Was tun mit dem voll möblierten Elternhaus? Rainer Ebinger aus Neckarhausen stand vor einem Jahr vor genau dieser Frage. Das Gebäude hat einen gewissen Sanierungsstau, doch Ebinger fehlen im Moment Zeit und Geld, das Haus zu renovieren. Also suchte er nach Mietern, möglichst solchen, die die hochwertigen, aber nicht mehr modernen Möbel brauchen können. Zunächst hatte er Studierende als Mieter, dann hörte er über Bekannte von „Türöffner“, der Wohnrauminitiative der Caritas Fils-Neckar-Alb in Zusammenarbeit mit der Stadt Nürtingen.
Wir entlasten die Vermieter durch die Vorauswahl.
Helga Rütten, Fachleitung Solidarität bei der Caritas
Dort schilderte er, was er anbieten kann und wen er sich als Mieter vorstellen könnte. Da er selbst nebenan wohnt, war besonders wichtig, dass es menschlich passt: „Es hat nicht gleich beim ersten Mal geklappt, aber dann kamen die Shevchenkos.“
Familie Shevchenko mit ihren drei Kindern im Alter von zehn, elf und 13 Jahren lebte in einer Anschlussunterbringung in Aichtal. Ein halbes Jahr suchten Tetjana und Ardem Shevchenko nach einer Bleibe, doch oft kamen Absagen, es gab zu viele Interessenten oder die Wohnungen waren zu klein oder zu teuer.
„Herr Frisch von Türöffner hat bei mir angerufen und von Familie Shevchenko berichtet. Für mich hat es gleich gepasst und ich hab es noch keine Sekunde bereut“, sagt Ebinger. Für ihn ist die Vermietung ideal abgelaufen. „Die Vorauswahl war perfekt.“ Die Shevchenkos sind ebenfalls zufrieden. Seit einem Jahr wohnt die ukrainische Familie bereits in Neckarhausen.
Der Mietvertrag mit Ebinger läuft zunächst auf fünf Jahre. Bevor die Shevchenkos einziehen konnten, ist einiges im Vorfeld abgelaufen. Jan Frisch, der Immobilienfachmann von Türöffner, hat den Kontakt zwischen den Shevchenkos und Ebinger hergestellt. Zusammen mit der Sozialarbeiterin Saskia Mikschy ist er bei der Caritas für Türöffner zuständig. Die Mitarbeiter von Türöffner betonen, dass sie keine Makler sind: „Wir gehen nicht für Sie auf Wohnungssuche. Wir können Ihnen daher keine Garantie auf eine Wohnung bieten, lediglich eine zusätzliche Chance“, teilen sie Interessenten mit. Sie melden sich erst, wenn eine passende Wohnung gefunden wurde und vereinbaren dann einen Besichtigungstermin. Die Entscheidung liegt weiterhin beim Vermieter.
Zielgruppe sind Menschen, die auf dem normalen Wohnungsmarkt nur schlechte Chancen haben, eine Wohnung zu finden. Für sie möchten die Mitarbeiter von Türöffner Wohnraum erschließen, der sonst nicht genutzt würde. Deshalb sollen die Hürden für Vermieter gesenkt werden. Aktuell als wohnungssuchend registriert sind 236 Familien und Einzelpersonen.
Hilfe bei den Verträgen
Schrottimmobilien werden nicht vermittelt, aber Wohnungen, die nicht mehr dem Neubaustandard entsprechen. „Für den Umzug und kleinere Reparaturen gibt es Geld, aber wir setzen niemandem die ganze Wohnung instand.“ Kleinere Arbeiten würden Ehrenamtliche übernehmen. Mikschy möchte Vermietern die Bedenken nehmen. „Wir schauen genau nach ihren Wünschen.“ Die künftigen Mieter werden in ihrem alten Zuhause besucht, dann könne man gleich sehen, ob jemand sorgsam mit der Wohnung umgeht. Bei einer normalen Ausschreibung einer günstigen Wohnung kämen oft über 100 Bewerber: „Wir entlasten die Vermieter durch die Vorauswahl“, sagt Helga Rütten, Fachleitung Solidarität bei der Caritas.
Frisch hilft bei der Ausgestaltung der Verträge: „Wir bestehen grundsätzlich auf einer Abtretungserklärung. Dann bekommen die Vermieter ihr Geld sicher vom Amt.“ Für Personen, die kein Geld vom Amt bekommen, hat die Stadt Nürtingen einen Risikofonds aufgelegt, um einzuspringen und Menschen vor der Obdachlosigkeit zu bewahren. „Der wurde aber noch nie in Anspruch genommen“, sagt Frisch. Beim Jobcenter gebe es Kautionsdarlehen, außerdem wird auf einer Haftpflichtversicherung für Schäden an der Mietsache bestanden.
Das Projekt „Türöffner“ der Caritas
Der Türöffner geht nun ins fünfte Jahr und die Mitarbeiter freuen sich über alle, die sie dabei begleiten konnten, in Sicherheit zu leben. Über 60 Türen in der Region seien seither geöffnet worden. Die meisten der Mietverhältnisse seien dauerhaft. Befristungen seien natürlich möglich, beispielsweise, wenn eine Erbengemeinschaft noch nicht weiß, was sie mit einer Immobilie machen soll.
Wer eine Wohnung anbieten möchte, kann sich an Jan Frisch, Telefon 01 62/2 32 96 68, E-Mail frisch.j@caritas-dicvrs.de wenden. Für Mietinteressenten ist Saskia Mikschy, Telefon 01 52/02 89 51 03, E-Mail mikschy.s@ caritas-dicvrs.de, Ansprechpartnerin.

