Das Eigenheim mit Sonnenstrom versorgen – das ist in vielen deutschen Haushalten schon längst Alltag. Die blau-schwarzen Solarpanels, die die Energie von Mutter Natur nutzbar machen, um den Fernseher anspringen zu lassen, den Ofen aufzuheizen oder bei Nacht Licht zu spenden, schmücken auch hier in der Region viele Dächer.
Wir brauchen Planungssicherheit, keinen abrupten politischen Kurswechsel.
Ausschnitt aus dem Brief von Olaf Essig und Felix Denzinger aus dem Vorstandsteam der Teckwerke
Doch jüngste Aussagen der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche (CDU), sorgen bei Unterstützern Erneuerbarer Energien für Besorgnis um die Zukunft von Photovoltaik. Die Teckwerke Bürgerenergie Genossenschaft und das Energieteam Süd haben sich anlässlich dessen in einem offenen Brief an Reiche sowie an die Bundestagsabgeordneten Dr. Nils Schmid (SPD), Matthias Gastel (Grüne) und Matthias Hiller (CDU) aus dem Wahlkreis Nürtingen gewendet.
Mehr Aufwand, mehr Gebühren, weniger Erträge
In einem Interview mit der „Augsburger Allgemeine“ hatte die CDU-Politikerin angekündigt, die Einspeisevergütung für Solarstrom aus privaten Haushalten abschaffen zu wollen. Ihre Begründung: „Neue, kleine PV-Anlagen rechnen sich schon heute im Markt und bedürfen keiner Förderung.“ Wer künftig Solarmodule auf dem eigenen Dach installieren lässt, würde für seinen überschüssigen Strom keinen festen Betrag mehr erhalten. Betreiber von bereits bestehenden Anlagen wären davon nicht betroffen. An dieser Stelle greift der Bestandsschutz.
Darüber hinaus fordert Reiche eine intelligente Einspeisung des Stroms. Heißt: PV-Anlagen sollen mit Speichern verbunden und somit steuerbar werden. Statt einer automatisierten Vergütung durch die Netzbetreiber müsste der Strom selbst vermarktet werden. Außerdem möchte die Ministerin, dass sich Betreiber von Solaranlagen in Zukunft an der Finanzierung des Netzausbaus beteiligen.
Jede Art der Veränderung in einem Markt führt zu einer Reaktion des Markts.
Michael Krieg, Klimaschutzmanager der Gemeinde Lenningen
Olaf Essig aus dem Vorstand der Teckwerke und Felix Denzinger, Geschäftsführer des Energieteam Süd und Vorstandsmitglied der Teckwerke, sind von den Forderungen alarmiert. Sie warnen vor einer Ausbremsung der Energiewende sowie der Gefährdung von regionalen Arbeitsplätzen und Wertschöpfung in der Region. „Wir brauchen Planungssicherheit, keinen abrupten politischen Kurswechsel“, heißt es in dem Brief. Wie Olaf Essig und Felix Denzinger berichten, sind die Folgen von Reiches Ankündigungen jetzt schon in Form von Projektverschiebungen und -stornierungen spürbar.
Zudem geben die Vorstandsmitglieder zu bedenken, dass durch die Streichung der Einspeisevergütung auch die Mehrwertsteuerbefreiung wegfalle. „Unsere Anlagen würden über Nacht 19 Prozent teurer. Das Ergebnis wäre ein weiterer massiver Auftragsrückgang, mit allen Konsequenzen für Beschäftigung und Wertschöpfung.“
Gut für das Netz, schlecht für die Energiewende
Michael Krieg, Klimaschutzmanager der Gemeinde Lenningen, hält die Sorge der Unternehmen für berechtigt. „Jede Art der Veränderung in einem Mart führt zu einer Reaktion des Marktes“, stellt der Fachmann klar. Auch wenn der durchschnittliche Ertrag der Einspeisevergütung relativ gering ist, senke der Förder-Stopp den Anreiz zur Eigenproduktion. Zusätzlich anfallende Kosten und Unsicherheiten würden Investitionen hemmen und den Ausbau Erneuerbarer Energien so in der Tat bremsen können.
Eine intelligente Einspeisung ins Netz betrachtet Michael Krieg im Allgemeinen als sinnvoll. Diese Handhabung erhöhe die Flexibilität und Netzstabilität. Andererseits gehe die eigenständige Vermarktung des Sonnenstroms mit einem höheren bürokratischen Aufwand einher. Für Privathaushalte sei das technisch möglich, würde sich finanziell aber kaum auszahlen. Anders sieht das bei Firmen aus, die oftmals mehr Möglichkeiten zur Steuerung und Vermarktung haben und stärker von Skaleneffekten profitieren.

Dass sich Betreiber von Ökostrom-Anlagen künftig stärker an den Netzausbaukosten beteiligen sollen, bewertet Michael Krieg als „teilweise fair“. Hier sei in erster Linie entscheidend, dass die Belastung verhältnismäßig und sozial ausgewogen sei, um die Anschaffung von PV-Anlagen in den Augen von Investoren nicht unattraktiv zu machen. Denn: Wird der Ausbau von Photovoltaik verlangsamt, schwächt das die Versorgungssicherheit in Deutschland langfristig.
Warum Betreiber künftig mehr zahlen sollen
Je nach Umsetzung könnten auch auf Betreiber bestehender PV-Anlagen Nachzahlungen oder neue Abgaben zukommen – vor allem bei den Netzentgelten.
Wer eine Solaranlage hat, benötigt weniger Strom aus dem Netz und zahlt daher in der Regel weniger Netzentgelte, durch die ein großer Teil des Betriebs, der Wartung und des Ausbau des Netzes finanziert werden.
Obwohl PV-Anlagen das Netz stark belasten, zahlen ihre Besitzer daher oft weniger für die Instandhaltung.
Dass Photovoltaik-Anlagen das Netz belasten, hat mehrere Gründe. Weil Solarstrom wetterabhängig ist, ist die Stromproduktion sehr unregelmäßig. Das kann zu Spannungsschwankungen führen; an besonders sonnigen Tagen kann es zu lokalen Überlastungen kommen.
Ein weiteres Problem ist, dass die PV-Anlagen über das gesamte Stromnetz verteilt sind. Das erschwert die Steuerung und Überwachung.

