Handwerk
Spielend in die Steinzeit

Jens Fischer aus Holzmaden kreiert mit „RoccArt“ begehbare Kunstwerke, schafft aus Beton Felslandschaften und damit eine Bühne für Abenteuer und Wellness. 

Jens Fischer, Sohn Neo (14) und Tochter Lilou (10) auf dem Dach der Whirlpool-Grotte im heimischen Garten. Fotos: Sabine Ackermann

Sonntagvormittag, Jens Fischer, seine Frau Silvia, ihre Söhne Neo, Rion, Lyam und Tochter Lilou nutzen die letzten Sommertage in ihrem weitläufigen Garten. Und dieser hat es in sich. Weit entfernt von akribisch-gepflegter Ordnung, kurzgeschorenen saftig-grünen Rasenflächen nebst homogenen Blumenbeeten – vielmehr ist es am Ortsrand von Holzmaden ein Wohlfühlort, der „Natur, Spiel und Emotionen verbindet“.

Bewusst gewollt, macht der Haus- und Grundbesitzer lachend deutlich: „Wir haben Eidechsen, hier sprießts und lebts!“ Wie kam es dazu? „Ich bin ein echter Holzmadener, ein Urweltfossil“, sagt Jens Fischer, dessen Schaffens-Wurzeln im soliden Handwerk liegen. Als ausgebildeter Malermeister, Farb- und Lacktechniker und staatlich geprüfter Gestalter, bringt er über zwei Jahrzehnte Erfahrung im Aus- und Umbau und der kreativen Renovierung mit. Nach seiner Anstellung machte er sich vor etwa 13 Jahren selbständig.

In der Toskana gearbeitet

Doch bereits 2004 war er fast ein Jahr lang der Wegbereiter für die besten Lehrlinge im „Da Vinci-Projekt“ in der Toskana. „Seitdem spreche ich fließend Italienisch“, verrät der 48-jährige Schwabe, der seinerzeit auf einem Bauernhof und Weingut wohnte und dort viele treue Freunde gewonnen hat. „Ich bin mit ihnen ständig in Kontakt, einer darunter ist sogar der Patenonkel meines ältesten Sohnes.“ Fortan war ihm klar: Handwerk und Kreativität gehören zusammen.

Sein Wissensdurst war und ist enorm. So arbeitete Jens Fischer auch eineinhalb Jahre bei einem Felsenbauer im Fichtelgebirge, im Themenpark Puy du Fou in Frankreich oder in unterschiedlichen Zoos. „Meine Stationen reichen von italienischer Wandmalerei und Illusionsmalerei bis zu modernen Erlebniswelten in ganz Europa“, berichtet der Gründer von „RoccArt“, hergeleitet vom italienischen Roccia (Felsen).

Wichtig ist für den kreativen Kunsthandwerker die Farb-Psychologie, „will man was farblich gestalten, muss man den Menschen dahinter kennen“, betont Jens Fischer, der nichts davon hält, dass „alles immer nur glatter und mit viel zu viel makelloser Oberfläche strahlt“, quasi ganz nach dem Motto: „Der Gehweg muss sauber sein.“

Jens Fischer entspannt im Whirlpool in seiner selbstgebauten Grotte.

Das ist bei seinen Kunstwerken, wie begehbaren Felsenlandschaften nicht der Fall. Sein Material, das er aus Esslingen bezieht, besteht hauptsächlich aus Zement, Sand, Wasser und eine weitere Zugabe, die das Aushärten beschleunigt. „Ein Beton, der salzwasserresistent und sogar für Tigerurin geeignet ist“, verrät der (Zoo)-Gestalter mit einem Augenzwinkern. „Ideal zum Modellieren und binnen eines Monats so druckfest, dass es Tonnen aushält, ohne brüchig zu werden.“

Kinder testen Papas Werke

Und seine vierköpfige Kinderschar testet jedes Objekt, wie unter anderem das Dach über dem Whirlpool, mit Freude aus. Während Neo –  der 14-Jährige nimmt bei der Holzmadener Künstlerin Sabine Fleischmann Unterricht – als Feintuner seine Skizzen weiterer Projekte plant und auf Papier und Styropor zeichnet, sind seine drei Geschwister mehr fürs Grobe zuständig. Ob Dino, Gorilla, Nilpferd oder individuelle Felsformationen zum Klettern, Toben auf Spielplätzen, Gärten oder Wellnessbereichen – alles ist ohne Ecken und Kanten.

„Spielend in die Steinzeit, damit machen wir uns jetzt sichtbar“, lautet die Intention von Jens Fischer.