Alles fing mit den Vorbereitungen für das Jubiläum der Gemeinde Ohmden an, – dass am Ende neben einem prächtigen Festwagen eine ganze Dinosauriergattung zum Vorschein kommt, ahnte keiner. „Der Gemeinderat suchte noch nach einem Motiv, das nicht politisch inspiriert sein sollte“, sagt Klaus Dolde. Da kam dem Ohmdener wegen der vielen Fossilienfunde auf der Gemarkung Ohmden schnell ein Dinosaurier in den Sinn. Als ein Ratsmitglied dann vom Ohmdenosaurus erzählte, konnte er seinen Ohren nicht trauen, hatte er selbst noch nie etwas von dieser Gattung gehört. Auch niemand, den er sonst noch fragte, wusste etwas von einem Dinosaurier, der nach dem idyllischen Ort in der Teckregion benannt wurde.
Ein Nachweis wurde gefunden
Nachforschungen haben schnell ergeben, dass es im Urweltmuseum Hauff in Holzmaden tatsächlich einen Nachweis für den Ohmdenosaurus gibt. Im Museum kann man das etwa 40 Zentimeter lange Schienbein des rechten Hinterbeins des Tiers anschauen, sagt Hans Herzinger. Das hat auch der Paläontologe und Saurierexperte Dr. Rupert Wild vom Naturkundemuseum in Stuttgart in den 1970er-Jahren getan. Bereits damals hat er herausgefunden, dass die fossilen Knochen falsch zugeordnet wurden. Der Fund, der in einem inzwischen wieder zugeschütteten Steinbruch in Ohmden gefunden wurde, war zunächst als Meeressaurier, in diesem Fall den Plesiosauriern, zuordnet. „Das lag daran, dass in Ohmden bis dahin immer Überreste von Meeressauriern gefunden worden waren“, erklärt Herzinger.
Keine ähnliche Art gefunden
Roland Wild hat sich den Fund aber näher angeschaut und schnell festgestellt, dass es sich aufgrund des Gelenks um ein am Land lebendes Tier gehandelt haben muss. Als Paläontologe habe er das Fossil einfach gleich mit anderen Augen gesehen, erklärt Klaus Dolde. Im Anschluss habe der Forscher die weltweit publizierten Funde durchgeschaut und herausgefunden, dass noch keine ähnliche Art gefunden wurde und es sich deshalb nicht nur um eine neue Art, sondern gleich um eine neue Gattung handelte.
Bleibt die Frage offen, wie das Tier nach Ohmden kam. Das Festland war damals rund 100 Kilometer von Ohmden entfernt, sagt Klaus Dolde. „Robert Wild hat herausgefunden, dass ein zweifacher Weg angenommen werden muss“, sagt Hans Herzinger. Die Verwitterungsspuren an den Überresten seien typisch für eine Landverwitterung, da Stellen vom Sand frei gerieben worden seien. Das Tier ist daher vermutlich nach seinem Tod in einen Fluss geschwemmt worden und dann eventuell durch eine Überschwemmung ins Meer gelangt, wo es womöglich durch einen Aasfresser transportiert wurde. Im Meer, auf heutiger Gemarkung Ohmden, haben sich die Überreste abgelagert und wurde von Sand und Schlick zugedeckt. „Das sind aber alles Spekulationen“, betont Hans Herzinger.

Nicht nur ins Museum, sondern auch auf die Jubiläumsfeier der Gemeinde hat es der Dinosaurier geschafft. Klaus Dolde und Hans Herzinger sehen ihrer Aufgabe damit aber noch nicht als erledigt an. Vielmehr wünschen sich die Ohmdener, dass sich dieses Wissen unter den Bürgerinnen und Bürgern verbreitet und dass bereits Kinder in der Schule lernen, was in der kleinen Gemeinde in der Teckregion schon alles gefunden wurde. Die Kinder können sich den Fund im Museum anschauen und im Steinbruch erfahren, wie Fossilien gefunden werden, sagt Hans Herzinger.


