Eine Zeitlang wusste ich nicht, wie es weitergehen soll und habe ein bisschen in den Tag gelebt”, erzählt Maradet und spricht damit für viele Jugendliche, die mit der Schule fertig sind und noch nicht so ganz wissen, wo der Weg hinführen soll. Seinem Schulfreund Frederik ging es ähnlich: „Ich wusste noch nicht, in welche Richtung es gehen soll und hab mich dann erstmal für ein FSJ entschieden.“ Beide Jugendliche machen derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Stiftung Tragwerk – aber in unterschiedlichen Bereichen. Maradet arbeitet in der Kita im Martin-Luther-Hof in Nürtingen, Frederik unterstützt die Haustechnik.
Durch das FSJ habe ich einen Studiengang gefunden, der mich sehr interessiert.
Frederik unterstützt die Stiftung Tragwerk ein Jahr lang im Bereich Haustechnik.
Für viele junge Menschen ist ein FSJ eine wertvolle Möglichkeit, sich persönlich weiterzuentwickeln und berufliche Orientierung zu finden, ohne sofort den Sprung ins kalte Wasser der Arbeitswelt wagen zu müssen. „Ich wollte aus meiner Komfortzone heraus und etwas Neues ausprobieren. “, erzählt Maradet.
Durch das FSJ erlangt er zusätzlich seine Fachhochschulreife. die Schule hat er in der 11. Klasse verlassen. Frederik hingegen hatte ein anderes Ziel: „Ich wollte auf jeden Fall in einen Bereich gehen, in dem ich etwas für mein späteres Leben lernen kann. Daher habe ich mich für die Haustechnik entschieden.“ Für ihn die richtige Entscheidung: „Beispielsweise hätte ich sonst nie in meinem Zimmer zuhause den Fußboden neu verlegt.“
Freiwilligendienste gibt es in den unterschiedlichsten Bereichen: Haustechnik und Verwaltung, Fahrdienste, Rettungsdienst, Schule und Kindergarten, im Krankenhaus, Schulsozialarbeit, die ambulante und stationäre Jugendhilfe sowie im Bereich interkulturelle Bildung. Das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) bietet Jugendlichen die Möglichkeit, sich ein Jahr lang im Natur- und Umweltschutz zu engagieren und praktische Erfahrungen in ökologischen Berufsfeldern zu sammeln, beispielsweise beim Naturschutzzentrum Schopflocher Alb.
Der Alltag der beiden Freiwilligen ist gut strukturiert. Der geregelte Tagesablauf bietet ihnen einen festen Rahmen, der hilft, sich zu orientieren und Verantwortung zu übernehmen. „Mir ist die Wichtigkeit sozialer Einrichtungen bewusst geworden. Und ich übernehme Verantwortung“ berichtet Maradet. „Ich muss pünktlich und verlässlich sein – sonst haben die Kinder Hunger.“ Das FSJ eignet sich nicht nur als Grundlage für Ausbildung oder Studium und als berufliche und persönliche Weiterentwicklung, die Freiwilligen verdienen außerdem ein kleines Taschengeld. Während der Seminartage gibt es viel Input und wichtige Tools an die Hand, sowohl für das FSJ als auch die spätere Karriere. Frederik fügt hinzu: „Es ging auch viel um das Thema Berufsorientierung, dadurch habe ich dann einen Studiengang gefunden, der mich sehr interessiert. Darauf wäre ich ohne das Seminar wahrscheinlich nicht gekommen.“
Doch nicht nur für Maradet und Frederik hat das FSJ viel Positives bewirkt. Auch für die Stiftung Tragwerk ist ihre und die Arbeit der anderen Freiwilligen ein wichtiger Bestandteil. „Ohne die Freiwilligendienste gerät unsere Arbeit ins Wanken“, erklärt Jürgen Knodel, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Tragwerk. „Sie sind eine Bereicherung und bringen einen neuen Blick, von diesen gemeinsamen Erfahrungen profitieren alle.“
Soziale Berufe profitieren auch deshalb von FSJlern, da viele während ihres Freiwilligendienstes erste Kontakte mit dem Berufsfeld knüpfen und sich später entscheiden, einen Beruf in diesem Bereich zu ergreifen. Die praktische Erfahrung und die Einblicke in den Alltag sozialer Berufe wecken oft ein langfristiges Interesse und Engagement.
Dass ein FSJ ein idealer Einstieg ins Berufsleben ist, bestätigt auch das DRK Nürtingen-Kirchheim. Über die Hälfte ihrer FSJler arbeiten später in dem Bereich, vor allem beim Rettungsdienst und Krankentransport.
Wer sich noch für ein FSJ bewerben möchte, hat gute Chancen. Es sind einige Stellen unbesetzt. Beispielsweise sucht das Café Olé in Lenningen (Kreisjugendring Esslingen) noch nach Freiwilligen ab September, aber auch unterschiedliche Stellen beim Tragwerk, wie Kita oder Wohngruppenbetreuung, sind noch verfügbar. Zwar sind die Bewerbungsfristen schon beinahe um, aber Jürgen Knodel versichert: „da kriegen wir schon noch was hin“.
Alle offene Stellen mit ausführlichen Tätigkeitsbeschreibungen gibt es auf den Homepages der Stiftung Tragwerk, des Kreisjugendring Esslingen und des DRK.

