Als undemokratische Gemeinde bezeichnete der ehemalige Ministerpräsident Hans Filbinger die Gemeinde Ohmden, als die Einwohner im Jahr 1968 die Landtagswahl boykottierten, sagt Hans Herzinger, der zusammen mit Sigrid und Klaus Dolde sowie Lore Hanne in Eigenregie die Geschichte Ohmdens ausgegraben und im Jubiläumsbuch festgehalten hat. Grund für den geschlossenen Boykott war, so Herzinger, das nicht eingehaltene Versprechen des Landes, die marode Landstraße zwischen Ohmden und Jesingen zu sanieren – das Vorhaben sollte bis über das Jahr 1980 hinaus verschoben werden. Aber: Der Protest zeigte Wirkung und vier Wochen später begannen die Bauarbeiten.
Fatale Fehlentscheidungen
Das war ein Sieg für die Ohmdener. Fatale Fehlentscheidungen gab es auch. Bis Mitte der 80er-Jahre war die Gemeindeverwaltung der Meinung, dass sich ein Gewerbegebiet nicht lohnen würde, erinnert sich Klaus Dolde. Ein gut verdienender Ingenieur sollte der Gemeinde über die Einkommenssteuer mehr einbringen als dies über die Gewerbesteuer möglich sei. Ein Irrglaube: Heute zeige sich, so Klaus Dolde, deutlich, dass Ohmden im Vergleich zur ähnlich großen Nachbargemeinde Holzmaden finanziell gesehen wesentlich schlechter aufgestellt ist. Eines lässt sich jedoch nicht leugnen: Ohmden hat sich seine Idylle bewahrt.

Der Landschaftsstreifen zwischen Zell und Jesingen hat nicht nur oberflächlich betrachtet einiges zu bieten: In Ohmden gab es die meisten Fossilienfunde in der Region, sagt Sigrid Dolde. In den vergangenen rund 150 Jahren seien beinahe alle Funde, die im Museum Hauff in Holzmaden ausgestellt wurden, auf der Gemarkung Ohmden gefunden worden. Eine Ausstellung oder gar Infotafeln gibt es in Ohmden aber nicht. Die Autorin erklärt: „Das liegt daran, dass sich das Urwelt-Museum Hauff frühzeitig alle Rechte an den Funden gesichert hat.“
Nicht jeder möchte sich integrieren
„Das Jubiläumsjahr soll dazu dienen, für die Menschen Möglichkeiten zu schaffen, Anschluss zu finden und sich einzubringen“, sagt Hans Herzinger. Es gibt viele Veranstaltungen, an denen die Bürgerinnen und Bürger teilnehmen können. Der regelmäßig im Blättle abgedruckte QR-Code soll es Helferinnen und Helfern leicht machen – so können sie sich unkompliziert melden. Die drei sind sich einige: Die Integration sei mittlerweile ein Problem. Die Menschen würden sich rausnehmen – das sei ein Trend, der sich in vielen Kommunen abzeichne. Deshalb war es den Autoren wichtig, ein Buch zu schreiben, das für alle interessant ist, aus dem jeder etwas über den Ort, wie er heute ist, in Erfahrung bringen kann. Dass die Ohmdener Vereine ihren Platz im Buch finden, stand daher außer Frage. Und ganz egal, ob Sport-, Musik-, Albverein oder Radlergruppe, alle freuen sich, wenn Interessierte vorbeischauen.

Ein Verein hat in Ohmden einst für mächtig Wirbel gesorgt: der Golfclub. Im Gemeinderat wurde heiß diskutiert, ob der Club die Fläche an der Straße Richtung Zell bekommen soll oder ob sie an die Bauern geht, erinnert sich Klaus Dolde. Das Ergebnis der Diskussion ist Geschichte: Vor 25 Jahren ist der Golfclub nach Ohmden gezogen. Mittlerweile sei die Akzeptanz sehr hoch. Damals, als sich die Baumschule Ulmer verabschiedet hat, wollten die Bauern das Grundstück. Die Gemeinde habe aber auf lange Sicht gedacht. Aus finanziellen Gründen und weil die Zahl der Bauern bereits abnahm, fiel die Wahl auf den Golfclub, erklärt Hans Herzinger.
Hügelgräber der Kelten gefunden
Weit älter als die Geschichte des Golfclubs ist die Geschichte Ohmdens selbst. Die Siedlungsgeschichte der Gemeinde ist etwa auf das Jahr 800 oder 900 vor Christus zurückzuführen, sagt Hans Herginger. Denn: Im Oberholz beim Golfclub gibt es Funde von Hügelgräbern, die auf die Kelten hindeuten. Zudem wurden in Richtung Zell und Richtung Jesingen Spuren von Römerhöfen, die auf etwa 200 nach Christus zurückzuführen sind, entdeckt. Hans Herzinger erklärt: Man geht davon aus, dass in dieser Zeit durch Ohmden eine Römerstraße lief, die wahrscheinlich Schwäbisch Gmünd mit Köngen verbunden hat. Entlang solcher Straßen gab es häufig Versorgungshöfe, wahrscheinlich auch bei Ohmden. Namentlich taucht Ohmden erstmals zwischen 1122 und 1127 auf. „Die Zähringer haben damals Ohmden an das Kloster in Weilheim verschenkt“, sagt Sigrid Dolde. In dieser Schenkung wurde Ohmden als Amindon aufgeführt. Die Gemeinde hat das Gründungsjahr schließlich auf 1125 festgelegt. Der Name änderte sich einige Male, ehe im Jahr 1784 Ohmden feststand: Die Liste geht von Amindon über Ambden bis Ohmden.

Das endgültige Wappen sollte es erst um das Jahr 1800 geben. Denn: Es bestand akute Verwechslungsgefahr, da es mit dem von Owen identisch war, so Hans Herzinger. Deshalb musste eine Alternative her. Die Gemeinde war durch Pferde geprägt. Im Jahr 1634 sollen rund 250 Pferde und lediglich 200 Menschen in Ohmden gelebt haben, sagt Sigrid Dolde. Daher ist es wenig überraschend, dass Ohmdens Wappen ein Hufeisen darstellt – ein Stern wurde auch hinzugefügt.

Großes Jubiläumswochenende in Ohmden
Die Gemeinde Ohmden feiert ihr Jubiläum vom 18. bis 20. Juli mit einem großen Dorffest. Neben der Gemeinde feiert die Freiwillige Feuerwehr ihr 150-jähriges Bestehen, der Turn- und Sportverein wird 125, der Musikverein wird 100 und die Golfanlage des Golfclubs Teck feiert ihr 25-jähriges Bestehen. Alle Jubilare ziehen bei den Vorbereitungen für das Fest an einem Strang.

