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Was passiert im Freilichtmuseum Beuren im Winter?

Museumsdorf In Beuren arbeiten Hauptamtliche und Ehrenamtliche zwischen November und März fleißig für die nächste Saison. Museumsleiterin Steffi Cornelius gewährt einen Blick hinter die Kulissen. Von Barbara Gosson

Der Hauptweg im Freilichtmuseum wird gerade saniert. Er soll schmaler werden, damit vor den Häusern eine Hofsituation entstehen kann. Foto: Jürgen Holzwarth

Anfang November schließt das Freilichtmuseum Beu­ren seine Pforten. Eine Winterpause ist das allerdings nur für die Besucher. Hinter geschlossenen Türen gibt es für die Museumsmitarbeiter jede Menge zu tun. Museumsleiterin Steffi Cornelius gewährt einen Einblick: „Die Winterzeit ist wichtig für uns, wenn wir da nicht fleißig sind, dann haben wir keine gute Saison“, erläutert sie.

 

Wenn wir im Winter nicht fleißig sind, haben wir keine gute Saison.
Steffi Cornelius
Leiterin des Freilichtmuseums

 

Die Verwaltung ist im Tiefenbachtal, wenige Hundert Meter Luftlinie vom eigentlichen Museum entfernt. Dort sind die Büros von Steffi Cornelius und den Mitarbeitern. Das Programm für die kommende Saison, die am Sonntag, 24. März, beginnt, steht bereits fest: „Im Dezember gehen die Prospekte in den Druck, damit sie zur Touristikmesse CMT im Januar vorliegen.“

Wenn das Museum winterfest gemacht wird, dauert das zwei Wochen, berichtet Andreas Rapp, Teamleiter des Museumsdienstes. Sensible Dinge wie Bett- und Tischwäsche werden entfernt, gereinigt und eingelagert. Auch wertvolle Gegenstände wie originale Fotografien oder die Medientechnik, werden vor Witterung geschützt oder abgebaut. Kurz vor der Eröffnung läuft die Prozedur in umgekehrter Richtung ab.

Restaurationen stehen an

Mitarbeiterin Christine Reinhold macht sich mit zwei Baustrahlern auf den Weg zum historischen Häslacher Rathaus. Kleinere Restaurationen stehen immer an und dafür möchte sie Fördergelder einwerben, also werden Dokumentationen gebraucht. Im Rathaus hängen gerahmte Original-Fotos von Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg: „Für diese haben wir eine besondere Verantwortung“, erläutert Cornelius. Also sollen sie ebenso restauriert werden wie der Textilbezug einer Lampe aus der Schreinerei.

Fensterläden werden geschlossen, die großen Scheiben des Gartensaales mit Holztafeln gesichert. Sitzgruppen und Landmaschinen wandern in die Scheuer. Wer denkt, das Gelände sei verwaist, wird rasch eines Besseren belehrt. Die Ziegen, Schafe, Gänse, Hühner und Kaninchen brauchen jeden Tag Futter und weitere Zuwendung. „Andere Museen geben ihre Tiere im Winter zu Landwirten in Pflege, unsere bleiben auf dem Gelände“, so Cornelius.

Im Winter steht auch die Gartenplanung auf dem Programm: Was wird wo angepflanzt? Welche alten Sorten sollen gezeigt werden? Steht etwa eine Aktion mit Kartoffelsorten im Jahreskalender, müssten diese rechtzeitig angepflanzt werden.

Naschgarten geplant

Andreas Rapp arbeitet in einem Gärtchen. Er hat die Umrandungen der Beete sowie einzelne Staketen des Holzzaunes erneuert und verteilt Kompost in den Pflanzfeldern. Hier soll ein Naschgarten entstehen: Alle Pflanzen können Besucher im rohen Zustand essen. Gemäß der Philosophie des Museums sollte es sich möglichst um regionale alte Sorten handeln.

Die größte Baustelle ist mittendrin: Der Hauptweg wurde aufgegraben und neue Leitungen verlegt. Gerade wird die neue Deckschicht aufgebracht. Steffi Cornelius weist darauf hin, dass der Weg schmaler wird als zuvor. So kann vor den Häusern eine Hofsituation entstehen. Die Erneuerungen wurden nötig, weil Starkregen den Weg ausgeschwemmt hat. „Es war für Besucher beschwerlich, den Weg zu begehen. Bisher wurde er immer notdürftig geflickt. Jetzt wird er ordentlich gerichtet.“ Bis zum 24. März soll er fertig sein.

Dann steht noch die Grünpflege auf dem Programm: Mähen, Büsche und Bäume schneiden, Zäune ausbessern. Auf der Hochzeitswiese schneidet Landschaftsgärtner Ralf Maier die Brettacher-Apfelbäume. Aus dem Schnittgut bindet er Krähle fürs Backhaus. Es kommen einige zusammen, es werden aber noch mehr gebraucht. Wer möchte, kann Krähle spenden und bekommt dafür Eintrittskarten für das Museum.

Geprobt wird auch schon für die neuen Sonderführungen: In dieser Saison soll der Alltag der Menschen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts im Weberhaus aus Laichingen gezeigt werden. Das Konzept: Die Dialoge werden von dramaturgisch und historisch bewanderten Fachleuten ausgearbeitet und von Ehrenamtlichen gespielt. Dazu gibt es Moderatoren, die erklären und einordnen.

Lebensraum für Tiere

Schon die Zahlen belegen, dass im Museum viel Arbeit steckt: Elf Hektar Gelände, 25 historische Gebäude plus Eingangsgebäude, 600 Streuobstbäume an denen 180 Nisthilfen hängen. Sie machen das Museum zu einem Biotop: Käuze, Singvögel, Fledermäuse, sogar ein Wiedehopf brütet in Beuren. Die Reinigung der Nistkästen wurde den beiden jungen Freiwilligen Carolin Abele und Felix Röschel übertragen. „Das war sehr abwechslungsreich“, erzählen sie.

Die Winterpause hat aber auch erholsame Momente. Andreas Rapp berichtet etwa von einem Treffen mit Kollegen aus den anderen Freilichtmuseen Baden-Württembergs. Diese haben sich zum Verbund „Die Sieben im Süden“ zusammengeschlossen.

Wer Krähle fürs Museumsbackhaus anliefern und sich damit eine Saisonkarte verdienen möchte, kann sich per E-Mail melden: info@freilichtmuseum-beuren.de

 

Tante-Helene-Lädle: Mitarbeiter gesucht

Das Lädles-Team des Fördervereins Freilichtmuseum Beuren sucht Verstärkung. Gefragt sind Ehrenamtliche, die kontaktfreudig sind und Spaß am Verkauf in nostalgischer Umgebung haben.

Der Kolonialwaren-Laden aus dem Jahr 1929, der einst in Nürtingen stand, ist im Freilichtmuseum seit 1997 ein Anziehungspunkt. Für Interessierte ist eine Informationsveranstaltung geplant. Schnuppertage sind möglich. Wünschenswert sind fünf bis zehn Einsätze in der Museumssaison, zu selbst bestimmten Terminen.

Nähere Infos gibt es bei Sandra Rehm unter der Telefonnummer 07 11/39 02-4 18 26