Wer will frisches Popcorn?“ ruft ein Mädchen und läuft mit mehreren übervollen Tüten durch die dicht bestuhlten Reihen der Oberlenninger Turn- und Festhalle. Zwischen raschelnden Papiertüten und Prisecco-Gläsern füllt sich der Saal bis auf den letzten Platz. 330 Menschen sind gekommen, um den historischen Scheufelen-Film zu sehen. Ein Stummfilm aus den 1930er-Jahren, der die Papierproduktion in der damaligen Fabrik zeigt, unterlegt mit einem eingesprochenen Kommentar von Dr. Ulrich Scheufelen, dem Urenkel des Firmengründers.
Lenningen blickt zurück
Organisiert hat den Abend das Fundraising-Team „ZAMMA“, das mit seinen Aktionen im Lenninger Tal die Finanzierung der Jugendreferentenstelle der Julius-von-Jan-Kirchengemeinde unterstützt. Zuvor hat das Team Zamma bereits mit der Pfandraising-Aktion „Leergut? Voll gut!“ in mehreren Ortsteilen Spenden für denselben Zweck gesammelt. Dabei wurden Pfandflaschen und -dosen an den Haustüren eingesammelt und der Erlös vollständig an die Jugendarbeit weitergegeben.
Noch bevor der Film startet, tritt Benjamin Gökeler vom Zamma-Team ans Mikrofon. Auf seine Frage, wer bei Scheufelen gearbeitet hat, stehen zahlreiche Menschen auf. „Ich frag jetzt lieber nicht, wer jemanden kennt, der dort gearbeitet hat, sonst stehen hier gleich alle“, sagt er und sorgt für ein Schmunzeln im Saal.
Als das Licht gedimmt wird, richtet sich der Blick nach vorne. Auf der Leinwand ziehen Drohnenaufnahmen über das Lenninger Tal. Dann beginnt der restaurierte Film aus dem Jahr 1937, aufbereitet von Thomas Harriefeld und Michael Maschke.
Papier für die Welt
Der rund einstündige Film ist in drei Teile gegliedert. Zu sehen sind Landschaftsaufnahmen, die Autobahnanbindung der damaligen Zeit, Ochsenkarren auf den Straßen und die Fabrik im Alltag. Später folgen eindrucksvolle Szenen aus der Papierproduktion: Holzfasern, Maschinen, Arbeiter an den Papiermaschinen. Der dritte Teil zeigt schließlich den Export in alle Welt: Kisten mit Zielorten wie Buenos Aires, Shanghai oder Kapstadt. Dr. Ulrich Scheufelen kommentiert die Aufnahmen und ordnet sie historisch ein. Viele im Publikum nicken, wenn bekannte Gebäude oder Gesichter auftauchen.
Vom Film zur Erinnerung
Nach einer kurzen Pause wird die Bühne umgebaut. Drei graue Sessel stehen nun im Licht, Moderator Kurt Hiller begrüßt Dr. Ulrich Scheufelen und den früheren Bürgermeister Gerhard Schneider. Gemeinsam blicken sie auf die Geschichte der Papierfabrik und ihre Bedeutung für den Ort. Scheufelen erzählt vom frühen Bahnanschluss im 19. Jahrhundert, den sein Urgroßvater selbst beim König beantragte, vom Kriegsende 1945, als Oberlenningen kampflos übergeben wurde, und von der Zeit danach. Nach dem Krieg kamen viele Heimatvertriebene ins Tal, fanden Arbeit in der Fabrik, doch es fehlte an Wohnraum. Auf Initiative von Scheufelen und weiteren Akteuren aus der Region entstand auf der Albhochfläche Hochwang, eine eigens gegründete Baugenossenschaft übernahm die Umsetzung. Ein Grundstück mit Haus kostete damals rund 30.000 D-Mark. Die Hochwanger Steige wurde 1954 eingeweiht.
Zum Schluss kommen Fragen aus dem Publikum: nach alten Wasserkanälen, nach der Nutzung von Wasserkraft, nach dem Namen der Hochwanger Steige. „Wang“, erklärt Scheufelen, „steht für Mulde, also eine hohe Mulde.“

