Auf einer Podiumsdiskussion, moderiert von der CDU-Landtagsabgeordneten Natalie Pfau-Weller, diskutierten die IHK-Präsidentin Vanessa Bachofer, die Unternehmer Frank Schäufele (LEH Solution), Lennart Leuze (Leuze Gruppe) und der Esslinger-Kreisvorsitzende der Mittelstandsvereinigung, Rudolf Gänzle, Lösungsansätze für Digitalisierung, Fachkräftemangel, Energiepreise und Wettbewerbsbedingungen.
Die Kernbotschaft des Abends: Es ist „fünf nach zwölf“. Die Politik müsse dringend strukturelle Reformen umsetzen, die Wirtschaft sei gefordert, unternehmerischen Mut zu zeigen und neue Wege zu gehen.
Innovative Lösungen
Unternehmer Frank Schäufele (LEH Solution), spezialisiert auf Serviceleistungen rund um Kühlmöbel im Lebensmitteleinzelhandel, präsentierte einen innovativen Ansatz zur Bewältigung des Fachkräftemangels bei Kältetechnikern: Schäufele hat sich darauf spezialisiert, Routinearbeiten außerhalb des Kältekreislaufs zu übernehmen. Dadurch werden die knappen Kältetechniker massiv entlastet. Zudem qualifiziert er in seiner eigenen Akademie in Lenningen gezielt neue Monteure und Quereinsteiger, um einheitliche Qualitätsstandards für den technischen Service zu etablieren.
Durch eine eigene KI-gestützte Dispo-Software konnte er die Effizienz massiv steigern, mit einer Ticketlaufzeit von nur zwei bis drei Minuten und einer schnellen Reaktionszeit auf Störungen. Die Digitalisierung dient hier als Vorteil gegen den akuten Personalmangel.
Forderungen an die Politik
Die Diskussionsteilnehmer und -teilnehmerinnen machten deutlich, dass ohne entschiedenes Handeln der Politik die Wettbewerbsfähigkeit des Hochkosten-Standorts Deutschland nicht gesichert werden kann.
Rudolf Gänzle und Vanessa Bachofer appellierten deshalb an die Politik, endlich dringend notwendige Reformen wie Unternehmenssteuerreform und Sozialstaatsreformen mit Mut und Kraft durchzusetzen. Frank Schäufele und Lennart Leuze forderten Pragmatismus im Baurecht und einen massiven Bürokratieabbau.
Wohnungsbau wird ausgebremst
Lennart Leuze betonte, dass der Wohnungsbau aktuell für Investoren unrentabel ist. Er forderte die Politik auf, schnellstens gegenzusteuern, indem sie Anforderungen reduziert und Baugenehmigungen beschleunigt.
Trotz steigender Arbeitslosenzahlen bleibt der Fachkräftemangel ein strukturelles Problem. Die IHK biete Umschulungen an, so Vanessa Bachofer, doch die Bewerber müssten auch bereit sein, gewisse Einbußen hinzunehmen. Außerdem stelle die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse nach wie vor eine große Hürde dar. Und Rudolf Gänzle forderte, dass das Aufenthaltsrecht von der Einstellungsfähigkeit entkoppelt werde. Gänzle beklagte auch die fehlende Motivation bei jungen Fachkräften, ins Ausland zu gehen. Er forderte bessere steuerliche Rahmenbedingungen, damit sich Leistungsbereitschaft für sie wieder lohne. Mehrere Diskussionsteilnehmer, darunter Lennart Leuze und Natalie Pfau-Weller, sehen die Notwendigkeit, massiv in die MINT-Bildung und die frühkindliche Bildung zu investieren, um das Qualifikationsniveau langfristig zu sichern.
Positive Perspektiven
Trotz der kritischen Lage sehen die Experten auch Chancen. Es gebe nach wie vor eine hohe Zahl an Patentanmeldungen und es werde viel in Forschung und Entwicklung investiert, was für künftige Wertschöpfung spreche. IHK-Präsidentin Bachofer sieht Wachstumspotenzial unter anderem in der Gesundheitswirtschaft, Luft- und Raumfahrt, bei KI, Robotik, Automatisierung, Biotechnologie sowie in der Diversifikation von Lieferketten und der Erschließung neuer Märkte in Indien und Südamerika.
Die Unternehmen wünschen sich von der Politik eine Ermöglichungskultur, mehr Pragmatismus, Effizienz und digitalen Spirit. Die Wirtschaft selbst müsse unternehmerischen Mut beweisen und Nischen finden. Ihre Botschaft ist klar: Die Reformen müssen jetzt kommen. Die Politik muss verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, damit die Unternehmen ihre Innovationskraft entfalten können, um die globalen Herausforderungen zu meistern.

