Praktikum
Schüler jobben für den guten Zweck

Beim landesweiten Projekt „Mitmachen Ehrensache“ arbeiten Jugendliche einen Tag in einem Betrieb. Luise Kirchner von der Realschule Lenningen wurde zur Konditorin auf dem Sulzburghof. 

Unter der Anleitung von Konditorin Julia Kraft hilft Luise (12) bei der Zimtstern-Produktion in der Backstube des Unterlenninger Sulzburghofs. Foto: Katja Eisenhardt

Hoch konzentriert sticht Luise einen Zimtstern nach dem anderen aus und legt ihn dann vorsichtig auf das Backblech. Konditorin Julia Kraft schaut ihrer jungen Helferin dabei über die Schulter und gibt Tipps. Schnell hat die Zwölfjährige den Dreh raus. Luise besucht die siebte Klasse der Realschule Lenningen und blickt an diesem Tag in der Backstube des Sulzburghofs in Unterlenningen hinter die Kulissen. Um 6.30 Uhr begann ihr Arbeitstag, bis 12.30 Uhr wird Luise außerdem Obstkuchen belegt, Torten „eingesetzt“ – nicht gebacken – und verziert sowie Marmelade gekocht haben. Wie zahlreiche Schülerinnen und Schüler im Land nimmt die Siebtklässlerin mit ihrer Schule am landesweiten Projekt „Mitmachen Ehrensache“ teil, einer Jugendbildungs- und Beteiligungsaktion, die in diesem Jahr bereits zum 24. Mal am 5. Dezember stattfand, dem Internationalen Tag des Ehrenamts. Im Landkreis Esslingen jobbten wieder rund 100 Jugendliche aus circa 20 Schulen bei zahlreichen Arbeitgebern ganz unterschiedlicher Berufssparten. 

Gehalt wird gespendet

„Allein von der Realschule Lenningen sind dieses Mal über 50 Siebtklässlerinnen und -klässler in ganz verschiedenen Betrieben, das ist wirklich toll“, freut sich Lehrer Marcus Walter, der an der Schule für die Berufsorientierung zuständig ist und die Teilnahme am Projekt koordiniert hat. „Die Schüler können es sich unter den teilnehmenden Betrieben selbst aussuchen, bei welchem sie einen Tag jobben wollen. Mit dem schließen sie dann einen Arbeitsvertrag ab“, erklärt Marcus Walter. Im Schnitt verdienen die Jugendlichen rund fünf Euro pro Stunde. Das „Gehalt“ behalten sie allerdings nicht selbst, sondern das erarbeitete Geld wird gesammelt und für einen guten Zweck gespendet. Im vergangenen Jahr konnten im Landkreis Esslingen über 3500 Euro an soziale und karitative Projekte übergeben werden. „In diesem Jahr wollen wir dieses Ergebnis noch einmal steigern“, sagt Henrik Blaich, Leiter des Aktionsbüros für den Landkreis beim Kreisjugendring Esslingen. Was die Verteilung der Spendengelder angeht, wird es eine Bewerbungsphase geben. „Die finale Entscheidung, welche Projekte mit welchen Summen gefördert werden, wird im neuen Jahr von einer Jury aus Schülern und Schülerinnen getroffen“, erklärt Blaich. Schirmherr des Projekts ist im Landkreis Landrat Marcel Musolf. Die landesweite Koordination liegt bei der Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft sowie der Jugendstiftung Baden-Württemberg.

„Ich war schon öfter beim Weihnachtsmarkt auf dem Sulzburghof. Das ist schon cool, heute mal in der Backstube helfen zu können“, sagt Luise. Zumal die Zwölfjährige auch zu Hause gerne backt: „Mit meiner Oma, vor allem Plätzle und an Ostern Hasen aus Hefe“, erzählt die Schülerin. Ob der Beruf der Konditorin was für sie wäre? „Vielleicht schon, ja“, überlegt Luise. Der frühe Arbeitsbeginn wäre auch kein Problem. „Ich stehe sowieso immer um 5 Uhr auf.“ Im Zuge des Projekts „Mitmachen Ehrensache“ sei Luise die erste, die einen Tag auf dem Sulzburghof mithelfe, erklärt Geschäftsführerin Sandra Hornung. „Ansonsten haben wir aber regelmäßig Praktikanten.“

Frühe Berufspraxis wichtig

Seit dem letzten Schuljahr habe man die Teilnahme am landesweiten Projekt verstärkt gefördert, berichtet Marcus Walter. „Gerade in der siebten Klasse ist das wirklich sinnvoll, da sind die Schülerinnen und Schüler sehr motiviert. Im April stehen dann für die gesamte Klassenstufe sieben auch wieder der Girl’s Day und Boy’s Day an, die ein eintägiges Pflicht-Schnupperpraktikum in einem Betrieb sind, während die Teilnahme bei ‚Mitmachen Ehrensache‘ freiwillig ist“, so Walter. In Klasse acht stehen dann verschiedene Betriebsbesichtigungen an, bevor es in Klasse neun ein weiteres Berufspraktikum gebe. Schritt für Schritt lernen die Jugendlichen so die Bandbreite an unterschiedlichen Ausbildungsberufen kennen. „Viele kennen nur die üblichen Top Ten oder haben persönlich noch gar keine konkrete Vorstellung davon, was sie einmal beruflich machen möchten“, weiß Sandra Hornung. Umso wichtiger sei es, so früh wie möglich die unterschiedlichen Optionen kennenzulernen. „Früher gingen die Bewerbungen von selbst ein, heute muss man als Betrieb mehr hinterher sein“, so Hornung.