Sagen der Region
Vielseitiger Rechberg mit Panoramarundblick

Ausflugstipp Auf den Spuren des Grafen Ulrich II entdecken wir die Burgruine Hohenrechberg mit Gastronomie und Ausstellung, Murmelbahnen im Burggraben, eine Wallfahrtskirche mit Kreuzweg und einen Geologischen Lehrpfad.Von Stephanie ­Reusch

Von der Burgruine Hohenrechberg aus können Ausflügler den Blick über das Land schweifen lassen. Fotos: Stephanie Reusch

Über dem staatlich anerkannten Erholungsort Rechberg bei Schwäbisch Gmünd erhebt sich ein gleichnamiger Bergrücken. Er ist neben Hohenstaufen und Stuifen einer der drei Kaiserberge und lädt mit zahlreichen Anziehungspunkten zu einem Familienausflug ein. Die herrliche Aussicht reicht über Fils- und Remstal bis hin zur Schwäbischen Alb.

Burgruine Hohenrechberg

Vom großzügigen Wanderparkplatz in der Hohenstaufenstraße folgt man den Hinweisschildern zur Burg. Nach gut einem halben Kilometer über den asphaltierten, kinderwagengängigen Weg lockt auch schon die Burgschänke im Vorhof der Burgruine zur Einkehr.

Die aus einer großen Haupt- und kleineren Vorburg bestehende, 150 Meter lange Anlage wurde Anfang des 13. Jahrhunderts von Ulrich von Rechberg erbaut. Anders als die Burg Teck und die nahegelegene Burg Hohen­staufen, überstand der Hohenrechberg alle Fehden und den Bauernkrieg unbeschadet, doch 1865 zerstörte ein Blitzschlag mit drei Tage andauerndem Großfeuer die Burg vollständig.

Geöffnet hat die Burg bei schönem Wetter von 10 bis 18 Uhr und kostet einen geringen Eintritt.

Murmelbahnen

Im Burggraben befinden sich seit Juni 2024 acht Murmelbahnen, in liebevoller Handarbeit von der Uhinger Firma Tollerei hergestellt. Direkt neben der Kasse gibt es einen Kugelautomaten, der nach Einwurf einer 50-Cent-Münze eine Holzkugel mit aufgedrucktem Hohenrechberg auswirft. Zu den Bahnen gelangt man rechterhand über steile Stein- und Holzstufen in der Burgmauer hinab.

Kreuzweg

Nach dem Auskundschaften der Burg folgt man dem Bergrücken weiter bis zur Kirche. Seit 1891 wird diese rund 600 Meter lange Verbindung, auf der auch der Jakobsweg verläuft, durch einen Kreuzweg mit 14 Bildstöcken flankiert. Der Weg ist asphaltiert und kinderwagentauglich.

Der Kreuzweg zeigt den Leidensweg Jesu Christi.

Geologischer Pfad

Eine weitere Möglichkeit, zum Rechberg zu gelangen, ist der Geo­lo­gi­sche Pfad. Der Wanderweg führt vom idyllischen Hölltal bei Schwäbisch Gmünd auf den Rechberg und überwindet auf rund fünf Kilometern Länge knapp 400 Höhenmeter. 24 Hinweistafeln erklären die dabei durchquerten Gesteinsschichten und 200 Millio­nen Jahre Erdgeschichte. Die abschließende Etappe verläuft genau auf dem Jakobs- und Kreuzweg zwischen Ruine und Kirche. Allein auf diesem Teilstück befinden sich sieben interessante Hinweistafeln. Am Endpunkt auf dem Plateau hinter der Kirche gibt es eine Vitrine mit Versteinerungen.

Auf dem Geologischen Lehrpfad werden 200 Millionen Jahre Erdgeschichte erklärt.

Wallfahrtskirche Sankt Maria

Die barocke Kirche wurde durch den Baumeister Valerian Brenner von 1686 bis 1688 in 707 Metern Höhe auf den höchsten Punkt des Bergrückens gebaut. Das Herzstück des Altars ist eine aus Lindenholz geschnitzte Marienfigur aus dem frühen 14. Jahrhundert. Genau an der Stelle des Altars war bereits 600 Jahre zuvor eine hölzerne Kapelle erstellt worden. Die üppig ausgeschmückte Kirche beherbergt 51 Engel in ganzer Gestalt und viele weitere Engelsköpfe.

Vor der Kirche kann man sich vor allem zur Freude von Kindern vom „Päterle“ segnen lassen. Nach Einwurf einer 50-Cent-Münze tritt, einer Kuckucksuhr ähnlich, die Gestalt eines Paters zu Glockengeläut vor die Kirche und segnet den großzügigen Spender.

Unweit der Kirche steht ein goldener Barockbilderrahmen, durch den man die Aussicht genießen oder ein Erinnerungsfoto schießen kann.

Wer nicht gut zu Fuß ist, den Rechberg aber dennoch erleben will, kann an jedem ers­ten Sonntag im Monat den Zubringerbus zum Gottesdienst nutzen.

Ein barocker Goldrahmen lädt zum Fotografieren eines Familienbildes ein.

Rittersteig

Der Rückweg zum Wanderparkplatz führt über den naturbelassenen Waldpfad „Rittersteig“. Wer einen Kinderwagen dabei hat, geht jedoch am besten denselben Weg wieder zurück. Der Rittersteig führt vorbei an zwei hölzernen Wellenliegen mit traumhafter Aussicht und dem passenden Spruch: „Steig nauf de Berg, guck naus ens Land, was mir a schene Hoimat hant.“

Die aus einer großen Haupt- und kleineren Vorburg bestehende, 150 Meter lange Anlage wurde Anfang des 13. Jahrhunderts von Ulrich von Rechberg erbaut.

 

Sagen der Region, Folge 6: Klopferle vom Rechberg

Graf Ulrich II und seine künftige Frau Anna von Wenningen übermittelten sich heimliche Liebesbriefe von Burg zu Burg. Dazu brachten sie einen dressierten Hund zum Einsatz, der eine Tasche an seinem Halsband trug. Nachdem sie verheiratet waren, nutzten sie weiterhin den Hund als Boten, wenn der Graf von seinen Reisen Nachrichten an seine Gemahlin schicken wollte.

Während einer Reise ihres Gatten im Jahre 1496 ­betete Anna in der Schlosskapelle für seine glückliche ­Heimkehr. Da vernahm sie ein lautes Klopfen und ignorierte es zunächst. Doch nach dem dritten Klopfen sah sie nach und fand den Hund vor der Türe. Aber seine ­lederne ­Tasche war leer.

Anna ahnte bereits Schreckliches, und drei Tage später erhielt sie tatsächlich die Nachricht vom Tode ihres Mannes. Knappen brachten seine Leiche nach Hause.

Die Witwe trauerte sehr. Als sie wieder dasselbe ­Klopfen hörte, sprach sie nur, „ich komme“, und drei Tage später war sie tot.

Seither, so die Sage, hört man jedes Mal einen Geist klopfen, wenn einem Familienmitglied vom Rechberger Adels­geschlecht der Tod bevorsteht.