Auch erfahrene Gastronomen wie Christer Belser lernen noch dazu. „Mit dem Anstechen von Bierfässern habe ich keine Erfahrung“, sagte der Betreiber des gleichnamigen Restaurants am Nürtinger Marktplatz lachend. Aber als künftiger Hotelier und Biergartenbetreiber müsse er das auch können.
Die Laune war bestens auf dem Gelände an der Neckartalstraße. Mehr als 100 geladene Gäste waren gekommen, um einen Meilenstein zu feiern: den Spatenstich für Belsers Hotel am Neckar. „Es ist unser Herzensprojekt“, sagte der Gastronom Christer Belser und meinte damit sich und seine Ehefrau Lydia, die kurz davor ist, einen Bachelor in Hotelmanagement abzuschließen. Für ihn sei es „ein Moment der Freude, der den Beginn eines aufregenden neuen Kapitels markiert“. Das Melchior-Areal werde um ein weiteres Juwel bereichert. Das Hotel soll nicht nur ein Ort der Erholung, sondern auch ein Ort der Begegnung, besonderer Erlebnisse und Kulinarik werden.
Die Hotelpläne am Neckar sind ein Kapitel für sich, darauf wies auch OB Johannes Fridrich hin: „Im Wahlkampf vor fünf Jahren war das ein heißes Thema. 4701 Unterschriften hatte die Bürgerinitiative gegen das Vorgänger-Hotel gesammelt.“ Belser war seit dem Jahr 2017 involviert, wie er erklärte. Damals hätte sein Onkel Gunther Single im Auftrag des damaligen Technischen Beigeordneten Andreas Neureuther an einer Alternativ-Planung für das zu dieser Zeit geplante Neveling-Hotelprojekt gearbeitet. Damals sei die Idee auch an ihn herangetragen worden.
Vorgänger-Pläne scheiterten
Doch das Gespräch mit dem damaligen OB Otmar Heirich habe zu keinem Ergebnis geführt. Belser verfolgte daher seine Hotelpläne in Wendlingen weiter. Kurz vor der Vertragsunterzeichnung sei dann OB Fridrich auf ihn zugekommen und habe versucht, ihn für das „Hotel am Neckar“ zu gewinnen. Man habe danach bei der Bürgerinitiative und dem Gemeinderat vorgefühlt. Offenbar war auch dort die Resonanz sehr positiv. „Ein Stein kam ins Rollen, und heute stehen wir an einem Punkt, der durch gemeinsame Anstrengungen, eine kluge Strategie und vor allem eine Vision geprägt ist“, sagt Belser. Das Hotel solle nicht nur ein Gebäude sein, sondern ein Wohlfühlort für Gäste aus aller Welt und gleichzeitig ein Treffpunkt für die Menschen aus der Region.

Im März 2026 soll die Eröffnung sein. Bei der Investitionssumme hält man sich bedeckt. Architekt Gunther Single nannte die Kerndaten des Bauvorhabens, das auf einer Nutzfläche von 4500 Quadratmetern entsteht. Die drei würfelförmigen Baukörper grenzen möglichst nah an die B 313 an, damit möglichst viel Freifläche für die Bürger und einen künftigen Neckarpark bleibt. 60 Hotelzimmer sind laut Single geplant. Hinzu kommen ein Restaurant samt Außenterrasse mit 100 Sitzplätzen, ein Veranstaltungsraum und eine „Skybar“ auf dem ersten Gebäude. Viel Wert wird auf die Nachhaltigkeit der Bauwerke gelegt. „Die Baustoffe sollen umweltschonend hergestellt werden. Das wird überprüft und bewertet“, ergänzte Single. Die Wärmeerzeugung erfolgt über eine Wärmepumpe. Die Dachflächen werden begrünt, die Fassaden gestaltet. Eine Photovoltaikanlage versorge das Hotel mit Strom.
Auch die Krisen in den vergangenen Jahren haben dem Vorhaben nichts anhaben können: „Ihr seid immer am Ball geblieben“, sagte OB Fridrich. Es sei ein wichtiges Projekt für die Stadt. Er freue sich, wie viele andere auch, dass es nun „endlich“ losgehe. Umplanungen hatten das Vorhaben noch etwas verzögert. So musste ein zweites Baugesuch eingereicht werden: „Wir haben auf die erweiterte Tiefgarage verzichtet“, erklärt Belser. Ebenerdig stünden 37 Parkplätze zur Verfügung.
Die persönliche Note durfte bei einem solchen Termin natürlich nicht fehlen. So hatte beispielsweise Christer Belsers Mutter Ute extra für diesen Anlass einen Grundstein gestaltet. Darauf steht: „Wer eintritt, kommt mit Wünschen, wer drinnen weilt, findet Friede und Freud, wer austritt – ist erfüllt.“
Auch die Freunde von Christer Belser hatten sich eine Überraschung ausgedacht. Für sie ergriff Thomas Kowatsch das Wort. Die Freunde hatten spontan eine „Nachbarschaftstaufe im Neckar“ organisiert. Schließlich müsse auch eine „gute Koexistenz“ mit dem Fluss gepflegt werden. An einer Leine holten Lydia und Christer Belser schließlich einen Käfig mit dem Logo des Belser-Hotels aus dem Neckar.
Und dass er nicht nur diese Flasche öffnen kann, sondern auch mit Bierfässern bestens zurechtkommt, hatte Belser zuvor gezeigt. Nach zwei kräftigen Schlägen war das Fass angezapft.

