Eigens für den Abschied ihres Intendanten Friedrich Schirmer haben Schauspieler der Württembergischen Landesbühne (WLB) Esslingen die Band von „Backbeat – Die Beatles in Hamburg“ wieder aufleben lassen. Und sagten beziehungsweise sangen dem 72-Jährigen mit dieser Produktion Lebewohl. Auf der Bühne des Schauspielhauses weckten die Weggefährten zudem Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit dem großen Theatermann.
„Jahrzehntelang hat er das Theater in Baden-Württemberg geprägt“, sagte die Kunstministerin Petra Olschowski beim Festakt am Donnerstag. Schirmer habe viele Neuerungen angestoßen. Das Stuttgarter Intendantenmodell mit vier gleichberechtigten Köpfen am Staatstheater habe er mitentwickelt. Für das Kinder- und Jugendtheater habe er wichtige Impulse gegeben. Zwar sei es nicht gelungen, eine eigene Sparte am Staatstheater in Stuttgart zu etablieren. Sein Engagement aber habe die Gründung des Jungen Ensembles möglich gemacht. Im Namen des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann verlieh Olschowski dem 72-Jährigen die Staufermedaille des Landes.
Für „ein gefühltes Stadttheater“ dankte Matthias Klopfer, der Esslinger Oberbürgermeister, dem „Teamspieler“. Zugleich habe er die Württembergische Landesbühne in den Gastspielorten gestärkt. Augenzwinkernd erinnerte der OB an ein Zitat Schirmers, der das Theater mit einer „Würstchenbude“ verglichen habe. Die Zuschauerzahlen habe er stets im Blick gehabt. Klopfer, der Vorstandschef der WLB ist, verlieh Schirmer die Ehrenplakette der Stadt Esslingen.
Sichtlich gerührt war der 72-Jährige angesichts der Erinnerungen seines Ensembles und seiner Weggefährten. Die Verwaltungschefin Vera Antes und der Co-Intendant Marcus Grube führten durch das Programm. Jahrzehntelang hat das Schauspieler-Ehepaar Reinhold Ohngemach und Sabine Bräuning mit Schirmer gearbeitet. „Wir sind gerne dem Ruf gefolgt, ihm 2014 zu seiner zweiten Intendanz nach Esslingen zu folgen“, sagte Bräuning. Natürlich hätten sie sich „ein bissle geziert“. Doch Schirmers Gabe, sein Team zu entwickeln und zu fördern, habe sie überzeugt. Dass er den „Untertan“ von Heinrich Mann als Eröffnungsproduktion auf die Bühne brachte, fand die Schauspielerin mutig. Bei einem Gastspiel in Villingen-Schwenningen habe es begeisterte Publikumsreaktionen gegeben.
Die Strahlkraft des Landestheaters geschärft
Dass sich der Theatermann nach seinen Stationen am Staatstheater Stuttgart und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg für die Rückkehr an die Esslinger Landesbühne entschieden hat, sorgte 2014 in der Szene für Gesprächsstoff. Doch Zweifel der Kritiker zerstreute Schirmer. Mit spannenden Regieteams schärfte er die Strahlkraft des Hauses, dessen Auftrag es ist, mit Gastspielen Theater aufs Land zu bringen. Mit dem Klischee vom Provinztheater spielte Antonio Lallo, der eine Szene aus Thomas Bernhards „Der Theatermacher“ zeigte. Künstlerische Qualität jenseits der Zentren zu ermöglichen, das war Schirmers Ziel.
Auf die fünfjährige Doppelintendanz mit Marcus Grube blickt er positiv zurück. Dass sein Nachfolger nun die Landesbühne alleine führt, macht Schirmer glücklich. Überrascht war der Theatermann, dass ihm OB Klopfer und Christoph Peichl, Referatsleiter im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, die Ehrenmitgliedschaft der WLB überreichten. „Die haben meine Vorgänger auch verdient.“ Vor allem dachte er da an Achim Thorwald. „Ich nehme die Auszeichnung stellvertretend für uns alle an.“ Mit einem gemeinsamen Lied, „Hallelujah“ von Leonard Cohen, endete der Festakt.

