Seit einiger Zeit gehört neben dem Waldbaden auch Waldyoga zu den Aktivitäten im Landkreis Esslingen, die zwischen Buchen und Tannen ihren Platz gefunden haben. Dabei fungiert der Wald als lebendiges Freiluftstudio. Die Kombination aus sanfter Bewegung, bewusster Atmung und der besonderen Atmosphäre des Waldes macht Waldyoga zu einem natürlichen Gesundheitsbooster.
Endlich Feierabend. Die Teilnehmenden haben sich ihre Entspannungseinheiten redlich verdient. Was könnte dafür besser geeignet sein als die wohltuende Waldumgebung? „Grün hat eine heilende Wirkung“, sagt Petra Buck, Mitarbeiterin im Forstamt Esslingen und Yogalehrerin. Man kann dem Stress entgegenwirken, das Immunsystem stärken, die Herzfrequenz und den Blutdruck regulieren und das allgemeine Wohlbefinden fördern. Mit bewussten Aktivitäten wie Waldbaden oder Waldyoga kann dieser Effekt noch verstärkt werden. Buck zeigt im Wald zwischen Plochingen und Reichenbach an der Fils einige Yogaübungen.
Auf einer kleinen Waldlichtung angekommen, beginnt sie mit einer ersten Yoga-Sequenz aus dem sogenannten Tri-Yoga. „Tri-Yoga kommt aus dem Amerikanischen und verbindet die Mudras mit Pranayama und den Asanas. Mudras sind die Fingerübungen, Pranayama ist die Atemtechnik und Asanas sind die Übungen, die man so aus vielen Zeitschriften kennt“, erklärt Buck und fügt lachend hinzu: „Das sind diese komischen Verrenkungen, die man manchmal sieht.“ Kaum jemand denkt daran, welchen Einfluss die Gesundheit der Finger auf das gesamte Wohlbefinden hat. „Im Alltag haben wir oft gebeugte Finger. Wir sind sehr viel am Greifen. Und alles, was nicht wieder in Gegenrichtung kommt, ist nicht ideal für den Körper“, sagt sie. Über die Finger bauen sich Verspannungen auf, woraus Kopfschmerzen resultieren können. Eine einfache Übung, die sich leicht in den Alltag integrieren lässt, ist, eine Faust zu ballen und die Finger dann langsam bis zur Streckung aufgehen zu lassen. Auch die Baumposition gehört zu den Yogaübungen, die im Wald nicht fehlen dürfen. Wo ließe sich die eigene Standfestigkeit schließlich besser üben als zwischen ihren stillen, tief verwurzelten Namensgebern?
Wirbel für Wirbel wird die Sitzhaltung aufrechter
Dass der Wald gut als Yogaraum dienen kann, erleben die Teilnehmenden auf einer Lichtung inmitten von Nadelbäumen. Anstatt in einem Studio breiten die Frauen und Männer ihre Yogamatten oder Decken auf dem Waldboden aus, wo Licht und Schatten zwischen den Bäumen tanzen. Nachdem alle eine bequeme Sitzposition eingenommen haben, geht es weiter. „Die Augen schließen und erst einmal auf den Atem lauschen“, leitet Buck an. Wirbel für Wirbel wird die Sitzhaltung aufrechter: „Spüre, wie sich langsam dein Scheitelpunkt Richtung Himmel ausrichtet.“

Bei den Bodenübungen teilen sich die Yogis den Platz mit etlichen Ameisen, die das ungewohnte Treiben aus nächster Nähe verfolgen und dem einen oder anderen über die Hand krabbeln – mittendrin statt nur dabei. Mit dem Vierfüßlerstand bereiten sich die Teilnehmenden auf die folgenden Sequenzen vor. Hierbei müssen sie auf dem Boden knien, die Hände unter die Schultern und die Knie unter die Hüften setzen, um eine stabile Ausgangsposition zu schaffen. Zum Ausführen der Übung „Katze und Kuh“, sollen alle ihr Steißbein einrollen und den Rücken nach oben wölben, sodass er wie ein Katzenbuckel wirkt. „Dann vom Steißbein aus wieder in die gerade Ausrichtung zurückfließen, bis der Blick über den vorderen Mattenrand geht“, sagt Buck.
Jeder Wald bietet geeignete Orte zum Praktizieren von Yoga
Letzteres weckt Assoziationen vom gedehnten Rücken einer Kuh. Die beiden Übungen werden im Wechsel langsam und fließend ausgeführt. Nach diesen und weiteren Yoga-Sequenzen spazieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schweigend aus dem Wald heraus. Jeder Wald bietet geeignete Orte zum Praktizieren von Yoga, manchmal genügt ein Schritt zur Seite. „Wald tut gut“, sagt Buck und ergänzt: „Wichtig ist die Achtsamkeit.“

