Für den Spargel-Besen von Ehepaar Hoss ist eigentlich alles vorbereitet: Der Wein aus Eigenproduktion ist in Flaschen abgefüllt, die Küche ist blitzblank geputzt und auch die ersten Reservierungen gibt es schon. „Der Besen läuft sehr gut. Wir
mussten leider schon Leute wieder wegschicken, die keine Reservierung hatten“, sagt Rainer Hoss. Im vergangenen Jahr sei Frickenhausens Bürgermeister Simon Blessing zum Essen gekommen und sei begeistert gewesen, sagt Hoss: „Alles war gut, und jetzt so etwas“, ergänzt seine Frau Petra und schüttelt den Kopf. Per E-Mail habe das Ordnungsamt dem Ehepaar mitgeteilt, dass ihre Besenwirtschaft gegen Auflagen verstößt und nur unter bestimmten Voraussetzungen wieder öffnen darf. „Seit sieben Jahren haben wir unseren Besen. Damals, kurz vor der Eröffnung, wurde alles abgenommen, auch von der Verwaltung“, erinnert sich Rainer Hoss, dessen Eltern bereits einen Besen betrieben haben. Er weiß, dass Besenwirtschaften in Baden-Württemberg strengen Vorgaben unterliegen. So dürfen sie nur höchstens vier Monate im Jahr geöffnet sein. Außerdem dürfen nur selbsterzeugte Weine in den eigenen Räumen verkauft werden. Aufgrund dieser strengen Vorgaben braucht es für den Betrieb von Besenwirtschaften keine Gaststättenerlaubnis.
Der Wein wird auch in Supermärkten angeboten
Doch der Wein von Rainer Hoss verkauft sich so gut, dass er mittlerweile auch in Supermärkten und Discountern angeboten wird. Das sei mit einer Besenwirtschaft nicht zu vereinbaren, sagt die Gemeindeverwaltung. Nun wird von Petra und Rainer Hoss eine Gaststättenerlaubnis verlangt. Um so eine zu bekommen, müssen wiederum Vorgaben erfüllt werden. So muss der Steinach-Stadl insgesamt vier Parkplätze ausweisen. Zwei müsste Familie Hoss zusätzlich bauen. „Dabei brauche ich gar keine Parkplätze. Niemand kommt mit dem Auto zu uns“, sagt Rainer Hoss. Auch möchte er keine Vollgastronomie über das gesamte Jahr betreiben. Schließlich habe er als Fuhrparkmanager einen Vollzeitjob. Den Besen habe er immer nebenbei betreiben wollen. „Wir würden uns nicht so zur Wehr setzen, wenn es nicht so gut laufen würde“, sagt Rainer Hoss. Der Steinach-Stadl sei zu einem wichtigen Standbein geworden. „Es geht hier um unsere Existenz“, ergänzt Petra Hoss. Mehrere Male hätten sie und ihr Mann versucht, Kontakt zum Ordnungsamt aufzunehmen. Immer wieder sei man abgewimmelt worden. Deshalb hat das Paar nun einen Anwalt eingeschaltet, um die Schließung des Besens zu verhindern.
Streit um Schuppen
Nach der Eröffnung des Besens 2017 sei man mit offenen Armen empfangen worden, auch von der Gemeindeverwaltung, erinnert sich Petra Hoss: „Die Leute waren glücklich darüber, dass es in Frickenhausen endlich wieder lokale Küche gibt. Man hat uns als Bereicherung für den Ort angesehen.“ Dass man sieben Jahre später Steine in den Weg gelegt bekommt, habe einen ganz bestimmten Grund, ist sich das Ehepaar sicher und macht vor allem Bürgermeister Blessing schwere Vorwürfe. Rainer und Petra Hoss sprechen sogar von Erpressung. Denn bei dem Streit gehe es eigentlich um einen Schuppen, gleich gegenüber der Besenwirtschaft, der sich im Besitz der Familie Hoss befindet. „Die Verwaltung würde den Schuppen gerne haben, weil er sich im Sanierungsgebiet befindet“, sagt Rainer Hoss: „Bürgermeister Blessing hat mir angeboten, kostengünstig zwei Parkplätze zu schaffen, wenn ich den Schuppen abtrete“, sagt Rainer Hoss. Weil er abgelehnt hat, mache man ihm das Leben schwer, so der Winzer.
Blessing gibt zu, dass die Gemeinde ein Interesse an dem Schuppen hat, der direkt an einer Kreuzung liegt: „Wir brauchen dieses Grundstück, um langfristig den Kreuzungsbereich entschärfen zu können“, so der Bürgermeister. Als Gegenleistung habe er Hoss angeboten, ihm bei seinem Parkplatzproblem zu helfen. Es sei schließlich selbstverständlich, dass man einander hilft. Auch habe es die Option gegeben, dass Rainer Hoss den Schuppen weiterhin nutzen kann, solange er sein Gewerbe betreibt. „Wir müssen ja nicht dieses Jahr schon auf der Kreuzung bauen“, sagt Blessing.
Doch der Streit um das Grundstück sei nicht der Grund, warum man Familie Hoss das Leben schwer macht: „Der Grund ist, weil sich Herr Hoss nicht an das Gesetz hält“, sagt Blessing. Der Winzer hätte gleich gegen mehrere Auflagen verstoßen. So habe es mehrere Verstöße gegen die klar vorgegebenen Öffnungszeiten einer Besenwirtschaft gegeben. „Außerdem dürfen in einem Besen nur Produkte verkauft werden, die man selbst produziert“, sagt Blessing. Ein Spargel- oder Gänse-Besen, wie ihn Familie Hoss anbietet, sei nicht zulässig. Dennoch haben Petra und Rainer Hoss ihren Spargel-Besen wie geplant pünktlich am Freitag geöffnet und Gäste willkommen geheißen. Die Position der Gemeindeverwaltung bleibt klar: „Wenn sich ein Laden als Besen ausgibt, aber keiner ist, dann wird er wieder geschlossen“, so Blessing.

