Die Idee entstand, als Camilla Guhr einige Monate bei Ihrem Onkel in dessen Galerie in Hamburg gearbeitet hat. Andreas Guhr ist einer der bedeutendsten Mineralienhändler in Deutschland und gilt als weltweit anerkannter Experte. Der Urwelt-Steinbruch in Holzmaden hat immer eine besondere Faszination auf ihn ausgeübt und die hat er auf seine Nichte übertragen. Seit der Betrieb in Holzmaden vor drei Jahren eingestellt wurde, lag das Potenzial brach. „Es gab diese Fläche hier und die Möglichkeit, etwas komplett neu zu gestalten“, sagt Camilla Guhr, die vor etwa einem Jahr in Holzmaden „die Tür aufgemacht“ hat und gleich begeistert war. Seit vergangenem Sommer ist sie neue Pächterin des Urwelt-Steinbruchs in Holzmaden, war aber vorher nie in der Urwelt-Gemeinde: „Ich kannte den Steinbruch nur aus Erzählungen meiner Eltern“, sagt sie.
Auf Korsika aufgewachsen
Dafür hat sie viel von der Welt gesehen: Geboren und aufgewachsen auf Korsika als Tochter eines Italieners und einer Hamburgerin, hat sie in Mailand, London und Paris Management für Kunst, Kultur und Kommunikation studiert, spricht vier Sprachen. Nach einem Praktikum bei Chanel hat sie bei dem legendären Modelabel angeheuert und dort die prominenten Kunden betreut, wie die spanische Schauspielerin Penelope Cruz.
Der Kontrast ihres bisherigen Lebens zu Holzmaden könnte wohl kaum größer sein. Hier hat sich die 29-Jährige gleich in die Arbeit gestürzt: Neue Beschilderung und Prospekte, Internetauftritt und die Renovierung der Innenräume des bestehenden Gebäudes, das im Frühjahr wiedereröffnet wurde. Am vergangenen Donnerstag ist nun der neue Museumsbereich dem Publikum zugänglich gemacht worden, und der hat spektakuläre Exponate zu bieten: Riesige Bergkristalle aus Brasilien oder Lapislazuli aus Afghanistan. Abstrakte Sandformationen, die wie aus der Hand eines Bildhauers geschaffen scheinen, wechseln sich mit Citrinen oder einer aus Sandstein geschliffenen, skulpturartigen Gogotte ab. „Alle sind aus der Natur gewachsen“, sagt Camilla Guhr. Eine mehr als zwei Milliarden alte Tigereisenplatte zeigt die ersten Lebensformen auf dem Planeten. „Viele Exponate stammen aus Sammlungen oder befinden sich in Familienbesitz“, erklärt die Kosmopolitin. Im neu gestalteten Untergeschoss will Camilla Guhr einmal die Woche das Öffnen und Schließen einer Amethyst-Druse zeigen. Sogar ein Meteorit ist ausgestellt und kann käuflich erworben werden – „Preis auf Anfrage“. Gut betuchte Kunden können – und sollen – solche Exponate auch kaufen. Wer etwa ein Waschbecken aus brasilianischem Rosenquarz oder Bergkristallen haben will, kann sich für einen vier- oder fünfstelligen Betrag so einen besonderen Stein erwerben, der sogar schon die richtige Form hat – geformt von den Urgewalten der Erde.
„Ein Schatz im Nirgendwo“
Die neuen Räume im Untergeschoss beherbergen auch Holzversteinerungen und Fossilien aus Holzmaden aus dem Bestand der Familie Fischer sowie aus anderen Fundstätten in Deutschland und der Welt. Ebenfalls im Untergeschoss gibt es einen Lernbereich für Kinder und die „Werkstatt“, in der Besucherinnen und Besucher des Steinbruchs Hämmer mitnehmen können, um dann im Schiefer auf dem riesigen Areal Fossilien freizulegen.
Künftig soll es „Magische Nächte“ nach Sonnenuntergang geben, mit Musik aus „Jurassic Park“ – auch ein „Park der Sinne“ ist geplant. „Das sind aber Pläne für nächstes Jahr“, sagt sie. Bis dahin will sie ihre neue Heimat – sie wohnt auch in der Gemeinde – und den Steinbruch besser kennenlernen. Der soll nämlich auch wieder reaktiviert werden, bislang kommen die Schieferplatten aus benachbarten Steinbrüchen. Während sie in der warmen Stille des Steinbruchs steht, schwärmt sie von ihrer neuen Heimat, in die sie auch internationale Kundschaft aus dem nahen Ausland locken will: „Das hier ist ein Schatz im Nirgendwo“.

