Verfahren
Neue Chance für die Pfannensteige

Die EU hat sich zu einer Stellungnahme zu den geplanten Sicherungsarbeiten am Reußenstein durchgerungen. Damit könnte die Sperrung der beliebten Rad- und Wanderroute bei Neidlingen nach mehr als zehn Jahren ein Ende finden.

Die Ruine Reußenstein thront als Wahrzeichen hoch über Neidlingen. Die Felsen darunter und Teile der Burgmauern gelten allerdings als Sicherheitsrisiko. Foto: Dieter Ruoff

Im Gestein hat sich entgegen aller Befürchtungen mehr als ein Jahrzehnt lang nichts bewegt. Jetzt scheint Bewegung in ein Verfahren zu kommen, das viele bereits abgeschrieben hatten. Die Sperrung der bei Radlern und Wanderern beliebten Pfannensteige zwischen Neidlingen und dem Wanderrastplatz Bahnhöfle könnte doch noch ein Ende finden.

Die zuständigen Stellen der EU-Kommission haben nach dreijähriger Prüfzeit grünes Licht gegeben für die notwendigen Felssicherungsarbeiten an und unterhalb der Ruine Reußenstein. Am Fuß des Steilhangs verläuft der breite Forstweg, der wegen seiner moderaten Steigung als idealer Albaufstieg für Radtouristen gilt. Wegen drohender Felssturzgefahr ist der Streckenabschnitt, über den zwei überregionale Fernradwege verlaufen, seit Dezember 2014 unpassierbar – zumindest offiziell. Vor allem Ortskundige nutzen den Weg trotz des Verbots auf eigene Gefahr. Passiert ist bis heute nichts an dieser Stelle.

Wir haben jetzt eine Perspektive für die Umsetzung.

Landrat Marcel Musolf hofft, dass die Felssicherungsarbeiten unter dem Reußenstein bald starten können.

Auch für die Gemeinde Neidlingen und zahlreiche Landwirte, für die die Pfannensteige die kürzeste Verbindung auf die Alb darstellt, ist die Hängepartie seit Jahren ein Ärgernis. Der Grund für das schleppende Verfahren: Die Felsköpfe sind von streng geschütztem Kalkpionierrasen besiedelt, einem der letzten Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Die Felssicherungsarbeiten gelten als massiver Eingriff in diesen sensiblen Naturraum. Weil das gesamte Gebiet als FFH-Natura-2000-Schutzzone ausgewiesen ist, reden nicht nur Umweltministerium und Regierungspräsidium ein Wörtchen mit, sondern auch die EU. 

Dass die Experten der Europäischen Kommission ihren Prüfbericht nun abgeschlossen haben, wird auch im Esslinger Landratsamt mit Erleichterung aufgenommen. „Wir haben jetzt eine Perspektive und können an die Umsetzung gehen“, meint der Esslinger Landrat Marcel Musolf. Einfach loslegen, ist allerdings auch damit nicht möglich. Der Ball liegt jetzt wieder bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, die für die abschließende Genehmigung der Arbeiten zuständig ist. Dabei geht es nicht nur um die Sicherung natürlicher Felsbereiche, sondern auch um die Sanierung eines Teils der Grundmauern der Burgruine.

Und wann könnte es losgehen? „Einen genauen Zeitplan gibt es noch nicht“, sagt Landratsamts-Sprecherin Andrea Wangner. „Wir sind dabei, die Umsetzung des Projektes zu planen“. Im Herbst muss dann der zuständige Ausschuss für Technik und Umwelt des Kreistags darüber beraten. Eines steht damit jetzt schon fest: Die Sperrung der Pfannensteige wird im Dezember ins zwölfte Jahr gehen.