Ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod von Luca S. in Esslingen hängen an mehreren Standorten in der Innenstadt Transparente, die an den Verstorbenen erinnern, der mit 31 Jahren aus dem Leben gerissen wurde. Darauf zu lesen ist deutliche Kritik an der Polizei und der Staatsanwaltschaft.
Nach Einschätzung seines Umfelds seien im Vorfeld der Tat Warnzeichen übersehen worden. Am 14. November 2024 hatte ein Mieter eines Hauses in der Straße Am Kronenhof nicht nur das Gebäude in Brand gesetzt, sondern auch Luca S. und sich selbst getötet. Obwohl eine Prüfung der Staatsanwaltschaft Heilbronn ergeben hat, dass sich die Behörden nichts vorzuwerfen hätten, sitzt die Wut bei vielen tief. So ist am frühen Freitagmorgen auf einem Transparent in unmittelbarer Nähe zum Polizeirevier an einer Brücke etwa zu lesen: „Hier pennt und vertuscht Esslingens Schande“. Und an der Pliensaubrücke über der viel befahrenen Ulmer Straße hängt ein Banner mit den Worten: „Ihr könnt die Akte schließen – aber nicht euer Gewissen!“
„Gerechtigkeit für Luca“
Am Bauzaun der Brandruine in der Straße Am Kronenhof, wo sich die Wahnsinnstat damals abgespielt hatte, steht: „Gerechtigkeit für Luca.“ Das Wort „Luca“ ist in blauen Lettern angebracht. Die Banner-Aktion soll aus Teilen der Fanszene der Stuttgarter Kickers heraus organisiert worden sein, in der auch Luca S. aktiv war. Auf den Transparenten selbst ist auch das Kürzel der Ultra-Gruppe „Blaue Bomber“ zu sehen. Die Fußballfans sammelten nach Luca S.’ Tod auch Spenden für die Hinterbliebenen – 20.000 Euro kamen zusammen. Auch bei Kickers-Spielen im vergangenen Jahr erinnerten sie mit Transparenten an Luca S.
Am 14. November vor einem Jahr tötete ein 61-Jähriger Mieter in den frühen Morgenstunden Luca S. mit einer selbst gebastelten Waffe und setzte das Haus in Brand, in dem auch Luca S.’ Verlobte und Rolf Seufferle, der Vater und Hausbesitzer, wohnten. Die Verlobte rettete ihr Leben wohl nur durch einen Sprung aus dem Fenster und erlitt schwerste Brandverletzungen. Seufferle, der ganz oben im Haus wohnte, wurde von Einsatzkräften aus den Flammen gerettet. Dem Mieter stand unmittelbar eine Zwangsräumungsklage bevor. Er soll seine Tat, Luca S. umzubringen und das Haus anzuzünden, mehrfach angekündigt haben.
Streit um Rolle der Behörden
Die Hinterbliebenen kritisieren, dass die Behörden nicht einschritten, obwohl sie im Vorfeld sowohl über die Existenz selbst gebauter Waffen als auch über die bedrohlichen Absichten des Mieters in Kenntnis gesetzt worden seien. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn, die die Prüfung eines möglichen Behördenversagens aus Neutralitätsgründen übernommen hatte, konnte jedoch kein Fehlverhalten feststellen. Allein anhand der Beschreibung der Waffen habe im Vorfeld nicht davon ausgegangen werden müssen, dass diese tatsächlich funktionierten. Zwar handelte es sich um eine Fehleinschätzung, die ändere jedoch nichts daran, dass die beteiligten Strafverfolgungsbehörden auf Basis der vor der Tat verfügbaren Informationen nicht zwingend anders hätten handeln müssen.
Vater Rolf Seufferle wollte die Entscheidung juristisch nicht anfechten, teilt die Auffassung allerdings nach wie vor nicht. Zum Todestag seines Sohnes sagte er: „Das Wissen, zukünftig ohne mein Kind leben zu müssen, hat in meinem Inneren etwas bewirkt, von dem ich weiß, dass es mich bis ans Ende meines Lebens begleiten wird. Ich glaube, man nennt es Trauer.“

