Eigentlich will Peter Bäumler nur eben demonstrieren, wie sein Gerät funktioniert, aber nach nicht einmal fünf Sekunden geht der Alarm los: Während der 37-Jährige seinen Metalldetektor mit großen Schwenkbewegungen über das Wiesenstück führt, piepst es an einer Stelle. „Das könnte ein Zwei-Euro-Stück sein“, sagt Peter Bäumler. Im strömenden Regen kniet er sich ins Gras und prüft mit seinem orangefarbenen Pinpointer, einer handlichen Miniaturausgabe des großen Metalldetektors, genauer nach. Ja, das Gerät piepst und vibriert, da ist tatsächlich etwas Metallisches im Rasen verborgen. Eine Münze? Oder ein Ring?
Schmuckstücke sucht und findet Peter Bäumler häufig. Er ist Mitglied der Ringjäger, einer bundesweit agierenden Gruppe von Freiwilligen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Wertgegenstände fremder Menschen wiederzufinden. Gegründet wurde sie vor etwa zweieinhalb Jahren von Steven Kutzbach aus Berlin. „Die meisten sind aber schon länger Auftragssucher“, erklärt er. Jedes der zwölf Mitglieder deckt einen anderen Teil des Bundesgebiets ab.
Peter Bäumler lebt in Weilheim, ist aber für sein Hobby in ganz Süddeutschland unterwegs, wenn ihn jemand um Hilfe bittet. Im Taunus war er schon im Einsatz, am Bodensee oder im Allgäu, in München hat er die Isar oder den Bach im Englischen Garten abgeklappert. In der Regel sind es tatsächlich Ringe, die den Leuten im kalten Wasser oder bei der Gartenarbeit vom Finger rutschen. Aber auch Handys oder Autoschlüssel hat er schon aufgespürt. „Alles, was metallisch ist“, erklärt er.
Szene von Auftragssuchern
Sucher ist Peter Bäumler seit etwa elf Jahren. Da hat er sich seinen ersten Metalldetektor besorgt, ein Einsteigergerät, nachdem er eine Dokumentation über das Thema gesehen hatte. „Schon als Jugendlicher fand ich das Hobby cool“, sagt er. Eine regelrechte Szene von Auftragssuchern gebe es. „Das ist, wie wenn jemand Modellflug macht. Es gibt Vernetzung“, erklärt er. Peter Bäumler betont, dass er sich nicht an spektakulären Funden bereichern möchte. Für sein Engagement nehme er kein Geld, lediglich seine Auslagen – Fahrtkosten, Parktickets oder Eintrittsgelder – lasse er sich erstatten. „Wir Ringjäger wollen Leuten helfen“, betont er.
Steven Kutzbach bestätigt das. Den Ringjägern gehe es um die Gemeinschaft. „Wir wollen zeigen: Nicht jeder, der einen Metalldetektor hat, macht etwas Schlimmes oder ist wie Indiana Jones unterwegs“, sagt der Berliner. Pro Jahr können die Ringjäger bundesweit 55 bis 60 erfolgreiche Suchen verzeichnen. Nicht immer könne man aber weiterhelfen. So sei etwa die Suche nach einer Uhr, die irgendwo auf einer zehn Kilometer langen Joggingtour weggekommen sei, schier aussichtslos. Bei sehr feinen Ketten kommt die Technik an ihre Grenzen.
Keine Fundgarantie
„Wir sprechen keine Fundgarantie aus“, betont Bäumler, die Erfolgsrate der Ringjäger liege dennoch bei 85 Prozent. Im Schnee könne er suchen, im Wasser, auch noch Jahre nach dem Verlust. Entscheidend sei aber, den Bereich örtlich eingrenzen zu können. „Das Wichtigste ist Durchhaltevermögen“, fügt der Weilheimer hinzu, stunden- und nächtelang habe er schon nach fremden Schätzen gefahndet. Je nach Gewicht, Masse, Metall oder Legierung gebe der Detektor andere Signale ab, „mit Erfahrung kann man einschätzen, was das ist“, erklärt Peter Bäumler.
Zurück nach Weilheim: Seinen Klappspaten muss Peter Bäumler nicht auspacken. Er wühlt mit der vom Sicherheitshandschuh bedeckten Hand in der aufgeweichten Erde, um herauszufinden, was den Stromimpuls des Detektors ausgelöst hat: Es ist ein schnödes Stück Metallrohr, das wer weiß wie lang in der Erde geruht hat. Enttäuscht ist Bäumler nicht. „Wer denkt, dass man dadurch reich werden kann“, sagt er – und beendet den Satz mit einem Lachen und „A wa!“.
Fundsachen behalten oder abgeben?
Wer einen Wertgegenstand findet, darf ihn nicht einfach behalten. „Es sei denn, der Wert beträgt nicht mehr als zehn Euro“, informiert die Stiftung Warentest online. Laut dem Bürgerlichen Gesetzbuch sind Finder verpflichtet, Funde zu melden, sobald es ihnen möglich sei. Andernfalls mache man sich womöglich der Unterschlagung strafbar. Etwas melden oder suchen könne man auch über verschiedene Websites. „Eine Onlinemeldung ersetzt aber nicht die offizielle Fundanzeige bei Polizei oder Fundbüro“, teilt die Stiftung Warentest mit.
Finder haben einen gesetzlichen Anspruch auf Finderlohn, wenn der Eigentümer seine Sache zurückbekommt. Der Lohn richtet sich nach dem Wert der Fundsache und liegt zwischen fünf und drei Prozent. Melde sich der Eigentümer nicht, geht der Fund nach sechs Monaten ins Eigentum des Finders über oder wird versteigert.
Funde oder Verluste lassen sich online melden unter www.fundbuerodeutschland.de

