Bestattungen
Weilheim bietet künftig Beerdigungen in Baumgräbern an

Auf dem Friedhof an der Weinsteige hat die Stadt Möglichkeiten für naturnahe Beerdigungen direkt an Bäumen geschaffen. 

An der Aussegnungshalle soll künftig an frei stehenden Bäumen eine Möglichkeit für Bestattungen in Baumgräbern angeboten werden.  Foto: Carsten Riedl

Die Stadt Weilheim will auf dem Friedhof an der Weinsteige sogenannte „Baumgräber“ ermöglichen. Dabei werden die Urnen im Bereich der Baumwurzeln beigesetzt. Geplant sind zudem Stelen aus Kalkstein, an denen die Namen der Verstorbenen mit Plaketten befestigt werden. Außerdem soll es dort Abstellflächen für Grabschmuck geben. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf rund 15.000 Euro. 

Sie sollen eine Alternative zu den immer beliebter werdenden Rasengräbern werden. Diese haben keine abgegrenzte Grabfläche, die Pflege übernimmt der städtische Bauhof, die Kosten werden bei der Einsetzung einmalig gezahlt. „Darauf gibt es einen regelrechten Run“, sagt Bürgermeister Züfle im Gemeinderat. Denn die Bestattungskultur befinde sich in einem grundlegenden Wandel. „Es gibt deutlich weniger Erdbestattungen“, fügt er hinzu. Im Jahr 2023 waren das in Weilheim nur noch 21, gegenüber 73 Feuerbestattungen. Davon entfielen 39 auf Urnenrasengräber. Der Trend ist klar: Pflegearm und naturnah sollen die Bestattungsformen sein. Das hat laut Johannes Züfle vor allem einen Grund: „Die Grabpflege spielt heute eine größere Rolle als früher. Die Mobilität ist größer geworden, Angehörige wohnen in vielen Fällen nicht mehr vor Ort“, erklärt der Weilheimer Rathauschef.

Mit den Baumgräbern wolle man eine attraktive Alternative schaffen, zumal – so heißt es in der Sitzungsvorlage – die Rasengräber „aufgrund ihres schlichten Erscheinungsbildes eher trist wirken“. Zwar wolle man in Weilheim keinen „Friedwald“ schaffen, wie es ihn in manchen Landkreisgemeinden gibt. Aber bereits seit 2016 gibt es in Weilheim die Idee von Baumgräbern. Allerdings fehlte es bislang an geeigneten Flächen.

 

Flächen sind gefunden

Die sind nun gefunden. In den vergangenen Jahren wurde im Feld sieben neben der Aussegnungshalle abgelaufene Grabstellen geräumt. Dadurch stehen einige Bäume nun frei, die als Baumgräber genutzt werden können. Der Vorschlag stößt auf positive Reaktionen im Gemeinderat. „Es ist jetzt höchste Zeit. Die Nachfrage danach wird immer größer und wir müssen mit der Zeit gehen“, findet Gemeinderat Rainer Bauer (UMV). 

Da mit der Einführung neuer Grabformen auch die Friedhofsordnung angepasst werden muss (Johannes Züfle: „Da geht man alle zehn Jahre mal dran“), hat sich Gerda Schrägle (SBV) diese mal genauer angeschaut und ist auf einen Punkt gestoßen. „Da wird die maximale Dauer für Zeremonien festgelegt“, wundert sie sich. Der Hintergrund: Je nach Zahl der Rednerinnen und Redner können Zeremonien sehr unterschiedlich ausfallen und eventuell nachfolgende Bestattungen zeitlich beeinträchtigen. Daher will man bestimmte Limits festlegen, an die sich die Trauergesellschaften im Interesse eines reibungslosen Ablaufs zu halten haben.

Daniel Singh (FWV) merkt noch an, dass man den „Zuschlag für Auswärtige“ in der neuen Friedhofsordnung damit ergänzen könne, dass dieser entfalle, wenn jemand mehr als zehn Jahre in Weilheim gelebt habe. Johannes Züfle stimmt zu: Fälle, in denen ältere Menschen auswärtig in einem Seniorenheim wohnen, gebe es häufiger. Die Verwaltung sagt zu, das entsprechend zu prüfen. Damit ist die Zustimmung aller Fraktionen gesichert: Der Beschlussvorschlag wird einstimmig angenommen.