Kino, Kunst, Kultur: Unter diesem Motto betreibt der Verein DreiKW in Weilheim seit über einem Jahrzehnt das kleine, aber feine „Kinole“. In den Räumlichkeiten von Maler Metzger in der Häringer Straße wurden die drei Ks stets gelebt und gefeiert – in Form regelmäßiger Filmvorstellungen, aber auch zahlreicher anderer Veranstaltungen und Formate.
Im Sommer 2025 galt es dann gezwungenermaßen, Abschied zu nehmen. Nicht vom Kinole, aber von seinem langjährigen Zuhause, das einem Wasserschaden zum Opfer gefallen war. Weil an Aufhören gar nicht zu denken war, machten sich die Vereinsmitglieder schnurstracks auf die Suche nach einem neuen Heim für ihr Mini-Kino. Das entpuppte sich jedoch als überraschend knifflige Aufgabe.
Das Kinole war und ist schon immer unser Wohnzimmer.
Jens Reichardt, erster Vorsitzender des Vereins DreiKW
„Wenn im Erdgeschoss ein schöner Raum ist, im ersten Stock aber Vorhänge hängen, war das schon ein K.-o.-Kriterium“, erläutert Vereinsbeirat Markus Geisinger. „Es will ja keiner über einem Kino wohnen.“ Auch die Mietkosten machten dem Verein an vielen Stellen einen Strich durch die Rechnung.
Insgesamt besichtigten die Betreiber um die 25 Räumlichkeiten. Mit jedem vergangenen Monat ohne Obdach schrumpfte auch der Elan in den Vereinsreihen. „Irgendwann ist man erschöpft“, erklärt der erste Vorsitzende Jens Reichardt. „Es tut dem Verein nicht gut, wenn er keine Heimat hat.“
Ein ganzes Jahr lang war das Kinole kinolos und hielt sich unterdessen mit der Organisation von Konzerten auf Trab – unter anderem im Gemeindezentrum Egelsberg, dem jüngsten der drei evangelischen Gemeindehäuser in Weilheim. Weil sich sowohl Vereinsmitglieder als auch Gäste dort pudelwohl zu fühlen schienen, drängte sich bald schon der Gedanke auf, ob man sich dort nicht dauerhaft niederlassen könne. Einige Zeit später lag der offizielle Antrag auf dem Tisch des Kirchengemeinderats; der stimmte zu, und so fand eine nervenaufreibende, frustgefüllte Suche endlich ihr Ende.
Bis im Gemeindezentrum am Egelsberg in der Georg-Kandenwein-Straße der erste Film auf die Leinwand projiziert werden durfte, stand dem Verein allerdings noch ein halbes Jahr voller Entscheidungen, Tüfteleien und Bauunterfangen bevor. Nachdem das theoretische Konzept auf Papier gebracht war, machten sich rund zehn Leute daran, den Raum in einen vorzeigbaren Kinosaal zu verwandeln. „Das war nicht nur das Wochenende. Da sind Urlaube draufgegangen“, erinnert sich Jens Reichardt.
Kinostühle gerettet
Doch die Arbeit hat sich ausgezahlt, und das Kinole kann sich mehr als sehen lassen. Einige Bestandteile, darunter auch die 26 roten Kinosessel, hatten noch nicht ausgedient und durften von der alten in die neue Location umziehen. Ursprünglich stammen die Sessel übrigens aus dem Kirchheimer Stadtkino. Als sie dort nicht mehr gebraucht wurden, wanderten sie ins Bahnhofslager, wo ihre Reise um ein Haar ein verfrühtes und trauriges Ende genommen hätte. Glücklicherweise wurde der Weilheimer Verein rechtzeitig auf die Polstermöbel aufmerksam und rettete, was zu retten war, vor dem Vermodern.
Auch die Leinwand und ein paar einzelne Lautsprecher stammen aus dem alten Kinole. Der Großteil der technischen Ausrüstung wurde jedoch neu angeschafft. „Wir haben hier mittlerweile ein 4K-Kino, und was den Ton angeht, sind wir auf dem Top-Stand. Wir können hier das volle Programm fahren“, erzählt Jens Reichardt stolz. „Das kann man sich gar nicht vorstellen, was für eine Energie, aber auch ein Geld da reinfließt.“ Nach zwei „rekordverdächtigen“ Umbaumonaten konnte das Kinole im Rahmen der interkulturellen Woche am 3. Oktober eröffnet werden. „Wir sind allen, die mitgewirkt haben, unendlich dankbar“, betont Markus Geisinger. Das gelte natürlich auch für die evangelische Kirchengemeinde um die Limburg, ohne deren Unterstützung es den Verein heute vielleicht gar nicht mehr gäbe.
Friedliche Koexistenz
„Für uns als Kirchengemeinde war wichtig, dass es ein evangelisches Gemeindezentrum Egelsberg bleibt“, betont Pfarrer Matthias Hennig. Trotzdem wolle man die Räumlichkeiten nach außen hin öffnen und das Haus langfristig beleben. Um eine Balance zwischen diesen Zielen zu finden, haben Gemeinde und Verein gemeinsam ein Konzept ausgearbeitet, in dem das Kinole und der kirchliche Betrieb koexistieren können.
Während in dem Kinosaal im Erdgeschoss Geschichten auf der Leinwand zum Leben erwachen, finden Jungscharen, Taufgottesdienste, Gremiensitzungen, Konfirmandenunterricht und Co. nach wie vor ungestört im Rest des Hauses statt. Auch das Schild über der Eingangstür teilen sich Verein und Gemeinde.
Obwohl das Stimmungsbild in der Kirche größtenteils positiv gewesen sei, hat es laut Matthias Hennig natürlich Fragen, vereinzelt auch Zweifel gegeben. Die seien mittlerweile aber Geschichte. „Die Befürchtungen haben sich alle erledigt und die Hoffnungen haben sich erfüllt“, resümiert der Pfarrer.
Noch viel Potenzial
Das Kino- und Veranstaltungskonzept des Vereins ist im Großen und Ganzen unverändert geblieben. „Es ist kein Kino im klassischen Sinne, in dem Montag, Mittwoch und Freitag der neueste James Bond läuft“, erklärt Jens Reichardt. Das sei auch gar nicht möglich. Stattdessen laufen die Filme im Kinole immer nur ein, „oder vielleicht zwei“ Mal. Für Abwechslung ist dementsprechend gesorgt.
Angereichert wird das Kinoprogramm durch Themenabende und weitere Formate, zum Beispiel Frauenfilmabende, gemeinsames Stricken während der Vorstellung oder das Nachmittagskino mit Kaffee und Kuchen. Auch zeichnet das Kinole aus, dass nach dem Abspann in der Regel nie direkt der Heimweg angetreten wird, ergänzt Sandra Schöne aus dem Vereinsvorstand. Im Anschluss an die Vorstellung komme man fast ausnahmslos immer zu angeregten Gesprächen und Diskussionen zusammen.
Die Resonanz der Stammgäste und des neu gewonnen Publikums sei überaus positiv. „Meiner Erfahrung nach fühlen sich die Menschen, die hierherkommen, wahnsinnig wohl und sagen: Wow“, berichtet Sandra Schöne. „Das Kinole war und ist schon immer unser Wohnzimmer“, ergänzt Jens Reichardt.
Der erste Vereinsvorsitzende betont, dass das Programm kontinuierlich weiterentwickelt werden könne. Für Vorschläge und Impulse sei der Verein jederzeit offen. Aus der Gemeinde sei etwa bereits der Wunsch geäußert worden, das Kinole vermehrt für kirchliche Angebote, wie einen Filmgottesdienst oder eine Filmpredigt zu nutzen. „Ich habe das Gefühl, hier gibt es noch viel Potenzial“, resümiert Matthias Hennig.
Ein kleines Kino – und viel mehr
Weil es nur 26 Plätze gibt, ist eine vorherige Anmeldung für den Besuch einer Vorstellung erforderlich.
Es gibt keinen Eintrittspreis im herkömmlichen Sinne. Stattdessen wird in der Regel eine Kulturspende entgegengenommen.
Aus Lizenzgründen darf der Verein die Filme nicht mit deren Titel bewerben, weshalb im Programm ausschließlich eine Beschreibung des Films steht.
Das Kinole kann für Privatveranstaltungen von Kindergeburtstagen bis hin zu Junggesellinenabschieden gemietet werden.
Zusätzlich zu den Filmvorstellungen finden unter anderem immer wieder Konzerte, Dîner en Blanc oder Verkostungen in den Räumlichkeiten statt.
Das Kino und Veranstaltungsprogramm sowie weitere Informationen sind auffindbar unter www.dreikw.de.

