Protest
Vapes und Alkohol am Schulzentrum Wendlingen: Verkaufsautomat sorgt für Ärger

Elternbeirat und Schulleitung des Robert-Bosch-Gymnasiums sehen durch die Standortnähe und das Sortiment mit Vapes und Alkohol in den Verkaufsautomaten ihre schulischen Bemühungen konterkariert.

Die beiden Automaten stehen direkt am Gehweg in der Kapellenstraße unweit der beiden Schulen. Foto: Gaby Kiedaisch

An Warenautomaten einzukaufen, erfreut sich großer Beliebtheit. Nicht nur, weil man an keine Ladenöffnungszeiten gebunden ist, sondern weil sie von Erzeugern immer häufiger für den Direktverkauf genutzt werden. Egal, ob landwirtschaftliche Produkte oder Blumensträuße, das Geschäft verspricht zusätzliches Wachstum. Auch wenn sich das fast schon wie nach einer sicheren Bank anhört, so entbindet es Automatenbetreiber nicht, einige Dinge vorher zu beachten. Denn sonst könnte es ein böses Erwachen geben, wie in dem Beispiel aus Wendlingen.

Dort stehen zwei Automaten für Getränke, Snacks und Süßigkeiten in der Kritik. In der Kapellenstraße, nicht weit entfernt vom Schulzentrum am Berg mit Realschule und Gymnasium werden sie insbesondere von Schülern und Schülerinnen auf dem Weg zur Schule oder auf dem Nachhauseweg genutzt. Das ist auch nicht weiters verwerflich, sondern was die Eltern der Schüler vor allem alarmiert, bezieht sich auf einen Teil des Sortiments in den seit Herbst letzten Jahres aufgestellten Automaten. Neben Schokoriegeln und Chips sollen Alkoholika und sogenannte Vapes, auch bekannt als E-Zigaretten, angeboten worden sein, berichten Karin Ecker, Leiterin des Robert-Bosch-Gymnasiums und der Elternbeiratsvorsitzende Christian Jaisel im Gespräch. Die Rede ist gar von Wodka und Whisky. Inzwischen seien die alkoholischen Getränke aus den Automaten entfernt worden. Vermutlich wohl nicht aus eigenem Zutun, sondern weil der Automat in der Kapellenstraße zwischenzeitlich auch verschiedene Behörden beschäftigt.

Im Oktober wurde durch die E-Mail einer besorgten Mutter die Stadtverwaltung über das Sortiment und den Standort des Automaten informiert, wie Kathrin Stampp, vom Sachgebiet Stadtplanung, bestätigt. Ebenso wandte sich das Gymnasium an die Stadtverwaltung. „So nah an der Schule, da haben wir Kontakt zum Ordnungsamt aufgenommen“, sagt Karin Ecker. Dabei kam auch die Frage auf, ob solche Automaten genehmigt werden müssen.

Müssen solche Automaten eine Genehmigung vorweisen?

Auf unsere Nachfrage bei der Stadt Wendlingen erklärt Marc Petzold dazu, dass „eine Genehmigung zur Aufstellung von Automaten unter das Baurecht fällt.“ In der Regel seien Automaten verfahrensfrei, aber bei der zuständigen Baubehörde anzuzeigen.

Der Leiter der Ordnungsbehörde führt dazu weiter aus, dass Automaten, wie zum Beispiel ein Zigarettenautomat, mit technischen Mitteln zum Altersnachweis ausgestattet sein müssten. Der besagte Automat in der Kapellenstraße verfüge über diese technische Altersprüfung, merkte Petzold an. Auch sämtliche alkoholischen Getränke dürften zwischenzeitlich aus dem angesprochenen Automaten entfernt worden sein.

Schule und Eltern sind nach wie vor empört und fragen sich, wie man in der Nähe des Schulzentrums solche Automaten mit so einem Inhalt überhaupt aufstellen könne. Aus ihrer Sicht wurde er bewusst dort aufgestellt. Der Vorsitzende des Elternbeirats findet drastische Worte: „Es ist perfide und fragwürdig, schon kleine Kinder dazu verleiten zu wollen.“ Dass man am Automat inzwischen keinen Alkohol mehr bekommt, eine Altersprüfung stattfindet und damit Jugendliche erst ab 18 Jahren Zugriff haben, das ist für den Elternbeiratsvorsitzenden nur am Rande relevant. Denn wie nicht nur er weiß, gibt es nach dem Motto „wo ein Wille, da ist auch ein Weg“ immer eine Möglichkeit, an Alkohol heranzukommen, auch wenn man minderjährig ist. In einem Spirituosenladen besteht wenigstens noch eine Kontrolle durch das Kassenpersonal, sagt Jaisel.

Eine aufschlussreiche Begegnung vor den Automaten

Eine Begegnung der Schulleiterin und des Vize-Schulleiters vor dem Automaten mit minderjährigen Schülern machte beide stutzig, berichtet Karin Ecker. Die Schüler rechneten wohl nicht damit, dass sich die Schulrektoren selbst ein Bild von dem Automaten machen wollten und erkannten sie nicht. Dafür seien die Schüler behilflich gewesen, als sie gemerkt hätten, dass sich die beiden Erwachsenen etwas schwertaten mit der Bedienung des Apparats. Dass man nur gegen EC-Karte und Ausweis bezahlen könne, damit waren die Schüler bestens vertraut.

Welche Wellen das Thema im Schulzentrum geschlagen hat, das zeigt auch eine Elternbefragung. Bei Elternabenden in den Klassen 5 bis 12 waren die beiden Automaten ein Hauptthema. Dort wurden auch Unterschriften gegen die Verkaufsautomaten in der Kapellenstraße gesammelt. Dabei kamen 589 Unterschriften zusammen, aus dem Kollegium weitere 80. Mit der Unterschriftensammlung, die an das Landratsamt in Esslingen geschickt wurde, war die Behörde aufgefordert worden, die Verfahrensprüfung zu beschleunigen und die Zustände durch eine Abrissverfügung der Automaten abzustellen. Alternativ bestand die Forderung, den Verkauf von E-Zigaretten und Alkohol in den Automaten zu verbieten.

Bemühungen zur gesunden Ernährung und gegen Drogenkonsum

„Wir sehen es als unsere Aufgabe an, eine Stellungnahme dazu abzugeben. Schüler sollen vor solchen Dingen geschützt werden“, erklärt Schulleiterin Karin Ecker über ihre Motivation. „Wir wünschen uns so etwas nicht in der Nähe von Schulen.“ In der Mensa werden täglich gesunde Mahlzeiten angeboten. Weitere Projekte im Unterricht behandeln gesunde Ernährung. „Da wollen wir auch nicht Vapes aus den Kloschüsseln rausfischen“, erklärt auch Lehrerin Dilara Horlacher. „Automaten mit solchen Inhalten wie süßen Getränken und E-Zigaretten konterkarieren unsere Bemühungen im Unterricht“, sagt sie mit Blick auch auf die Suchtprävention. „Be smart, don‘t start“, mit diesem Slogan und Kampagne gegen das Rauchen hat die Schule im letzten Jahr einen Preis bekommen.

Ob mit den Anforderungen wie Altersprüfung beim Automat alles im grünen Bereich ist, diese Frage gilt nun noch zu beantworten. Auch, ob der Aufbau der zwei Automaten bei beim Landratsamt angezeigt wurde, ist noch offen. Die baurechtliche Prüfung sei noch nicht abgeschlossen, meinte Kathrin Stampp, und damit sei eine abschließende rechtliche Beurteilung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich. Die Behörde sei um eine Lösung bemüht und sei im Austausch mit der Grundstückseigentümerin.