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Sägen, Safari und kulturelle Einblicke: Azubi aus Notzingen fliegt nach Afrika

Handwerk Drei Schreiner-Azubis aus dem Landkreis reisen am Samstag zu einem internationalen Leistungswett­bewerb in Ostafrika – als einzige Nicht-Afrikaner. Auch Nadine Oehler aus Notzingen ist dabei. Von Rudi Fritz

Die Schreiner-Azubis und Berufsschüler der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule Nürtingen reisen zu einem Wettbewerb in Ruanda, darunter auch die 20-jährige Nadine Oehler aus Notzingen (Zweite von links).  Foto: Rudi Fritz

In der Nürtinger Berufsschule an der Kanalstraße blickt man schon einige Zeit über den eigenen Tellerrand hinaus: Die PMHS pflegt langjährige internationale Partnerschaften nach Wamba Luadi im afrikanischen Kongo, nach Givatayim in Israel, ins polnische Pruszkow, nach Liévin in Nordfrankreich und ins spanische León.

Jetzt soll mit dem Projekt in Ruanda noch eine weitere Partnerschaft hinzukommen. Im Rahmen der Initiative „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ der Robert-Bosch-Stiftung nimmt die PMHS an den „Umubaji Days“ (zu Deutsch: „Schreinertage“) am Rubengera Technical Campus in Ruanda teil und will im Nachgang eine Partnerschaft mit dieser Schule vereinbaren. „Wir wollen beim Projekt unseren Blick hauptsächlich auf die Nachhaltigkeit lenken“, sagt PMHS-Schulleiter Wolf Hofmann. Wichtig sei, dass dabei auch die Nachhaltigkeitskriterien der Vereinten Nationen beachtet werden.

 

Wir wollen beim Projekt unseren Blick hauptsächlich auf die Nachhaltigkeit lenken.
Wolf Hofmann Schulleiter der PMHS


Die 17 darin verfassten Ziele enthalten unter anderem „hochwertige Bildung“ und „Bildungszusammenarbeit“. Auch das Projektmotto in Ruanda lehnt sich daran an: „Handwerk verbindet“.

Bei dem Wettbewerb, an dem über 200 Personen teilnehmen, gibt es auch Angebote zur Weiterentwicklung und Vernetzung für Handwerker des aufstrebenden Entwicklungslandes. Der Kontakt nach Ruanda kam über den PMHS-Berufsschullehrer Ruprecht Manz zustande. Er hatte von 2016 bis 2021 am Rubengera Technical Campus gearbeitet. „Der Nachhaltigkeitsgedanke, die Völkerverständigung und die Friedensbildung stehen im Vordergrund unserer Reise“, so Manz. Er möchte bei dem Projekt den Schülern zeigen, dass der Schreinerberuf keinesfalls angestaubt, sondern hochaktuell ist und Türen zu anderen Kulturen öffnen kann.

 

Schulleiter zahlt Anteil selbst

Vor der zehntägigen Reise, die von Samstag, 8. Juni, bis Montag, 17. Juni, stattfindet, standen zunächst viele Vorbereitungen an. Zuerst galt es, Sponsoren für das 8000 Euro teure Projekt zu gewinnen. Der Rotary Club Kirchheim-Nürtingen, Westermann Innenausbau Denkendorf, der Förderverein der PMHS und zahlreiche Einzelspender haben dies ermöglicht. Mit dem Betrag wird die Teilnahme des Lehrers und der drei Schüler finanziert. Schulleiter Wolf Hofmann zahlt seinen Kos­tenanteil aus der eigenen Tasche. 17 Schüler des ersten und zweiten Lehrjahres haben sich um die Teilnahme beworben. Nadine Oehler, Julian Doerfel und Lukas Schietinger wurden aus dem Bewerberkreis ausgewählt. Am Donnerstag und Freitag bereiteten sie sich auf den Wettbewerb vor. Unter Ruprecht Manz’ Anleitung wurde der Bau der Stücke geprobt, die vor Ort in einem engen Zeitfenster in Handarbeit anzufertigen sind. Unter anderem sind das eine kleine Treppe und ein Hocker.

Die drei schwäbischen Schreiner-Azubis treten dabei als einzig nicht afrikanische Teilnehmer gegen die Kollegen aus Ruanda und benachbarte Länder an. „Es gibt wie im Sport eine Vorrunde, ein Viertelfinale, ein Halbfinale und ein Finale“, erläutert Manz die Wettbewerbsbedingungen.

 

Einblicke, die normaler Tourist nicht bekommt

Für die 20-jährige, aus Notzingen stammende Nadine Oehler ist die Teilnahme eine unerwartete Chance, zu sehen, wie die Menschen in Afrika arbeiten, und Einblicke zu bekommen, die man als normaler Tourist nicht erhält. „Ich bekomme die Möglichkeit, zu sehen, wie auf einem anderen Kontinent gearbeitet wird“, freut sich auch der 18-jährige Lukas Schietinger aus Esslingen-Zell auf die zehn abwechslungsreichen Tage. Ähnliche Erwartungen an die Reise hat der 21-jährige Julian Doerfel aus Hochdorf, der in Ruanda das Schreinerhandwerk mit anderem Hintergrund und geringeren technischen Mitteln betrachten möchte.

Bei der zehntägigen Reise stehen neben dem dreitägigen Wettbewerb auch die Auseinandersetzung mit der jüngeren Geschichte des Landes, Betriebsbesuche und eine Safari auf dem Programm. Und danach geht es für die fünf Teilnehmer wieder zurück in die Räume der PMHS in Nürtingen. Dort wird man dem Kollegium und den Mitschülern sicher einiges zu erzählen haben.