Zwischen Neckar und Alb
Wichtig sind die persönlichen Treffen

Musik Gesangspädagogin Adina Kolb ist eine vielseitige Künstlerin. Mit ihren Chören – unter anderem in Schlierbach – probt sie Pop-Arrangements, mit Musik, die alle aus ihrem Alltag kennen. Von Elisabeth Maier

Die Bratsche hat Adina Kolb immer fasziniert. Dieses Instrument hat die Musikerin bei ihrem Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stutt­gart als Hauptfach studiert. „Mich hat in der Schulmusik die Vielseitigkeit gereizt“, sagt die Künstlerin. Chorleitung findet die leidenschaftliche Sängerin ebenso spannend wie eigene Konzerte mit den unterschiedlichen Ensembles, in denen sie arbeitet. Ihre große Leidenschaft ist das Unterrichten.

Am Konservatorium in Lyon hat die Sängerin während ihres Studiums ein Auslandsjahr absolviert. Sie hat es genossen, die Chorarbeit in Frankreich kennenzulernen. An der Musikschule Esslingen gibt Adina Kolb Gesangsunterricht. Nebenbei hat sie auch einige Privatschüler. „Junge Menschen, aber auch Erwachsene weiterzuentwickeln, das finde ich schön“, sagt die 36-jährige Tochter des Kirchheimer Musikschullehrers Bertram Schattel. Sie möchte ihre Schüler da abholen, wo sie stehen. „Aber es geht auch darum, jeden und jede von ihnen so zu fordern, dass sie wachsen können.“ Weil sie die Abwechslung braucht, kam es für Adina Kolb nie in Frage, fest an einer allgemeinbildenden Schule zu lehren. Diesen Weg hat ihr Mann Manuel eingeschlagen.

Gemeinsam treten beide bei Konzerten in der Kirche auf. Ihre etwas freiere Zeiteinteilung genießt Adina Kolb auch deshalb, weil sie sich die Zeit mit den Kindern gut einteilen kann. Alle drei sind sehr musikalisch, treten in die Fußstapfen der Eltern. „Schon mein Vater ist Komponist und Chorleiter, das liegt bei uns in der Familie“, sagt die Sopranistin.

Dass Adina Kolb aus ihrer Leidenschaft einen Beruf gemacht hat, ist nicht zu überhören. „Wunderschön“ findet sie die Arbeit mit dem „Chörle“ in Schlier­bach. Da arbeitet sie seit vier Jahren mit einem kleinen Kreis von Sängerinnen und Sängern. Mit einer Mischung aus klassischen Stücken und Popmusik spricht sie Menschen ganz unterschiedlicher Generationen an. „Weil viele keine Noten lesen können, fällt es ihnen leichter, die Popmusik zu singen, die sie aus ihrem Alltag kennen.“ Um dem auch in der Chor­arbeit Rechnung zu tragen, hat Adina Kolb an der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung in Trossingen einen einjährigen Lehrgang im Pop-Gesang absolviert. Ein Baustein war auch das Arrangieren von Pop-Stücken für Chöre. „Das hat mir richtig Freude gemacht“, schwärmt Adina Kolb. Gefühlvoll und stark interpretiert sie bekannte Titel neu. In diese Richtung möchte sie sich weiterentwickeln. Spannend fand sie, dass sich die Leiter von Pop-Chören „mehr als Coaches denn als Dirigenten verstehen.“ Diesen Ansatz möchte Kolb weiterverfolgen.

Im Sommer ging es auf die Wiese

Deshalb hat die weltoffene Chorleiterin in Schlierbach einen Projektchor gegründet, mit dem sie einige Musikstücke einstudiert hat. Wegen der Corona-Pandemie konnten die Auftritte nicht stattfinden. Wann immer es erlaubt war, hat sie mit dem Chor geprobt. „Im Sommer gingen wir raus auf die Wiese. Das E-Piano haben wir mit der Autobatterie betrieben.“

Gemeinsames Musizieren hält Adina Kolb für eine ganz wichtige Erfahrung. Auch mit ihren Gesangsschülern an der Esslinger Musikschule hat sie deshalb in Zeiten der Pandemie das Singen in kleinen Ensembles möglich gemacht. Die Gesangslehrerin hofft, dass der Unterricht nach den Ferien weitergehen kann. Das sei so wichtig für die jungen Menschen. Ihre Chormitglieder versorgt sie mit Tonspuren, die sie selbst besingt. „Dann kann jeder zuhause üben, sei es beim Waschen oder am Herd.“ So könnten alle ihre Stimme schulen, bis der Chor endlich wieder gemeinsam üben kann.

Zwar habe sie anfangs auch Chorproben über Zoom oder andere Plattformen ausprobiert. „Aber die meisten haben mir zurückgemeldet, dass sie sich die persönlichen Treffen wünschen.“ Ganz klar ist für die Künstlerin, dass ihre Arbeit viel mehr ist als Freizeitvergnügen. „Musik ist seelenrelevant“, verweist sie auf ein Zitat, das dieser Tage die Runde macht. Betrübt ist sie darüber, dass viele ihrer Künstlerkollegen derzeit wegen der Einschränkungen durch die Pandemie um die nackte Existenz kämpfen müssten. Da wünscht sich die Musikpädagogin ein Umdenken in der Gesellschaft.