Lenninger Tal
Polizei gibt Fahrtraining: Sicher auf dem Pedelec unterwegs

Verkehr Der Verein „Unser Netz“ Lenningen und Owen organisiert ein Fahrtraining für Menschen ab 60 Jahren.

Oft werden die Geschwindigkeit und das Gewicht der Räder unterschätzt. Von Anke Kirsammer

Pedelecs boomen. Ohne viel Kraftaufwand bringen die batteriebetriebenen Räder auch Untrainierte zügig ans Ziel. Doch mit den sprunghaft gestiegenen Verkaufszahlen nehmen auch die Unfälle vor allem älterer Menschen rapide zu. Um deren Sicherheit zu erhöhen, bietet das Polizeipräsidium Reutlingen am Donnerstag, 29. Juli, von 14.30 bis 17 Uhr ein Fahrtraining an. Es findet auf dem Platz der Verkehrswacht Neuffen/Teck in Dettingen unter Anleitung einer ausgebildeten Pedelectrainerin statt. Angeschoben wurde es vom Kreisseniorenrat. Der Verein „Unser Netz“ Lenningen und Owen übernimmt die Organisation. Ebenfalls im Boot sind der übrige DOLE-Verbund (siehe Info), die Präventionsabteilung des Polizeipräsidiums Reutlingen und die Kreisverkehrswacht Esslingen.
Gabriele Riecker, Leiterin der Geschäftsstelle von „Unser Netz“, freut sich, dass das Angebot an den Verein herangetragen wurde. „Ich dachte sofort, ‚das brauchen wir‘“, sagt sie. Mit dem Sicherheitstraining betritt der Verein Neuland. Wenn das Interesse groß ist, kann sich Gabriele Riecker vorstellen, dass es weitere Termine gibt, oder der Kurs im kommenden Jahr wieder angeboten wird.
Auch Theorie wird vermittelt
Im Mittelpunkt des Trainings steht das Üben spezieller Situationen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen ein sicheres Fahrgefühl entwickeln und lernen, enge und weite Kurven zu nehmen. Anfahren am Berg, Bremsen, Anhalten und Ausweichen – dazu gibt es Übungen. Zudem lernen die Seniorinnen und Senioren im praktischen Teil, die Geschwindigkeit einzuschätzen. Bevor sie jedoch auf dem Gelände „Gas geben“, bekommen sie Grundwissen rund ums Pedelec vermittelt: Wie müssen der Sattel und der Lenker eingestellt werden, und was ist beim Umgang mit dem Akku zu beachten? Zu solchen Fragen gibt es hilfreiche Tipps.
Prävention hält die Pressesprecherin des Polizeipräsidiums, Andrea Kopp, für das A und O, um Unfälle mit E-Bikes, wie Pedelecs landläufig genannt werden, zu vermeiden. „Da sind natürlich auch Unfälle dabei, die einem ‚normalen‘ Radler auch passiert wären“, räumt sie ein. Wenn zum Beispiel Autofahrer den Radlern die Vorfahrt nähmen, spiele der Antrieb des Fahrrads für den Unfall in der Regel keine Rolle. Und es gebe gleichermaßen Fälle, in denen Pedelecfahrer und andere Radler einen Crash verursachen, weil sie die Verkehrsregeln nicht beachten oder einen Fahrfehler begehen. „Die ohne große Anstrengung zu erreichende Geschwindigkeit und das Gewicht der Pedelecs sind aber zusätzliche Risikofaktoren“, betont Andrea Kopp. Das gelte natürlich nicht nur, aber gerade auch für ältere Menschen, die keine Übung mehr haben und ohne Elektrounterstützung eventuell komplett aufs Radfahren verzichten. „Um diesen Risiken zu begegnen, sind Sicherheitstrainings absolut sinnvoll.“
Auch an anderen Orten im Landkreis bieten Polizei und Kreisseniorenrat in Kooperation mit örtlichen Akteuren das Fahrtraining an. Über die Bühne gegangen ist es bereits in Leinfelden-Echterdingen. In Großbettlingen hat ebenfalls eine Aktion stattgefunden. Wer an dem Training unter dem Titel „Sicherheit und Fahrspaß mit dem Pedelec“ am 29. Juli in Dettingen teilnehmen möchte, muss sein eigenes Pedelec und einen Fahrradhelm mitbringen. Der Kurs kostet 30 Euro.
Anmelden kann man sich unter der Telefonnummer 0 70 26/37 01 98 beziehungsweise per Mail an
info@unser-netz.info

Die Unfälle mit Pedelecs nehmen stark zu

Die Zahl der Unfälle mit Pedelecs ist im Jahr 2020 gegenüber 2019 im Bereich des Polizeipräsidiums Reutlingen um 42,7 Prozent gestiegen. 2019 ereigneten sich 267 Unfälle, 2020 waren es 381. Davon wurden 247 von Pedelecfahrern verursacht. 147 ereigneten sich ohne die Beteiligung eines anderen Verkehrsteilnehmers. 2019 wurden zwei Pedelecfahrer getötet, 2020 waren es acht. Unter anderen Radlern gab es im vergangenen Jahr keinen tödlichen Unfall. Die Zahl der Schwerverletzten Pedelecfahrer stieg von 2019 auf 2020 von 53 auf 80. Leicht verletzt wurden 249 gegenüber 180 im Vorjahr.
Auch im Landkreis Esslingen nehmen die Unfälle mit Pedelecs zu: 2020 waren es 153 gegenüber 105 im Jahr 2019. Das entspricht einer Zunahme von 45,7 Prozent. 89 Unfälle waren 2020 von den Pedelecfahrern selbst verursacht worden, 52 ereigneten sich ohne fremde Beteiligung. Drei Pedelecfahrer starben, 2019 war es lediglich einer. 29 wurden schwer verletzt, 2019 waren es 21. Die Zahl der Leichtverletzten nahm von 67 auf 91 zu.
Partner des Fahrsicherheitstrainings ist der DOLE-Verbund. Unter dem Dach versammeln sich das Forum Altern Dettingen, der Verein „Unser Netz“ Lenningen und Owen sowie der Verein „Aktives Helfen“ Erkenbrechtsweiler-Hochwang. Veranstalter und Initiator ist der Kreisseniorenrat Esslingen. Kooperationspartner sind die Kreisverkehrswacht Esslingen und das Polizeipräsidium Reutlngen. ank