Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle lobt in seiner Begrüßung der Arbeitsgemeinschaft der Realschulrektoren und -rektoren (AGRR) Baden-Württemberg die Werkrealschule und das SBBZ als „wertvolle Schularten“. Der Applaus der rund 100 Rektorinnen und Rektoren aus ganz Baden-Württemberg brandet sofort in der Limburghalle auf. Denn sie haben ein vitales Interesse daran, dass auch die Werkrealschule und das SBBZ bestehen bleiben, auch um ihre eigenen Einrichtungen zu entlasten. Bislang gehen rund sechs Prozent der Grundschulabgänger an die Werkrealschule, außerdem hat die Landesregierung angekündigt, den Schulabschluss zu streichen.
Realschulen teils überfüllt
Der prominente Gast auf der Jahrestagung der AGRR hat es da schon schwerer, positive Stimmung zu erzeugen. Schließlich muss Kultusministerin Theresa Schopper eine Reform verteidigen, in der sich viele Realschulen als Verlierer sehen. Denn das Comeback der Grundschulempfehlung im Zuge der Rückkehr zu G 9 an den Gymnasien gibt Schülerinnen und Schülern der Klasse 4 zwar ein verbindliches „Go“ für das Gymnasium – oder eben nicht. Aber keine Empfehlung für die Realschule. Genau das fordern die Rektorinnen und Rektoren in der Limburghalle aber von der Ministerin. „Ich dachte anfangs immer, dass wir auch eine Empfehlung haben“, sagt der AGRR-Vorsitzende Holger Gutwald-Rondot.
„Ich sehe nicht, wo wir die Realschule schwächen“, sagt die Ministerin unter spöttischem Gelächter einiger Anwesenden. Sie argumentiert, dass einige Landkreise keine Werkrealschule mehr haben. Insofern würde eine landesweit einheitliche Empfehlung für oder gegen Realschulen in diesen Landkreisen keinen Sinn ergeben. Dafür hat sie etwas im Gepäck: Die Kürzung der Orientierungsstufe an der Realschule von zwei Jahren auf ein Jahr. „Für zehn Prozent war das viel Frust über einen langen Zeitraum“, sagt sie. Damit ist das Kultusministerium einer Fordeurng der Realschulrektoren nachgekommen.
Fakt ist, Realschulen platzen vielerorts aus allen Nähten, das kommt auch in den Wortbeiträgen der Teilnehmer raus. Daher müssten auch Standorte mit Werkrealschulen gestärkt werden. Allerdings gäbe es auch Realschulen, die einen G-Zug anbieten, also eine Niveaustufe, die einen Hauptschulsabschluss zum Ziel hat. „Dafür müssen sie auch Stunden anbieten“, ruft ein Teilnehmer rein und Holger Gutwald-Rondot stößt auf dem Podium ins gleiche Horn: „Wir brauchen eine Lehrerversorgung für G-Klassen“, sagt er. Das System der Poolstunden für zusätzliche individuelle Förderung reiche dafür nicht aus.
Es ist eine Erkenntnis dieses Vormittags: Die Differenzierung an Realschulen nach Leistung ist an manchen Schulen schwieriger als an anderen, je nachdem ob sie in einem Schulverbund unterwegs sind oder eben nicht, oder in welchem Umfeld sie sich bewegen.
Das gilt auch für Grundschulen. Daher spielt für Theresa Schopper das Instrument „Kompass“ eine wichtige Rolle. Der Test findet in dieser Woche einheitlich an allen Grundschulen des Landes statt und testet das Potenzial der Schülerinnen und Schüler in Mathe und Deutsch. „Das Delta bei den Unterrichtsinhalten ist immens groß“, spricht die Ministerin die unterschiedlichen Leistungsniveaus der Grundschulabgänger an. Da soll der „Kompass“ eine bessere Orientierung bieten.
Beim Thema Klassengröße bleibt die Ministerin hart: 28 wie bei der Gemeinschaftsschule wird es an der Realschule nicht geben. In der Realschule gilt 30 als Obergrenze. „Niemand bietet Bildung billiger an als wir, wir sind voll“, sagt Gutwald-Rondot unter Applaus.
Einig war man sich immerhin bei der schleppenden Digitalisierung. Warum er seine Dienst-Email nicht über die gängigen Browser auf seinem privaten Rechner abrufen könne, wollte ein Teilnehmer wissen. „Die drei großen Plagen: Brandschutz, Naturschutz und Datenschutz“, sagt die Ministerin unter allgemeinem Gelächter – Datenschutz fällt nicht in ihre Zuständigkeit – und versprach, das Thema an das zuständige Ministerium weiterzugeben.

