Als Herbert Hiller im Alter von 32 Jahren am 17. November 1975 zum Vorsitzenden des neu gegründeten CDU-Ortsverbands Notzingen-Wellingen gewählt wurde, war für ihn noch nicht abzusehen, dass er diesen Posten 50 Jahre später immer noch innehaben würde. Der heute 82-Jährige wurde für seine besonderen Verdienste vor wenigen Tagen bei der offiziellen Feier zum Jubiläum des Ortsverbands mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet. Gastrednerin war die CDU-Bundestagsabgeordnete Christina Stumpp, stellvertretende Generalsekretärin der CDU Deutschlands. Sie berichtete, dass Nachforschungen im Archiv der Berliner Konrad-Adenauer-Stiftung ergeben hätten, dass Herbert Hiller deutschlandweit der Einzige ist, der bereits seit 50 Jahren an der Spitze eines Ortsverbands steht. „Das hat sich wohl bis zum Bundeskanzler herumgesprochen, hieß es, vermutlich kommt da noch Post“, berichtet Herbert Hiller.
An der Lokalpolitik beteilige ich mich aktiv, weil ich mich für die Demokratie einsetzen möchte.
Herbert Hiller
Die Gründung des Ortsverbands sei 1975 auf Initiative des damals in Notzingen wohnhaften CDU-Bundestagsabgeordneten Anton Stark und einigen Bürgern angeregt worden, erinnert sich Hiller. Die Gründungsversammlung fand im Gasthaus Lamm statt, „spontan traten direkt 17 Personen dem Ortsverband bei.“ Zum Vorsitzenden wurde Herbert Hiller gewählt, zum Stellvertreter Heinz Frick und zum Kassier Immanuel Barz. Im Januar 1976 fand der erste öffentliche Informationsabend statt. „Das Thema war ‚Umweltschutz geht uns alle an‘, das ist heute genauso aktuell“, sagt Herbert Hiller. Von den Gründungsmitgliedern lebe außer ihm niemand mehr. An der Lokalpolitik beteilige er sich seit jeher aus der inneren Überzeugung heraus, die Demokratie mit festigen zu wollen. „Ich bin noch der Kriegsjahrgang. Die Motivation war immer, dass so etwas nie wieder passieren darf“, sagt der 82-Jährige, das gelte in heutiger Zeit mehr denn je. Schon vor der Gründung des CDU-Ortsverbands habe er sich engagiert, etwa 1972/73, als es um die Verhinderung der Eingemeindung nach Kirchheim ging. „Damals gab es ein Flugblatt, darauf stand: Notzingen wird nicht verkauft“, erinnert sich Herbert Hiller.

Bei den Gemeinderatswahlen 1980 trat die CDU erstmals mit an und holte auf Anhieb fünf Sitze. Einer davon gehörte Herbert Hiller. Vier Jahre später – so lange dauerte damals eine Wahlperiode des Gemeinderats – wurde Hiller zum ersten Mal zum stellvertretenden Bürgermeister gewählt. Das blieb er ohne Unterbrechung 36 Jahre lang, bis er im Oktober 2019 aus dem Gemeinderat ausschied. In dem Zuge wurde Herbert Hiller für seine vielfältigen Verdienste im Ort – von der fast 40-jährigen Gemeinderatsarbeit über das Engagement im Sportverein, beim Kinderferienprogramm oder eben auch im CDU-Ortsverband – zum Ehrenbürger ernannt.
Zwischen Politik und Freizeit
Zu den Themen in den ersten Gemeinderatsjahren, die die neue CDU-Fraktion in den 80er-Jahren mitgestaltete, habe beispielsweise der Abriss des alten Schulhauses und der Neubau des Wellinger Bürgerhauses an selbiger Stelle gehört, erinnert sich Herbert Hiller an die Anfänge. Baugebiete wurden erschlossen, ebenso ein neues Gewerbegebiet.
Neben dem kommunalpolitischen Engagement sei es dem CDU-Ortsverband schon immer ein zentrales Anliegen gewesen, auch öffentliche Angebote für die gesamte Bevölkerung zu organisieren, berichten Herbert Hiller und der heutige Vorsitzende der Gemeinderatsfraktion Alfred Bidlingmaier. „Den ersten Herbstball in der Gemeindehalle haben wir 1977 veranstaltet, da war die Halle voll. Ab 1987 gab es 32 Jahre lang das Kinderferienprogramm mit der Unterstützung weiterer Akteure aus dem Ort. Dann kam die Corona-Pandemie und danach hatte sich irgendwie der Bedarf verändert, die Nachfrage war gesunken. Auch die Betreuer waren halt 32 Jahre älter und es fehlte an jüngeren“, so Herbert Hiller. Einen festen Platz im Jahreskalender habe bis heute im Oktober die Markungsputzete, der Startschuss fiel hier 1993. Von 1983 bis 2019 war der CDU-Ortsverband auch immer mit einem Stand auf dem Notzinger Weihnachtsmarkt vertreten, bis das aufgrund des Parteienspendengesetzes nicht mehr möglich gewesen sei: „Die Einnahmen vom Weihnachtsmarkt werden immer gespendet, für lokale, regionale oder auch internationale Projekte. Wir dürfen als Partei aber nicht spenden, im Gegensatz beispielsweise zu einer Wählervereinigung“, erklärt Alfred Bidlingmaier.
Im Austausch bleiben
Ein weiteres Angebot für die gesamte Bürgerschaft sind die Wanderungen, die Herbert Hiller jeden zweiten Dienstag im Monat organisiert. „Der Austausch ist einfach sehr wichtig, nicht nur zu lokalpolitischen Themen. Man muss präsent sein – und das nicht nur vor Wahlen –, den Leuten etwas anbieten und nicht nur im Hinterzimmer debattieren“, ist der langjährige Vorsitzende des Ortsverbands überzeugt. Heute habe dieser noch rund 16 Mitglieder. Nachwuchs zu finden, sei eine Herausforderung, der man sich stellen müsse, sagt Herbert Hiller. Er selbst strebt nach 50 aktiven Jahren an der Spitze zeitnah einen Generationswechsel an. Ehrenamtlich im Ort aktiv bleibe er aber sicherlich auch weiterhin, „denn das hält mich jung“.
Dienstags wird gemeinsam gewandert
Nicht nur mit klassischen Veranstaltungen ist der CDU-Ortsverband Notzingen-Wellingen seit vielen Jahrzehnten in der Kommunalpolitik für die Bürgerschaft und seine Mitglieder und Freunde tätig. Ein Beispiel der zusätzlichen Aktivitäten ist die Wandergruppe. Diese trifft sich unter der Leitung von Herbert Hiller jeden zweiten Dienstag im Monat.
Gewandert wird meist auf und um die Notzinger und Wellinger Gemarkung. Ein Zwischenstopp mit Kaffee und Kuchen gehört bei den Wandernachmittagen fest dazu. Wichtig sind dabei die zwischenmenschlichen Kontakte und Gespräche. So werden jedes Mal auch Themen der örtlichen Kommunalpolitik diskutiert und Besichtigungen von aktuellen Projekten können eingebaut werden.
Der nächste Wandertermin findet am Dienstag, 9. Dezember, von 14 bis 17 Uhr statt. Details zur Tour werden vorab auf der CDU-Homepage unter www.cdu-notzingen.de/termine bekanntgegeben.

