Teilhabe
Weilheim: Auf dem Weg zur barrierefreien Stadt

Landesminister Manfred Lucha hat sich auf seiner Sommertour gemeinsam mit dem Sozialverband VdK Weilheim angeschaut, wo das Städtle schon barrierefrei ist und wo Nachholbedarf besteht.

Vertreterinnen und Vertreter des VdK Weilheim (links) und Gemeinderat Rainer Bauer (dritter von rechts) führen Nora Welsch (fünfte von rechts), Minister Lucha (rechts) und Natalie Pfau-Weller (zweite von rechts) durch Weilheim. Foto: Markus Brändli

Die Sonne knallt aufs Kopfsteinpflaster vor dem Weilheimer Rathaus, als Manfred Lucha mit Vertreterinnen und Vertretern des Sozialverbands VdK Weilheim zusammentrifft. Der Landesminister für Soziales, Gesundheit und Integration (Grüne) will sich auf seiner Sommertour ein Bild davon machen, wie weit Weilheim auf dem Weg zu einer barrierefreien Stadt gekommen ist und welche Aufgaben es noch gibt. Auch Nora Welsch, Beauftragte der Landesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, und die CDU-Landtagsabgeordnete Natalie Pfau-Weller sind mit von der Partie. Rainer Bauer übernimmt die Urlaubsvertretung für Bürgermeister Johannes Züfle.

Pflastersteine als Stolperfalle

Der VdK Ortsverband hat eine kleine Tour durchs Städtle vorbereitet. Der Weg über Pflastersteine zum Café Wesley’s hat es für die Rollifahrer und Menschen mit Rollatoren bereits in sich. Unebenheiten und fehlende Steine kosten Kraft und bergen Gefahr. Deshalb hat die Stadt Weilheim damit begonnen, die brüchigen Porphyr-Quader gegen Granit auszutauschen. Allerdings geht das nicht von heute auf morgen. „Wir sanieren immer wieder einen Abschnitt“, sagt Gemeinderat Rainer Bauer. 

Am Café Wesley’s verhindert eine Stufe, dass Menschen mit Behinderung ohne Weiteres ins Innere gelangen. Allerdings gibt es eine mobile Rampe, die der Inhaber auf Zuruf aufbaut. Mit dem E-Rolli kann sie alleine überwunden werden, mit dem manuell betriebenen Aktiv-Rollstuhl allerdings nicht. „Sie ist recht steil. Aber immerhin gibt es eine Rampe“, sagt Nora Welsch, die selbst im Rollstuhl sitzt. Sie wirbt jedoch dafür, dass „nicht immer nachjustiert werden muss“, sondern dass Barrierefreiheit von Anfang an mitgedacht wird. 

Dass das noch nicht gut gelingt, liegt vielleicht auch daran, dass die Gesetzgebung privaten Bauherren Schlupflöcher bietet. Zwar sind sie seit 2015 eigentlich dazu verpflichtet, bei Neu- und Umbauten Barrierefreiheit herzustellen. „Wer aber nachweisen kann, dass die Kosten unverhältnismäßig hoch sind, kann eine Befreiung bekommen“, sagt Minister Lucha. Man spürt, dass dieses Schlupfloch dem Minister für Soziales ein Dorn im Auge ist. Eine einfache Lösung hat er aber nicht parat, denn er weiß, dass sich die Bauwirtschaft nicht mehr, sondern weniger Regelungen wünscht, um wieder günstiger bauen zu können. „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir nicht alles regeln müssen. Manche Sachen sollten selbstverständlich sein“, findet er. Gleichzeitig müsse man darauf achten, dass Barrierefreiheit in der Debatte um günstigeres Bauen nicht nur als Kostenfaktor wahrgenommen werde. Am Ende des Lebens betreffe es alle Menschen.

Positive Beispiele gibt es in Weilheim natürlich auch. Das umgebaute Rathaus ist eines, die barrierefreie Bushaltestelle am Marktplatz und die umgebaute Brücke beim Spielplatz Kohlesbach sind zwei weitere. Dass Rathäuser und Bushaltestellen barrierefrei sein müssen, ist gesetzlich verankert. Auch das Café Bäcker Mayer hat eine Rampe und ist deshalb bei Rollifahrerinnen und Rollifahrern beliebter als die Bäckerei Scholderbeck, bei der an einem separaten Eingang geklingelt werden muss. „Man hätte dort die Möglichkeit gehabt, einen barrierefreien Zugang zu machen“, glaubt Jürgen Heiner, erster Vorsitzender des Ortsverbands Weilheim. Dass man am Hintereingang klingeln müsse „wie ein Bittsteller“, empfindet er als diskriminierend. Gemeinderat Rainer Bauer weist allerdings darauf hin, dass bauliche Gründe einen ebenerdigen Eingang verhindert hätten.

Nach rund einer Stunde entschwindet der Minister zum nächsten Termin. Für den VdK-Ortsverband Weilheim geht die Lobbyarbeit in Sachen barrierefreie Stadt weiter.