Wein
Sonnigere Aussichten im Weilheimer Wengert

Nachdem der Ernteertrag der Weilheimer Weinberge 2024 einen absoluten Tiefpunkt erreicht hat, kann der städtische Weingärtnerverein in diesem Jahr eine deutlich positivere Zwischenbilanz ziehen.

Natürlich stand für Sandra Schöne, Peter Marx, Karl Bölz, Florian Schepp, Jürgen Ebler, Johannes Züfle, Barbara Born, Rainer Bauer, Jens Fritz und Michael Schöne (von links nach rechts) im Rahmen des Rundgangs auch eine kleine Verkostung auf dem Programm. Foto: Fiona Peter

Zwischen den Blättern der Rebstöcke in Württembergs höchstem Weinberg leuchten goldene und violette Trauben. Pünktlich zum Beginn der Weinlese hat der Verein der Weinbergbesitzer von Weilheim zu seinem alljährlichen Rundgang eingeladen, um über den Stand des Weinjahrs zu informieren. Gleichzeitig dient der gemeinsame Gang durch den malerischen Wengert am Südhang der Limburg auch dazu, den Hobbywinzerinnen und -winzern für ihren Beitrag zur Landschaftspflege und der Identitätsstiftung der Stadt zu danken, wie Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle unterstreicht.

Wir haben ein gutes Weinjahr hingekriegt.

Michael Schöne, Vorsitzender des Vereins der Weinbergbesitzer von Weilheim

Im vergangenen Jahr hatten die Mitglieder des Weingärtnervereins allerdings wenig zu feiern: Eine Frostnacht im April hatte ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Der Frost ist kritisch, wenn er nach dem Austrieb erfolgt, was letztes Jahr leider Gottes so war“, bedauert der Vereinsvorsitzende Michael Schöne.

Das Wetter hatte den Rebstöcken derart zugesetzt, dass die Ernte so gering ausfiel wie noch nie zuvor in der Vereinsgeschichte. Es gab so wenig Trauben, dass kein Weilheimer Spätburgunder abgefüllt werden konnte und man den Jahrgang 2024 schweren Herzens aussetzen musste.

Dieses Jahr hat Michael Schöne aber bessere Nachrichten zu überbringen. Das Glück war auf der Seite der Wengerter: kein Frost. „Wir sind heilfroh“, so Schöne. Mit der Lese ist man in Weilheims Weinbergen etwas früher dran als im vergangenen Jahr. Das war laut Michael Schöne allerdings abzusehen: „Es geht immer weiter Richtung August.“

Die Trockenheit machte Ärger

Los geht es wie immer mit der Rebsorte Acolon, anschließend werden Portugieser und Dornfelder gelesen. Nächste Woche ist dann der Müller-Thurgau an der Reihe. Ganz optimale Wetterbedingungen hatte man trotz ausbleibendem Frost in diesem Jahr nicht. Michael Schöne blickt auf einen recht warmen, trockenen Juni zurück. Auf einen etwas regnerischen Juli folgte dann ein relativ trockener August. Die älteren Reben seien zum Glück kaum zu Schaden gekommen; den Jungreben habe das Wetter aber weniger gutgetan. „Die haben schon gelitten“, so Schöne. Um die Pflanzen vor dem Verdursten zu retten, sahen sich die Wengerter gezwungen, jeden zweiten oder dritten Tag Kanister voll Wasser in den Weinberg zu karren und die Reben manuell zu bewässern.

Rainer Bauer zeigt den Gästen junge Reben. Foto: Fiona Peter

Eine positive Bilanz zieht der Verein der Weinbergbesitzer hinsichtlich des Mehltaus. Natürlich, so Schöne, kümmere man sich vorbeugend immer um den Pflanzenschutz. Dieses Jahr habe man aber keine bösen Überraschungen erlebt. „Wir haben so gut wie keinen Mehltaubefall“, verkündet er wohlgestimmt.

Im Großen und Ganzen ist Michael Schöne mit der Situation zufrieden: „Wir haben ein gutes Weinjahr hingekriegt.“

„Piwis“ verdrängen Klassiker

Ein aktuell heißes Thema im Weinbau sind die pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (kurz: Piwis), die mittlerweile auch die Weilheimer Weinberge erreicht haben. „Auch wir stellen immer weiter auf die Sorten um, damit man weniger Pflanzenschutz betreiben muss und dadurch auch die Arbeit im Weinberg ein bisschen angenehmer wird“, erklärt Michael Schöne.

Aktuell wachsen auf den knapp über drei Hektar, die der Verein an der Limburg, auf dem Egelsberg und in Hepsisau bewirtschaftet, zwei Piwi-Sorten: der Regent und der Souvignier Gris. Wie Michael Schöne verrät, wird es letzteren in naher Zukunft – schätzungsweise zwei bis drei Jahre – wohl auch reinsortig in der Flasche zu kaufen geben.

Der Haken: Wo Piwi-Sorten gepflanzt werden, müssen Spätburgunder und Silvaner teilweise weichen. „Das ist ein bisschen schade“, meint Michael Schöne. Er hofft, dass weiterhin genug Trauben zusammenkommen, um eigene Weilheimer Weine ausbauen zu können. Denn: Dazu braucht man pro Sorte mindestens 3000 Kilo. Im Moment beträgt die Ausbeute in Weilheim rund 3700 Kilo. „Sonst gehen die Trauben halt nach Neuffen und tauchen in einem anderen Silvaner oder Spätburgunder auf“, fügt Michael Schöne hinzu.

Die Oberhand im Wengert werden die Piwis so schnell aber nicht übernehmen: Von den 3,17 Hektar besetzen Regent und Souvignier Gris bisher lediglich sechs Ar.

Die Sache mit dem Naturschutz 

Ein laufendes Thema ist für die Weilheimer Wengerter der Pflanzenschutz, denn der ist in Naturschutzgebieten – dazu zählt auch die Limburg – eigentlich tabu. Um eine Verwüstung durch Schädlinge zu verhindern, hat die Stadt Weilheim eine Sondergenehmigung eingeholt. Die läuft in einem Jahr allerdings aus. Wie es dahingehend genau weitergeht, wissen die Weingärtnerinnen und Weingärtner noch nicht. Michael Schöne ist jedoch zuversichtlich, dass man die Reben weiterhin schützen dürfe: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das nicht verlängert wird.“

Nach dem informativen Teil freuten sich die Anwesenden über einen guten Tropfen aus dem heimischen Wengert – die traumhafte Aussicht über das Tal gab es als Bonus dazu. Mit dabei waren neben Michael Schöne und Johannes Züfle auch Winzer Rainer Bauer, Karl Bölz vom Obst- und Gartenbauverein, der katholische Pfarrer Peter Marx und Sängerin Sandra Schöne. Von den Oberhäuptern der umliegenden Gemeinden hatten sich Ohmdens Bürgermeisterin Barbara Born sowie Jens Fritz aus Bissingen, Florian Schepp aus Holzmaden und Jürgen Ebler aus Neidlingen angeschlossen.

Über den Verein

Der Verein der Weinbergbesitzer von Weilheim wurde am 8. März 1956 gegründet. Weinberge gab es an der Limburg aber schon um das Jahr 1100.

Die Zahl der aktiven Weingärtnerinnen und Weingärtner im Verein ist über die Jahre deutlich geschrumpft: Von den damals 100 Mitgliedern sind inzwischen noch 24 geblieben.

14 der Wengerter geben ihre Trauben, die auf zweieinhalb der rund drei Hektar wachsen, an die Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck ab.

Der größere Teil der Fläche (rund 55 Prozent) ist mit weißen Sorten bepflanzt.

Zu den weißen Rebsorten zählen Kerner (65 Ar), Müller-Thurgau (55 Ar), Silvaner (47 Ar), Riesling (13 Ar) und der Souvignier Gris (2 Ar).

Die Auswahl roter Rebsorten umfasst Spätburgunder (61 Ar), Acolon (37 Ar), Dornfelder (22 Ar), Portugieser (13 Ar) sowie Zweigelt und Regent (jeweils 4 Ar).

Rote Sorten gibt es in den Weilheimer Weinbergen nicht schon immer: Sie breiteten sich erst in den vergangenen 25 Jahren aus.