendliche mit Spaß an die Aufgaben im Wasserrettungsdienst und Bevölkerungsschutz heranzuführen und für ein langfristiges Engagement zu gewinnen“, so die Landesvorsitzende der DLRG-Jugend Anna Bauer.
Deutschlandweite Premiere
Die JET-Ausbildung gehört seit 2019 zum festen Angebot der DLRG und wird auf Bezirksebene organisiert. Und schon seit einiger Zeit gab es die Idee, dass die Gruppen in Form eines Wettkampfes ihr Können unter Beweis stellen sollen. „Ein Wettkampf dieser Art ist eine deutschlandweite Premiere“, betonte Bauer. Mehr als ein Jahr Vorbereitung steckte dahinter. Denn das Programm in Wendlingen war umfangreich: Die rund 100 Jugendlichen lösten an 17 Stationen im gesamten Stadtgebiet Wendlingen vielfältige Aufgaben aus allen Fachbereichen der DLRG, wie Strömungsrettung oder Erste Hilfe.
An anderer Stelle wurde es manchmal spielerisch – so mussten etwa an der Ludwig-Uhland-Schule bei einem „Rettungswagen-Escape-Room“ die richtigen Hilfsschritte bei einem rätselhaften Tauchunfall per Rätsel gelöst werden. An anderer Stelle kam ein Tauchroboter zum Einsatz. Auf dem Dorogplatz wurde mithilfe des THW eine sogenannte Da-Vinci-Brücke gebaut. Neben der klassischen Ersten Hilfe sollten beim Teamgeist, Geschicklichkeit und Kommunikation im Fokus stehen. So mussten die Jugendlichen am Wendlinger Neckarwehr ein Schlauchboot genau in Position ziehen und dabei nur per Handzeichen kommunizieren. Dass diese Übung nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigte ein Einsatz vor einigen Jahren. Damals war genau an dieser Stelle ein Vater mit seinen Kindern in eine Notlage geraten. Gerettet wurden sie schließlich von der DLRG-Wasserrettung. Ein Stück Neckarabwärts wartete „das Herzstück unseres Wettkampfs“, auf die Teilnehmer: Die Strömungsretter der DLRG hatten eine Slackline über den Neckar gespannt. Mit Helm und Seil gesichert, mussten die Jugendlichen darauf balancieren und Fragen beantworten, die an dem Seil befestigt waren. Für alle Stationen gab es Punkte. Aber bei so viel Spaß und Action war es beinahe Nebensache, wer am Ende auf dem Siegertreppchen landet. Das war bei der Premiere das Team aus dem Bezirk Neckar-Donau.
Wichtig war es der DLRG auch zu zeigen, wie erfolgreiche Nachwuchsarbeit aussehen kann. Deshalb hatte der Landesverband Vertreter aus Politik und Verwaltung am Nachmittag zu einer Rundfahrt zu den Stationen eingeladen, um das neue Projekt zu präsentieren.
Blaulichtfamilie ist vernetzt
Denn die Lebensretter sind gefordert wie nie zuvor: Armin Flohr, der Präsident der DLRG Württemberg, verdeutlichte die Herausforderungen der Retter mit einer Anekdote: „Als ich bei der DLRG anfing, hieß es, dass man als Wasserretter einen Hochwassereinsatz in seinem Leben hat. Heute haben wir drei pro Jahr.“ Gerade bereitet man sich auf einen Einsatz in den drohenden Flutgebieten im Osten Europas vor. Hinzu kämen die Dienste an Badeseen und in Freibädern.
Ein besonderes Lob hatten die DLRG-Verantwortlichen auch für alle Beteiligten in Wendlingen: Die Wahl sei nicht zufällig auf Wendlingen gefallen räumte Anna Bauer, selbst Wendlingerin, ein. „Wir wussten bereits, dass hier alle Beteiligten aus der Blaulichtfamilie hervorragend miteinander vernetzt sind.“

