Zitronen von der Amalfiküste, Orangen aus Sizilien und Aronia aus Brandenburg, bei Sybille Hizal aus Köngen kommen nur frische Früchte in die Flasche. Abends und am Wochenende steht sie gemeinsam mit ihrem Mann Münür und Tochter Denise Schweizer in der ehemaligen Schmiede der Firma Reichert im Ortszentrum von Köngen. Dort hat sie vor fast einem Jahr ihre kleine Manufaktur untergebracht, die sie in Anlehnung an die ehemalige Funktion des Gebäudes Likör- und Ölschmiede nennt.
Im hinteren Teil entstehen Liköre und Öle, im vorderen Teil stehen die sieben Sorten Öle und 18 Sorten Liköre in hohen Regalen, darunter auch die beiden Lieblingströpfchen der Chefin: „Ich kann mich nie zwischen Kaffeelikör und Aronialikör entscheiden“, sagt sie und fügt hinzu: Letzterer sei der Bestseller.
Auf die Idee für ihre Manufaktur kamen sie und ihr Mann durch einen Fahrradurlaub 2021 in Südtirol. Sie übernachteten in einer kleinen Pension. „Die Wirtin hat uns abends immer mit leckeren Likören verwöhnt“, erinnert sich Sybille Hizal. Schon auf der Heimfahrt beschlossen sie, selbst Liköre herzustellen. Zunächst experimentierten sie am heimischen Herd und probierten das eine oder andere Rezept aus. „Wir haben die Liköre an Freunde und Nachbarn verschenkt und an sehr vielen Abende in großer Runde getestet“, sagt sie lachend.
Nur natürliche Inhaltsstoffe
Bestehende Rezepte änderte sie ab, nahm statt Bränden beispielsweise Rum, damit sie milder wurden und verfeinerte sie mit Gewürzen wie Vanille oder Zimt. „Ich arbeite nur mit natürlichen Stoffen“, so Sybille Hizal. Das sei ihr wichtig. Immer wieder habe sie neue Kreationen im Kopf und hole sich bei Tochter und Mann Rat.

„Wir sind ein richtiger Familienbetrieb“, sagt die Unternehmerin. Die Tochter etikettiert, ihr Gatte macht das Öl. Da habe er Expertise. Die Vorfahren des gebürtigen Nürtingers mit türkischen Wurzeln stammen aus Ayvalik, dem Zentrum des Olivenöls. „Mein Opa hat schon selber Olivenöl gemacht und ich war als kleiner Bub mit dabei und habe mir die Liebe dazu beihalten“, erzählt er. Deshalb lag es nahe, neben Likören auch Öle anzubieten. „Olivenöle kann man nicht in Deutschland pressen, da sie innerhalb von vier bis acht Stunden nach der Ernte gepresst werden müssen, damit sie nicht oxidieren“, erklärt er. Deshalb fährt das Ehepaar jährlich zum Olivenölfestival nach Ayvalik und kostet dort die Öle, die sie in Deutschland verkaufen.
Kühlschranktest zeigt Qualität
Doch wie lässt sich reines Olivenöl erkennen? „Mit einem Kühlschranktest“, erklärt Münür Hizal. Dort werde Olivenöl bei Temperaturen von 4 Grad geleeartig. Befänden sich jedoch Kugeln darin, sei dies ein Hinweis auf andere Ingredienzien. Er mag am liebsten Olivenöl aus der Türkei oder Griechenland. Alle anderen – darunter das Lieblingsöl seiner Frau aus Walnüssen – stellt er selbst im Kaltpressverfahren her. „Körner und Samen kaufen wir möglichst regional“, sagt sie.
Verkauft wird außer samstags im Geschäft in Köngen auch auf Märkten, bei Festen in der Gegend und im Online-Shop. Außerdem soll es die Produkte beim Rewe-Markt in Wendlingen geben. Zudem möchte die Famlie baldmöglichst Essig, Obstessig und Frucht-Balsamessig anbieten. Schließlich soll die Manufaktur dieses Jahr in die schwarzen Zahlen kommen. Münür Hizal zeigt sich optimistisch. Beide wissen wie Selbständigkeit geht. Seit fast 20 Jahren ist seine Frau in seinem Gewerbebetrieb für Flurförderfahrzeuge für Büro und Buchhaltung zuständig.

