Sie ist ein wahres Kleinod – die im Jahr 1834 von der renommierten Ludwigsburger Orgelbaufirma Walcker erstellte Orgel in der Notzinger Jakobuskirche. Leider litt dieses Juwel des Instrumentenbaus durch Umbauten und mehrere wenig geglückte Restaurierungen zusehends. Nach aufwändigen Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten durch die Ebersbacher Orgelbaufirma Gilbert Scharfe erstrahlt die Walcker-Orgel nun wieder optisch, und insbesondere im Timbre der Register, in vollkommenem Glanz. Der große Einsatz der Kirchengemeinde und die zahlreichen Spenden haben sich gelohnt: „Der Klang des Instruments ist signifikant besser geworden“, ist der Kirchheimer Bezirkskantor Ralf Sach begeistert. „Die Klangfarben der einzelnen Register mischen sich hervorragend, und die Orgel hat deutlich an Brillanz gewonnen.“
In einem Konzert zur Wiedereinweihung des kostbaren Instruments demonstrierte Sach mit Werken aus der Entstehungszeit der Orgel eindrucksvoll, welch edle Töne der Königin der Instrumente nun entströmen. Für die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer war es ein besonderer Genuss, den opulenten Klängen zu lauschen.
Die eröffnende zweite Orgelsonate von August Gottfried Ritter brachte zunächst in klangvollem Tutti vollgriffige Akkorde, dann standen – neben toccatenartigen Einschüben und spannenden Modulationen – geschmeidig geschwungene Melodielinien: Ein romantisches Werk par excellence.
Im Choralvorspiel „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ von Otto Scherzer wagte Ralf Sach ein Experiment: Der Einsatz des Tremulants drückte dem ruhig fließenden Melos des Chorals den Stempel auf. Das so entstehende Dauervibrato mag Geschmacksache sein – interessant war diese Klangvariante allemal.
Felix Mendelssohn Bartholdys Variationen über „Wie groß ist des Allmächt’gen Güte“ sind im Konzert eher selten zu hören. Durch differenzierten Registereinsatz gab Sach jeder Variation charakteristisches Gepräge: Die kunstvollen Verwebungen, in denen Mendelssohn die Choralteile auseinandernahm und akribisch neu koppelte, wurden plastisch, wobei die Textur der Liedmelodie stets durchschimmerte.
Der Romantiker Franz Liszt schlug in einer Reminiszenz an Johann Sebastian Bach den Bogen zurück in die Musik des Barock. Zwar klang in jeder Note der Bearbeitung von Teilen aus der Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“ die unerreichte Kunst des Thomaskantors durch, doch mit seinem besonderen Gespür für Klangfarben färbte Liszt die Partitur mit romantischem Kolorit.
Transparenz bleibt erhalten
Bezirkskantor Ralf Sach war ein guter Anwalt dieser Musik: Er setzte die Orgelregister in mannigfachen Kombinationen ein und schuf damit eine besondere Klangaura. Die technische Souveränität des Organisten stand ohnehin nie in Frage. Eine Orgelbearbeitung der Ouvertüre von Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ durch den Dresdner Orgelvirtuosen Gustav Adolf Merkel gab Ralf Sach reichlich Gelegenheit zur Demonstration seiner Beherrschung von Manualen und Pedal.
Trotz aller volltönenden Klangmassen blieb der Notentext stets transparent und in den Strukturen nachvollziehbar. Naturgemäß sind in der Orgel-Version die farblichen Nuancen der originalen sinfonischen Besetzung nicht adäquat nachzuzeichnen, doch der opernhafte Glanz und die romantische Emphase von Wagners Ouvertüre kamen in Sachs Interpretation bestens zur Geltung.
Dem feierlichen Anlass angemessen endete das Konzert mit Felix Mendelssohn Bartholdys „Fest-Nachspiel d-Moll“ in klanglichem Pomp. Rastlos schnurrte das brillante Laufwerk die Manuale rauf und runter, klangvolle Pedalgänge gaben dem Ganzen Fundament, und im Finale überraschten opulente Klangschichtungen in strahlendem Tutti.
Nochmals ließ der Bezirkskantor die Walcker-Orgel in voller Pracht erklingen. Gekonnter Registereinsatz färbte die musikalische Textur, und Ralf Sach faszinierte das Auditorium mit seiner technischen Brillanz und einer verblüffenden Trennschärfe der Töne: Man hörte Orgelspiel vom Feinsten.

