Die Große Drüsenameise, die sogenannte Tapinoma magnum, ist nicht nur geografisch gesehen auf dem Vormarsch, sie ist auch in den Medien stark vertreten. Von Ameisen in Stromkästen und dadurch verursachten Kurzschlüssen sowie beschädigter Infrastruktur ist die Rede. Das hat zur Folge, dass das Naturkundemuseum Stuttgart mit Nachrichten über mögliche Funde der eingeschleppten Ameisenart überschwemmt wird, sagt die Mitarbeiterin Amelie Höcherl. Die Naturkundemuseen Stuttgart und Karlsruhe erforschen seit Anfang dieses Jahres die Ausbreitung und das Verhalten der invasiven Art im Rahmen eines zweijährigen Forschungsprojekts.
Zuerst den Blog lesen
In mühevoller Arbeit wurde der Blog „Ameisen-Alarm!“ zur Tapinoma magnum erstellt. Dort sind auch die Merkmale, an denen die eingeschleppte Art erkannt werden kann, genannt. Amelie Höcherl rät deshalb dazu, bei einem möglichen Fund zuerst den Blog zu lesen. Dadurch könnte ein erster Verdacht oft schon ausgeräumt werden. Die Expertin nennt als grobe Merkmale: „Sie ist zwei bis vier Millimeter klein, komplett schwarz gefärbt, und bei leichtem Andrücken zwischen zwei Fingern entsteht ein sehr intensiver aromatisch-chemischer Geruch.“ Der Dettinger und NABU-Mitglied Torben Löw ergänzt: „Die Tapinoma magnum bildet Superkolonien mit zahlreichen unterirdischen Nestern und vielen Königinnen. Große Ameisenstraßen können daher auch ein Indiz sein.“
In Kirchheim wurde die Tapinoma magnum bislang nicht festgestellt, sagt Amelie Hörchel. Das heiße aber nicht, dass sie dort nicht bereits vorkomme, gibt sie zu bedenken. In Nürtingen wurde die invasive Ameisenart bereits vorgefunden. Nach Deutschland ist sie per Topf- und Gartenpflanze aus dem südlichen Mittelmeerraum angereist, sagt Torben Löw. Der Ameisenfan hält seit rund acht Jahren Ameisen als Haustiere und rät dazu, beim Kauf von Topf- und Gartenpflanzen aufmerksam zu sein. Bevor die Pflanze im Garten den Topf verlässt und in die Erde wandert, sei es sinnvoll, die Erde genau unter die Lupe zu nehmen und auf Ameisenspuren hin abzusuchen.

Wer draußen in der Natur eine Ameise sieht, sollte sich grundsätzlich freuen, sagt Torben Löw. „Sie sind ein wichtiger Ökosystemdienstleister und übernehmen zentrale Aufgaben: Sie räumen auf, weil sie effektive Räuber sind, verhindern sie, dass Schädlinge überhandnehmen, und sie dienen Vögeln als Nahrung.“ Außerdem seien die Ameisennester für die Bodenbelüftung wichtig.
Das Problem bei einer invasiven Arte sei, dass diese eine Nische einnehmen, die bereits besetzt ist. So sei es auch jetzt möglich, dass heimische Ameisen durch die Tapinoma verdrängt werden. Daraus könnten sich Folgeprobleme ergeben, da andere Arten von den heimischen Ameisen abhängig sind.
Wie man sich bei einem Verdachtsfall verhalten sollte
Zuerst sollte überprüft werden, ob es sich wirklich um die invasive Art handelt, sagt Amelie Höcherl. In Deutschland gebe es über 120 Ameisenarten. Die Tapinoma magnum lasse sich unter anderem leicht mit heimischen Wegameisen verwechseln.
Zur Identifizierung der invasiven Ameisenart empfiehlt Amelie Höcherl den Science-Blog-Artikel des Naturkundemuseums Stuttgart. Wer weiterhin die Tapinoma in seinem Garten vermutet, sollte das Naturkundemuseum Stuttgart informieren.
Handelt es sich um die Tapinoma, so ist es nach Amelie Höcherls Einschätzung zu empfehlen, die Kolonie einzudämmen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Anstatt zu Gift zu greifen, das auch andere Insekten und die Umwelt schädige, lohne es sich, die Bekämpfung mit heißem Wasser zu testen, sagt Höcherl.
„Außerdem raten wir dazu, die Stadt oder Gemeinde über das Vorkommen zu informieren“, betont Höcherl.

