Pferdezucht
Pferde sind sein Leben

Georg Ederle aus Bissingen züchtet erfolgreich Warmblüter. Auch als Ausbilder von Jungpferden hat er sich einen Namen gemacht. Eines der späteren Sportpferde zählte zum britischen Reserve-Team bei der Olympiade in Rio. 

Georg Ederle aus Bissingen hat sich einen Namen in der Pferdezüchterszene gemacht. Besonders die Nachkommen (Foto) aus der Linie seiner Zuchtstute Candlelight S sind national und international gefragt. Viele sind als Sportpferde erfolgreich. Foto: Carsten Riedl

Georg Ederle ist mit Pferden aufgewachsen. „Schon mein Großvater war sehr Pferde-affin, ebenso mein Onkel Karl Ederle, der neben Galloway-Rindern zudem wie ich Pferde züchtet“, erzählt der 44-jährige Bissinger, der sich mit seinen sehr gefragten Zuchtpferden einen Namen in der Szene gemacht hat. Sein erstes eigenes Fohlen ist heute 19 Jahre alt. Viele seiner Warmblüter aus eigener Zucht sind als Sportpferde im Springen und der Dressur in den hohen Klassen erfolgreich. Besonders die zahlreichen Nachkommen seiner Zuchtstute Candlelight S. 24 Jahre alt ist sie und hatte nach ihrer Sportkarriere elf Fohlen. „Das ist bislang bundesweit die größte Familie, die auf den Schauen gezeigt wurde“, erklärt Georg Ederle. Bei der Landesstutenschau Anfang Juli in Weilheim wurde Candlelight-Enkeltochter Zoraya Klassensiegerin der Dreijährigen und im großen Finale Gesamtsiegerin in der Dressur. Vier Landeschampions und vier Siegerstuten gingen bei Schauen bereits aus der Candlelight S-Linie hervor. Vier direkte Nachkommen hat Georg Ederle noch heute in seinem Stall, zwei der vier Stuten gehören ihm selbst: „Insgesamt geht es in der Linie mittlerweile bis zu Candlelights Urenkeln.“

Prinz aus Dubai hatte Pferd aus Bissingen

Die Bissinger Pferde aus dem Stall Ederle sind sehr gefragt. Einer der Nachkommen von Candlelight S gehörte dem Erbprinzen von Dubai. Andere sind auf renommierten Gestüten im In- und Ausland beheimatet. „Es sind sehr bewegungs- und auf sportlicher Ebene leistungsstarke Pferde“, so Georg Ederle, der selbst vor allem Dressur-, aber auch Spring- und Vielseitigkeitsreiter ist und zudem Jungpferde ausbildet – und das nicht nur die eigenen. Seine zweite Zuchtlinie geht auf sein Dressurpferd Noblesse zurück.

Jedes Pferd ist anders. Man muss immer auf den individuellen Charakter eingehen.

Georg Ederle

„Mit zehn Jahren war ich mit meinem ersten eigenen Pony zum ersten Mal auf einem Reitwettbewerb, mit 19 wurde ich württembergischer Vize-Meister in der Vielseitigkeit“, erinnert er sich an frühe Erfolge. Zu den Pferden, die Georg Ederle ausgebildet hat, zählt beispielsweise „Billy the Red“. Dessen britische Reiterin Tina Cook wurde mit dem erfolgreichen Vielseitigkeitspferd unter anderem Doppel-Europameisterin. „Billy the Red war auch Reservepferd für die Olympiade in Rio 2016. Seinen ersten Geländeritt hat er bei mir absolviert“, erzählt Ederle. Die Arbeit mit den Jungpferden mache ihm besonders viel Spaß, „ich kann sie ab einem Alter von drei Jahren auf ihrem Weg zum tollen Reitpferd begleiten und dabei fach- und artgerecht die Weichen stellen – häufig für eine sportliche Laufbahn.“ Wichtig sei immer ein fairer Umgang mit dem „Sportpartner Pferd“, betont Ederle, „man muss ihnen mit Respekt und Disziplin begegnen und immer genau auf den individuellen Charakter der Tiere achten und darauf aufbauen“, weiß der Experte aus seiner jahrelangen Erfahrung. Das sei ein spannendes, aber auch herausforderndes Arbeiten, sowohl körperlich als auch geistig: „Jedes Pferd ist anders.“ 

Im April und Mai gab es auf Georg Ederles Hof Nachwuchs. Fotos: Hansjörg Richter

1938 wurde der Hof von seinen Großeltern Frieda und Karl Ederle aufgebaut. „Sie hatten Milchvieh, Schweine und Arbeitspferde“, berichtet der Enkel. 1975 habe dann sein Vater Hans Ederle den elterlichen Hof übernommen und einen ersten neuen Stalltrakt erbaut. Aus dem Hof wurde ein Bullenmastbetrieb. Auch Ochsen gehörten zum Bestand. „2006 hat das letzte Rind den Hof verlassen, dann wurde komplett auf die Pferde umgestellt“, so der heutige Chef Georg Ederle. Sein Vater habe noch mit den Pferden begonnen, „obwohl er mit ihnen eigentlich nichts am Hut hat. Das war vorausschauend, denn ich habe eine Ausbildung zum Pferdewirtschaftsmeister (Zucht und Haltung) gemacht“, sagt Georg Ederle, der zudem ausgebildeter landwirtschaftlich technischer Assistent und Agrartechniker ist. Das Wohnhaus der Großeltern und Eltern wurde mittlerweile durch einen Neubau ersetzt, vor eineinhalb Jahren entstand zudem ein weiterer Stalltrakt für die Zuchtstuten und ihre Fohlen. „Aktuell sind es neun tragende Stuten im Stall, deren Fohlen 2026 zur Welt kommen, zwei weitere sollen noch folgen“, berichtet der Züchter. Neben den vier eigenen Stuten werden auch mehrere Pensionsstuten vom Team betreut. 

Nicht immer läuft jedoch alles glatt. Erst vor Kurzem verlor Georg Ederle eine der Stuten durch eine Kolik. Nach der ersten umgehenden Notfallbehandlung durch seine Tierärztin, die aus Nabern auf den Hof eilte, wurde das Tier in die Kirchheimer Pferdeklinik gebracht. „Sie hatte eine Verlagerung des Dickdarms, man konnte leider nichts mehr machen“, erzählt Ederle von der nervenaufreibenden Nacht. Für das zu dem Zeitpunkt dreieinhalb Wochen alte Fohlen der Stute musste schnellstmöglich eine Ammen-Stute gefunden werden. Über eine extra dafür eingerichtete Facebook-Seite wurde eine passende Kaltblut-Stute aus einem Fuhrmannsbetrieb in Bad Tölz gefunden, die wiederum ihr Fohlen verloren hatte. Noch in der Nacht machte sich Georg Ederle mit dem Fohlen auf den Weg. Mit Erfolg, sie nahm das Fohlen an und ist nun bis Oktober bei ihm in Bissingen. „Das macht nichts, dass es eine Kaltblut-Stute und ein Warmblut-Fohlen sind. Ausschlaggebend ist nur die Milchmenge, gerade, wenn es ein schon älteres Fohlen ist. Kaltblüter haben schon von Haus aus mehr“, erklärt Georg Ederle. Dreimal habe er bisher eine Ammen-Stute benötigt, in einem Fall klappte es nicht.

Man muss Erfahrung mit Pferden mitbringen und körperlich belastbar sein.

Georg Ederle über die Ausbildung zum Pferdewirt bei ihm

Ausbildungsbetrieb für Pferdewirte

Der Tag von Georg Ederle ist lang. Jeden Morgen startet er um sechs Uhr im Stall, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Unterstützt wird er dabei von drei Festangestellten und Azubi Laura Vitow aus Berlin, die im September ihre Ausbildung zur Pferdewirtin abschließt. Auch Vater Hans Ederle unterstützt mit seinen 80 Jahren nach wie vor tatkräftig in der Landwirtschaft. Seit 2012 ist der Hof von Georg Ederle ein Ausbildungsbetrieb. Auch zum diesjährigen Ausbildungsstart im September hat er einen Ausbildungsplatz frei. Man müsse Erfahrung mit Pferden mitbringen, körperlich belastbar sein sowie im Sommer wie Winter auch draußen arbeiten wollen.

Bewerben kann man sich ab 18 Jahren bei Georg Ederle per E-Mail an: Georg@ederle.de, der Hof liegt in der Pfarrstraße 34 in Bissingen.