Geschmack am Echten – hinter diesem Slogan steckten lange Zeit Fleischprodukte aus Schopflocher Produktion. Dietz-Wurst stand für Qualität von der Alb und für Kundschaft aus ganz Deutschland. Das ist nicht nur lange her, sondern seit Dezember auch endgültig Geschichte. Der Name Dietz stand bis zuletzt nur noch auf dem Papier. Hinter der Betriebsstätte im Lenninger Teilort stand zuletzt die Allgäu Fresh Foods (AFF) mit Sitz in Kempten, ein Tochterunternehmen der Allgäuer Lebensmittelkette Feneberg. Nach deren Insolvenz im August dieses Jahres stieg die mittelfränkische Kupfer Holding kurzfristig als Mehrheitseigner ein. Anfang Dezember dann die Nachricht: Der Standort Schopfloch wird abgewickelt – für immer.
60 Arbeitsplätze sind davon betroffen. Für ein 730-Seelen-Dorf ist das eine Menge. Erlebt die Gemeinde am Jahresende eine handfeste Strukturkrise? Von vorweihnachtlicher Depression ist im Ort erstaunlich wenig zu spüren. Ein Hauch Wehmut angesichts der Erinnerung an goldene Dietz-Zeiten – mehr nicht. AFF war in Schopfloch, aber es war eben nicht Schopfloch. Ein Bewohner habe dort zuletzt noch gearbeitet, sagt Ortsvorsteher Gunter Berger. Die wenigen Führungskräfte stammten aus Kempten. Der Rest der Belegschaft: Billigkräfte, zumeist aus Osteuropa, von denen die allermeisten gar nicht hier wohnten.
Das Thema wird uns ganz sicher beschäftigen.
Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht fürchtet nach der Betriebsschließung in Schopfloch steigende Abwassergebühren.
Das freilich ändert nichts daran, dass die Zäsur auf der Alb den Verlust von Arbeitsplätzen und Existenzgrundlagen bedeutet. Mögliche Schicksale, die sich kurz vor Weihnachten dahinter verbergen könnten – in Schopfloch bekommt davon kaum jemand etwas mit. Das Unternehmen sei in den vergangenen Jahren hier nicht mehr sichtbar gewesen. „Früher wurde bei Festen den Vereinen noch gelegentlich Equipment zur Verfügung gestellt“, sagt Berger. „Auch das war irgendwann vorbei“.
Also alles halb so wild? „60 Arbeitsplätze sind natürlich immer ein Verlust“, sagt Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht. Die fehlende Ortsbindung sei allerdings der Grund, dass man die Lage in Schopfloch wohl gelassener sehe. Früher sei das anders gewesen. „Als fast jeder Zweite hier ein Dietz-Mitarbeiter war“.
Immerhin: AFF war in Schopfloch der größte Arbeitgeber. Direkt angrenzend stellt ein zweites Unternehmen orthopädisches Schuhwerk her. Über den Ort verteilt gibt es vereinzelt Kleingewerbe und den einen oder anderen Handwerksbetrieb. Versiegt in Lenningen im kleinen Teilort also eine sprudelnde Gewerbesteuerquelle? Auch in diesem Punkt winkt die Verwaltung ab. Hinter einer Firma, die Insolvenz anmeldet, sagt Michael Schlecht, stecke erwartungsgemäß kein nennenswerter Gewerbesteuerzahler. Umgekehrt sei auch von einer ausstehenden Steuerschuld nichts bekannt. „Jedenfalls nichts, dem man nun rasch hinterherrennen müsste“.
Eine andere Frage, die sich stellt: Was geschieht mit der Immobilie im Gewerbegebiet am Ortsrand? Geschlachtet wird dort schon lange nicht mehr. Zuletzt verließen nur noch wenige Produkte nach der Endverarbeitung den Betrieb in Richtung Handel. Trotzdem ist das Gebäude ein Schlachtbetrieb mit hochspezialisiertem Innenleben. Das bedeutet: für eine alternative Nutzung durch einen potenziellen Käufer wenig attraktiv. „Das bereitet uns auf lange Sicht schon etwas Kopfzerbrechen“, muss Lenningens Rathauschef einräumen. „Schließlich zählt speziell in Schopfloch jeder Arbeitsplatz, der kurze Wege verspricht“.
Und wie geht es jetzt weiter? Im Stammhaus in Kempten ist für 14. Januar eine zentrale Betriebsversammlung geplant, bei der sich die Schopflocher Belegschaft auch per Video zuschalten kann. Ob es Übernahmeangebote geben wird und, falls ja, wie viele? Keiner weiß es. Die Informationslage ist dürftig. Der Betriebsrat hält sich bedeckt. Manuela Karn von Verdi in Kempten begleitet Feneberg als Sanierungsfall schon seit 2019. Mit dem üblichen Begleitprogramm: Sparmaßnahmen, Lohnverzicht, Filialschließungen, Ausgliederung. Das Unternehmen ist schon länger aus dem Tarifverbund ausgeschert. „In sämtlichen Neuverträgen geht es um Mindestlohn“, sagt Karn. Entsprechend gering ist der Anteil der gewerkschaftlich Organisierten im Unternehmen.
Ganz ohne Folgen für die Gemeinde bleibt die Schließung nicht, weshalb das Thema jetzt auch im Gemeinderat eines war: AFF war in Schopfloch ein Wasserriese, vor allem beim Abwasser größte Verbrauchsstelle. „Das lässt sich nicht so einfach kompensieren“, sagt Bürgermeister Michael Schlecht. Soll heißen: Im Lenninger Teilort müssen sich die Bewohner womöglich auf steigende Abwassergebühren einstellen. Bisher gebe es dafür noch keine kalkulatorische Grundlage, sagt der Lenninger Rathauschef. „Aber das Thema wird uns künftig ganz sicher beschäftigen“.
Anfänge in Schopfloch nach dem Krieg
Die Metzgerei Dietz wurde 1949 als Schlachterei mit Ladengeschäft vom Metzgermeister Alfred Dietz in Schopfloch gegründet und im Lauf der Jahre um zahlreiche Filialen erweitert. 1959 streckte der Metzgereibetrieb erstmals seine Fühler in Richtung Einzelhandel aus. Dosenwurst aus Schopfloch war dadurch erstmals auch in Supermärkten erhältlich. 2006 erweiterte der Familienbetrieb die Produktion um ein zweites Werk in Heroldstatt, wo auch Fertiggerichte hergestellt wurden.
Die Filiale in der Kirchheimer Fußgängerzone firmierte bis 2023 unter dem Namen Dietz, obwohl dahinter bereits seit 2012 das Nahrungsmittelunternehmen Allgäu Fresh Foods (AFF) als Tochter der Lebensmittelkette Feneberg stand. Produziert wurde längst im Schopflocher Gewerbegebiet. Das verarbeitete Fleisch kam aus ganz Deutschland.
In wirtschaftliche Schieflage geriet Feneberg erstmals 2019. Im August 2025 stellte das Unternehmen einen Insolvenzantrag. bk

