Sagen der Region
Unterwegs im Revier des Löwen

Im Landkreis Göppingen gibt es 16 ausgeschilderte Rundwanderwege, die mit einem Löwenkopf markiert sind. Jeder davon ist mit einer Sage verbunden.

Fotos: Stephanie Reusch

Schon in der Steinzeit bewundern die Menschen den Löwen, wie der im Lonetal auf der Schwäbischen Alb gefundene, zirka 40 000 Jahre alte „Löwenmensch“ aus Mammut­elfenbein nahelegt. Im fast 1000 Jahre alten Wappen der Staufer, die Herzöge von Schwaben waren, finden sich drei Löwen. Diese wurden in das 1954 eingeführte Wappen von Baden-Württemberg übernommen, und der Landkreis Göppingen führt ebenfalls einen Löwen im Wappen. Was liegt also näher als ein Löwenkopf zur Wegmarkierung? Die 16 Göppinger Löwenpfade mit einer Länge zwischen drei und 24 Kilometern stehen für Wandern mit Qualitätsanspruch, sie sind allesamt vom Deutschen Wanderverband zertifiziert.

Berta-Hörnle-Tour Löwenpfade

Zu jedem Löwenpfad eine Sage

Jeder Löwenpfad ist mit einer Sage verbunden. Im Internet unter www.loewenpfade.de kann man unter dem Punkt Service die Geschichten und Sagen nachlesen oder sich teilweise als Hörspiel vorlesen lassen. In vielen der regionalen Sagen kommt der Löwe, der „König der Tiere“, als Zeichen für Mut, Kraft und Souveränität vor.

Rötelstein Messelberg-Tour Löwenpfad Donzdorf

Löwenbänke

Auf mittlerweile sechs Löwenpfaden gibt es Löwenbänke. Sie alle wurden von dem in Schlat aufgewachsenen, in Donzdorf lebenden Künstler Thomas Fritz mit der Motorsäge geschnitzt. Sein jüngstes Werk ist eine Bank mit einem Löwenpaar am Wasserberg auf dem „Orchideenpfad“ in Reichenbach im Täle. Es wurde 2024 aus einer etwa 200 Jahre alten Eiche aus einem Waldstück bei Donzdorf herausgearbeitet.

Die weiteren Löwenbänke befinden sich auf der „Messelberg-Tour“ bei Donzdorf (Foto oben), auf der „Spielburgrunde“ in Hohenstaufen, der „Staufer-Runde“ zwischen Göppingen und Wäschenbeuren, der „Heldentour“ in Lauterstein und der „Felsenrunde“ bei Oberböhringen. Letztere Runde ist momentan wegen einer Wegsperrung im Bereich des Aufstiegs geschlossen, doch wird an einer neuen Streckenführung gearbeitet. Die Aussichtsfelsen und die Löwenbank sind frei zugänglich.

Berta-Hörnle-Tour

Stellvertretend für die ganze Reihe wollen wir die „Berta-Hörnle-Tour“ näher vorstellen. Mit 14,5 Kilometern Länge und 540 Höhenmetern liegt sie im mittleren bis höheren Bereich und eignet sich als Halbtages- oder Tagestour.

Die Rundtour beginnt am Wanderparkplatz im Pappelweg in Bad Boll. Nach 400 Metern kommt der Spielplatz „Badwäldle“ mit Grillstelle. Der Weg verläuft zunächst auf dem Wald­er­leb­nis­pfad „Sinneswandel“ mit einigen Erlebnisstationen und biegt dann auf den Qualitätswanderweg „Albtraufgänger“ ab. Nach einem herrlichen Blick auf die drei Kaiserberge taucht man wieder in den Wald ein. An ihrer Engstelle darf man sich nicht verleiten lassen, die Tour abzukürzen, indem man den Bogen über den Kornberg auslässt, denn das ist der schönste Teil des Rundwegs. Über die Kornberghütte, die am Wochenende bewirtschaftet ist, gelangt man zur Bertaburg und hinab zur Boller Heide mit einer Grillstelle, wo die Tour erneut auf den Albtraufgänger trifft. Das letzte Stück verläuft wiederum auf dem „Sinneswandel“.

Infos digital oder gedruckt

Wer sich genauer über die Löwenpfade informieren möchte, findet sie im Internet unter www.loewenpfade.de. Hier kann man sich auch über das Kontaktformular eine kos­ten­lo­se Broschüre zusenden lassen.

Wer lieber etwas im örtlichen Fachhandel kaufen möchte, kann in einer Buchhandlung die passende Wanderkarte unter ISBN 978-3981101652 oder das Wanderbuch „Schwäbische Alb Löwenpfade & hochgehberge“ von Martin Kuhnle im Rother Verlag mit der ISBN 978-3763333790 erwerben.

 

Sagen der Region, Folge 14: Der Löwe an der Alt Ave

Zu jedem der 16 Göppinger Löwenpfade gibt es eine regio­nal passende Sage. Stellvertretend für die ganze Reihe haben wir die Sage der Ave-Weg-Runde um die Wallfahrtskirche Ave Maria in Deggingen ausgewählt:

Oberhalb der prachtvollen Wallfahrtskirche Ave Maria – einem Kleinod aus dem deutschen Spätbarock – stand im frühen Mittelalter eine kleine Kapelle, „Alt Ave“ genannt. Die Kapelle war in wasserreichem Quellgebiet errichtet.

Der Sage nach waren einst über 50 kleine Quelltöpfe vorhanden, aus denen das Wasser nur so sprudelte. ­Einer der sprudelnden Quellen wurde eine heilende ­Wirkung zugesprochen. Trank ein Kranker daraus, so wurde sein Gebrechen sofort geheilt. Doch trank man aus der falschen Quelle, so sollte einen ein schneller Tod ereilen.

Viele versuchten ihr Glück, doch nur wenige ­fanden unter den vielen Quellen die eine richtige heraus. Diejenigen, die durch das Wasser geheilt wurden, berichteten im Nachhinein, dass ihnen auf der Suche nach der richtigen Quelle ein wunderschöner und im Licht glänzender Löwe erschienen ist, der ihnen den Weg zur richtigen Quelle gezeigt haben soll. Doch erschien der Löwe nur den Hilfesuchenden, die reinen Herzens waren.

Diese und 15 weitere Sagen finden Sie im Internet unter www.loewenpfade.de/start/service/geschichten