Otto Zielke war in jungen Jahren ein leidenschaftlicher Tänzer. In der früheren Reutlinger Listhalle sei er bei den Tanzturnieren ein bekanntes Gesicht gewesen, erzählt der Senior und strahlt. Wenn nur die Beine noch besser mitmachen würden, „dann würde ich auch heute noch gerne tanzen“, sagt Otto Zielke. „Früher habe ich auf Turnieren Medaillen gewonnen“, erzählt er nicht ohne ein bisschen Stolz in der Stimme. Standard hat er dort getanzt, besonders der Tango ist ihm in lebhafter Erinnerung geblieben.
Beim Tanz kennengelernt
Nicht nur der Tanzsport selbst, auch die Bekanntschaften, die man dabei machte, prägten das Leben von Otto Zielke. In der Listhalle lernte er seine spätere Frau Lieselotte kennen: „Sie war mit ihrer Schwester auf einem der Turniere“, erinnert sich der Jubilar. Man kam ins Gespräch, verabredete sich fortan öfter. 1952 wurde geheiratet, da war Otto Zielke 28 Jahre alt. „Das war eine Hübsche“, schwärmt er beim Blick auf ein altes Hochzeitsfoto. Die Hochzeit sei mit viel Musik und natürlich Tanz gefeiert worden, erzählt der Jubilar. Tochter Brigitte und Ziehtochter Rosemarie komplettierten die Familie. Heute hat Otto Zielke außerdem zwei Enkel und vier Urenkel. Fast 65 Ehejahre erlebten er und seine Frau miteinander, bis Lieselotte 2017, nur drei Wochen vor ihrer Eisernen Hochzeit, verstarb.
Otto Zielke stammt aus Wundichow (Unichowo), einem Dorf in der früher preußischen und heute polnischen Provinz Pommern. Dort wurde er am 18. Februar 1924 als zweitjüngstes von fünf Geschwistern geboren, er hatte drei Brüder und eine Schwester. Als junger Mann war Otto Zielke in seiner Heimat als gräflicher Kutschmeister und Gestütsverwalter auf einem Hofgut beschäftigt. „Ich habe viel mit den Pferden gearbeitet, etwa auf dem Acker, den ich gepflügt und dann neu eingesät habe“, erzählt er von der körperlich anstrengenden Arbeit. Der Umgang mit den Tieren habe ihm immer viel Freude bereitet, ergänzt Otto Zielke, der ein großer Naturliebhaber ist: „Ich war immer gerne und viel draußen.“ Die Arbeit auf dem Land nahm ein jähes Ende, als er als Soldat eingezogen wurde.
Im Zweiten Weltkrieg wurde er schwer verletzt, verlor auf einem Auge sein Augenlicht und hat bis heute Splitter im Kopf, „darum habe ich oft Kopfweh“. Als 21-Jähriger kam er in russische Kriegsgefangenschaft und wurde mit einem Viehwaggon nach Sibirien transportiert. Überlebt hat er das nur, weil er sich auf den Boden des Waggons legte, um durch die Spalten Luft zu bekommen. Nach dem Krieg kam Otto Zielke nach Reutlingen und arbeitete im Metallwerk Ammer als Maschinenschlosser. Lange Zeit war er dort zudem Vorstandsmitglied beim Sozialverband VdK und dort über Jahrzehnte unter anderem Ansprechpartner für die Kriegswitwen und die Behinderten. Erst im hohen Alter von 95 Jahren, schon nicht mehr offiziell tätig, beschloss er, nun doch etwas kürzer zu treten. Urlaube führte den Naturliebhaber öfter in die österreichischen Berge oder auf Ausflüge an den Bodensee, „den habe ich geliebt“, erzählt er. Seit dem Frühjahr 2022 lebt Otto Zielke in der Dettinger „Pflegeinsel“, wo der fröhliche ältere Herr morgen gemeinsam mit seiner Familie, den Mitarbeitenden und Bewohnern seinen besonderen Geburtstag feiert. Wie wird man eigentlich 100 Jahre alt? „Ein Leben mit Ruhe und Gelassenheit ist wichtig. Immer in Bewegung bleiben und viel raus in die Natur gehen“, rät der Jubilar.

