Über 500 alte Streuobstbäume stehen auf dem etwa elf Hektar großen Gelände des Freilichtmuseums in Beuren, und jedes Jahr kommt ein ganz spezieller hinzu: Die Ermstäler Knorpelkirsche ist in diesem Jahr die vom Landesverband für Obstbau, Garten und Landschaft Baden-Württemberg auserkorene Streuobstsorte des Jahres. Die Pflanzung wurde tatkräftig unterstützt von der Ersten Landesbeamtin, Dr. Marion Leuze-Mohr.
Sie verbindet Kindheitserinnerungen mit der Ermstäler Knorpelkirsche. Im Garten ihrer Oma sei ein Baum mit den dunklen Herzkirschen gestanden, wie die Sorte auch genannt wird. Die starkwachsenden, großkronigen Bäume mit ihren dunkelroten bis schwarzen Kirschen sind charakteristisch für das Landschaftsbild im Ermstal, wie Jens Häußler, der Fachberater für Obst- und Gartenbau im Landkreis Esslingen aufklärt. Die Früchte würden den heutigen Ansprüchen der Verbraucher allerdings nicht mehr gerecht, weshalb der Anbau stark zurückgegangen sei. Der Erhalt der Ermstäler Knorpelkirsche trage jedoch wesentlich zur Biodiversiät und zum Fortbestand der Kulturlandschaft bei. Gestiftet wird der Streuobstbaum des Jahres im Wechsel von den Kreisverbänden der Obst- und Gartenbauvereine Esslingen und Nürtingen. Letzterer war dieses Jahr dran. Die Baumpflanzung setzte den Schlusspunkt einer Streuobstwoche im Freilichtmuseum, in der die Nürtinger Vereinsmitglieder im Schlaitdorfer Schafstall eine Obstausstellung zusammengestell hatten.
Bis Marion Leuze-Mohr in alten Erinnerungen schwelgend die ersten Kirschen direkt vom Baum essen kann, werden etwa fünf Jahre ins Land gehen. Mit einer Vollernte, so die Experten, könne in 15 Jahre gerechnet werden.

