Neuffen. Im Jahre 1301 verkaufte Konrad von Weinsberg die Herrschaft Neuffen mitsamt der Burg Hohenneuffen an Graf Eberhard I. von Württemberg. Das Gebiet wird damit Teil der großen Erfolgsgeschichte der Württemberger im deutschen Südwesten. Der Hohenneuffen erhält mit dem Ausbau zur Landesfestung im 16. Jahrhundert sein heutiges Aussehen und gilt durch die Dreiländerkonferenz des Jahres 1948 sogar als Wiege des Landes Baden-Württemberg.
Der Niedergang der Staufer
Hatte der Stauferkönig Heinrich (VII.) noch 1232 Neuffen das Stadtrecht verliehen, so trug der Niedergang dieses Kaisergeschlechts nur ein paar Jahrzehnte später auch zum Ende der Herren von Neuffen bei. Ihnen fehlte nun ein wichtiger Verbündeter und im Jahr 1290 starb die männliche Linie der Herren von Neuffen aus. Die Stadt Neuffen mit der Burg Hohenneuffen und den umliegenden Orten lag nun in den Händen Konrads von Weinsberg, dem Ehemann Luitgards von Neuffen. Dieser zögerte nicht, seinen Neuffener Besitz an Graf Eberhard I. den Erlauchten von Württemberg zu verkaufen. Die Urkunde wurde am 21. Januar 1301 ausgestellt, der Verkaufspreis betrug 7000 Pfund Heller – eine stattliche Summe.
Der Aufstieg Württembergs
Es verwundert nicht, dass Konrad von Weinsberg die Neuffener Besitzungen ausgerechnet an einen Württemberger verkauft hat. Das Haus Württemberg befand sich in dieser Zeit auf einem großen Erfolgskurs: Gab es um 1260 gerade einmal fünf württembergische Städte, so konnte das Adelsgeschlecht bis um 1300 rund 50 Städte mit den dazugehörigen Burgen und Dörfern erwerben. Hierzu gehörte auch die nahe gelegene Stadt Urach mit der Burg Hohenurach.
Als 1311 über den streitbaren Eberhard I. sogar die Reichsacht verhängt wurde, war der Hohenneuffen einer seiner letzten Zufluchtsorte. Seit dieser Zeit hat sich die Geschichte mehrmals wiederholt, denn die nahezu uneinnehmbare Höhenburg diente für Württemberg fortan als wichtiges Bollwerk bei kriegerischen Auseinandersetzungen.
Herzog Ulrich von Württemberg nahm in der Mitte des 16. Jahrhunderts den Hohenneuffen in den Kreis der insgesamt sieben Verteidigungsanlagen auf, die er zu sogenannten Landesfestungen ausbauen ließ. Sein Sohn Christoph setzte den Ausbau fort, und auch noch im 18. Jahrhundert schenkte Herzog Carl Alexander dem Hohenneuffen große Beachtung. Er plante, die Festung nach modernsten Gesichtspunkten erweitern zu lassen – doch sein früher Tod führte dazu, dass die Bauarbeiten nicht fertiggestellt werden konnten. Und doch gilt der Hohenneuffen heute sogar als Wiege des Landes Baden-Württemberg: 1948 fand hier die Dreiländerkonferenz statt, auf der die Idee eines gemeinsamen Südweststaates erstmals von den wichtigsten Politikern erörtert wurde. pm

