Am 30. Juli, dem letzten Tag vor den Sommerferien, wird Annette Wolf die Kirchheimer Raunerschule, seit dem Schuljahr 2015/16 eine Gemeinschaftsschule, ein letztes Mal als deren Schulleiterin betreten. Danach beginnt für die 65-Jährige mit dem Eintritt in den Ruhestand ein neuer Lebensabschnitt. Auf 42 Dienstjahre kann die Pädagogin zurückblicken und tut das positiv gestimmt: „Ich habe den Beruf gefunden, den ich bis zum letzten Tag gerne machen werde. Das ist ein großes Glück und dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Annette Wolf eine Woche vor ihrem letzten Schultag. Offiziell verabschiedet wird sie bereits eine Woche zuvor, am Mittwoch, 23. Juli.
Die Berufswahl nie bereut
Gestartet ist ihre Schullaufbahn in Rottweil. Dort hat Annette Wolf, die vom Bodensee stammt, ihr Referendariat an einer Grund- und Hauptschule absolviert. Danach ging es für sie in das ihr bis dato noch unbekannte Weilheim: „Ich musste auf der Landkarte erst mal schauen, wo das genau liegt“, erinnert sie sich und lacht. Den Radius für die Stellensuche habe man damals aufgrund der eher dünn gesäten freien Lehrerposten recht groß ansetzen müssen, berichtet die 65-Jährige. Zwischendurch sei das dann auch mal anders gewesen.
Zwei Jahrzehnte lang unterrichtete Annette Wolf in der Zähringerstadt, die auch zu ihrem Lebensmittelpunkt wurde. „2007 bin ich dann als Konrektorin an die Kirchheimer Raunerschule gekommen, die zum damaligen Zeitpunkt eine Grund- und Werkrealschule war“, berichtet Wolf. Zehn Jahre blieb sie die stellvertretende Leitung und wurde dann für zwei Jahre zunächst kommissarisch zur neuen Schulleiterin, dann regulär.
Der Lehrerberuf sei für sie immer ein sehr erfüllender gewesen, sagt Annette Wolf rückblickend. „Für mich war es vor allem schön und bereichernd, die Kinder und Jugendlichen in ihrer Lern- und Persönlichkeitsentwicklung zu beobachten, zu begleiten und zu unterstützen“, so die Pädagogin. Dafür brauche es im Schulalltag ein starkes Team und zwingend auch die Unterstützung der Eltern, sagt Annette Wolf, die selbst die Fächer Deutsch, Biologie und Physik unterrichtet.
Ich habe den Beruf gefunden, den ich bis zum letzten Tag gerne machen werde.
Annette Wolf, Schulleiterin der Raunerschule
Die Raunerschule sei heute eine gebundene Ganztagsschule. Im Schuljahr 2015/16 stand sie an einem Wendepunkt, als aus der Grund- und Werkrealschule eine Gemeinschaftsschule wurde. Seitdem können die Schülerinnen und Schüler entweder den Hauptschulabschluss nach Klasse neun oder aber den Realschulabschluss nach Klasse zehn machen. Für Annette Wolf ist das Konzept der Gemeinschaftsschule insgesamt ein positives. Man sei sehr nah am Kind, denn es gehe um die Förderung ganz unterschiedlicher Potenziale und Begabungen. „Ich sehe es als Vorteil, dass sie nach der Grundschulzeit mehr Zeit gemeinsam in einer Klasse verbringen und sich auch ausprobieren können. Erst ab Klasse acht, auf den Abschluss hin, wählen sie dann in allen Fächern ihr entsprechendes Niveau, also für den Haupt- oder Realschulabschluss“, erklärt Annette Wolf. Regelmäßig gebe es mit den derzeit rund 370 Schülerinnen und Schülern auf ihrem Weg dorthin individuelle Feedbackgespräche und gemeinsame Zielvereinbarungen. „Man kann beobachten, dass es in den anfangs vom Niveau her gemischten Klassen oft eher die Motivation oder den Ansporn gibt, besser werden zu wollen“, weiß die Schulleiterin. Sie sehe die Gemeinschaftsschule als Chance. Die Raunerschule habe konstant hohe Anmeldezahlen, so Wolff. „Auch im neuen Schuljahr sind wir bei den fünften Klassen wieder dreizügig.“
Ein weiterer Meilenstein sei parallel zur Umstellung der Schulart der große Um- und Neubau mit dem Abriss dreier alter Gebäude und der Entstehung des modernen Campus gewesen, zu dem auch die Teck-Realschule gehört. „Wir haben heute eine optimale Lernumgebung“, so das Fazit der Schulleiterin. Umso schöner sei es zu wissen, dass die Schule auch weiterhin in guten Händen sei, betont Wolf. Seit diesem Schuljahr gehört Konrektorin Sophie Friedinger zum Leitungsteam. „Ab 1. August beginnt dann der Dienst meiner Nachfolgerin, die glücklicherweise ebenfalls gefunden ist, zumal es gerade auf die Funktionsstellen allgemein nicht so viele Bewerber gibt“, berichtet Annette Wolf, ohne schon einen Namen zu nennen. Nur so viel: Die neue Schulleiterin komme nicht aus den eigenen Reihen.
Neu gewonnene Zeit genießen
Im nahenden Ruhestand sei der Faktor Zeit ein ganz zentraler, den sie genießen werde, so die 65-Jährige. „Ich kann nach über 40 Jahren auch mal außerhalb der Ferien verreisen, das erste Ziel ist Südtirol“, berichtet Wolf. Auch neue Romane lägen schon bereit. „Ich freue mich einfach auf entspanntere Tage ohne Zeitdruck, ich möchte mich wieder mehr um mein soziales Umfeld kümmern, wieder mehr (kulturelle) Veranstaltungen besuchen, mich vielleicht ehrenamtlich engagieren.“
Natürlich müsse sie sich jetzt nach und nach neue Strukturen aufbauen, denn es sei künftig ein anderer Tagesablauf, sagt die angehende Ruheständlerin. Sie lasse es einfach in Ruhe auf sich zukommen. Und wie alle bisherigen Situationen des Wandels nimmt Annette Wolf auch den anstehenden als „spannenden neuen Lebensabschnitt an“.

