Wie kommt Owen weg von Öl und Gas? Das ist die Frage, die im Mittelpunkt des Wärmeplans steht. Dieser Plan dient der Stadt Owen, die ihn gemeinsam mit Dettingen und Bissingen frühzeitig hat anfertigen lassen, als Grundlage für weitere Schritte in Richtung Klimafreundlichkeit beim Heizen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung hatten Räte und Bürgerschaft Gelegenheit, Details zu erfahren und Fragen zu stellen.
Heizöl liegt ganz vorn
Aktuell ist Owen bei der Wärmeversorgung in großen Teilen von fossilen Energieträgern abhängig. 37 Gigawattstunden Wärme werden pro Jahr in Wohn- und anderen Gebäuden sowie von der Industrie verbraucht. Ganz vorne liegt mit über 50 Prozent und über 20 Gigawattstunden Wärmeerzeugung das Heizöl. Holz ist der Energieträger, der am zweitmeisten verbraucht wird, als Nächstes kommt Erdgas. Einen geringen Anteil machen Flüssiggas, Wärmepumpen, Strom und Solarthermie aus. Nur 22 Prozent des Wärmebedarfs wird aktuell aus erneuerbaren Energien gedeckt. Ziel ist es, diesen Wert erheblich zu steigern: Künftig soll die Wärme zu 100 Prozent aus nicht fossilen Energieträgern erzeugt werden, mit möglichst hohem lokalen Anteil.
Wie das gelingen könnte, hat das Ingenieurbüro ebök aus Tübingen ebenfalls unter die Lupe genommen. Bei der Geothermie sieht Sebastian Gallery, der den Wärmeplan im Gemeinderat vorgestellt hat, viel Potenzial, weil in Owen – wie auch in Dettingen – in geringer Tiefe relativ hohe Untergrundtemperaturen herrschen. „Deshalb haben wir hier gute Bedingungen für Erdwärmesonden“, sagte Gallery. Geothermie könne auch – Stichwort: Wärmenetz – bei der zentralen Erzeugung und Versorgung eines Gebiets eingesetzt werden. Ausgenommen ist der Nordosten Owens. Dort sind Bohrungen wegen eines Wasserschutzgebiets nur ausnahmsweise möglich.
Auch bei der Solarthermie gibt es im Städtle noch viel Luft nach oben. Auf Dachflächen werde diese Art der Wärmeerzeugung aktuell von PV-Anlagen verdrängt, hat Sebastian Gallery beobachtet. Wärme lässt sich ebenso wie Strom über Solarthermie-Module, die auf Freiflächen aufgestellt sind, erzeugen. In der Bürgerfragestunde äußerte ein Owener Zweifel, ob solche Flächen überhaupt vorhanden seien. Das müsse die Stadt prüfen, so Gallery.
Wärme aus Abwasser
Eine Wärmequelle, die bislang noch gar nicht angezapft worden ist, ist die Owener Kläranlage. Abhängig von der konstruktiven Auslegung eines Wärmetauschers im Ablauf der Kläranlage und der damit möglichen Abkühlung des gereinigten Abwassers könnten zusammen mit einer Wärmepumpe Leistungen in der Größenordnung von 150 bis 300 Megawatt erschlossen werden, heißt es in dem Wärmeplan. Ausgehend von der Kläranlage sei ein Wärmenetz für den nordöstlichen Teil der Stadt bis zur Ortsmitte denkbar. Auch für das Neubaugebiet Owen-West wird erwogen, ein solches Netz auf Basis erneuerbarer Energieträger aufzubauen. Ein entsprechendes Konzept hat der Gemeinderat bereits in Auftrag gegeben.
So weit die Theorie. Dass in der Praxis zahlreiche Herausforderungen lauern, verschweigen die Autoren nicht. In der kommunalen Verwaltung stünden derzeit nur sehr geringe personelle Ressourcen für ein aktives Klimaschutz- und Sanierungsmanagement zur Verfügung, heißt es in dem Wärmeplan. „Man könnte in Verbindung mit anderen Kommunen eine Klimaschutzmanager-Stelle schaffen“, sagte Sebastian Gallery. Den Aufbau und Betrieb von Wärmenetzen könne die Kommune nicht selbst stemmen. „Dafür braucht man einen Contractor oder eine Bürgerenergiegenossenschaft“, so der Ingenieur. Und nicht zuletzt bestünden Hemmnisse für die Steigerung der Energieeffizienz im Bestand, wie zum Beispiel Ressourcen- und Handwerkermangel, deren Ursachen durch die Kommune nicht direkt beeinflusst werden könnten. Holz werde sich beispielsweise weiter verknappen. Auch Energieträger wie grüner Wasserstoff würden in Zukunft nicht in ausreichender Menge verfügbar sein, um sie für Heizzwecke zu verwenden.
InfoAm Freitag, 23. Februar, findet ein Beratungstag für Owenerinnen und Owener statt. Sebastian Gallery und ein Kollege stehen für Einzelgespräche zur Verfügung. Der Wärmeplan liegt vom 19. Februar bis zum 19. März im Rathaus der Stadt Owen aus und ist auf der Homepage www.owen.de einsehbar.
Wärmeplan sorgt für erhitzte Gemüter
In der Diskussion und in der Bürgerfragestunde, die sich an die Vorstellung des Wärmeplans anschloss, dominierten, von einigen sachlichen Fragen abgesehen, die emotionalen Wortbeiträge. Stadtrat Jochen Eberhardt, der im Hauptberuf Heizungsbauer ist, empörte sich darüber, dass der Wärmeplan nicht konkret genug sei. Er vermisse Lösungsvorschläge für Bestandsgebäude, die einen Heizungstausch benötigten. Bürgermeisterin Verena Grötzinger warb um Verständnis, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht alle Fragen beantwortet werden können. „Eine kommunale Wärmeplanung kann noch nicht ins Details gehen“, sagte sie. Es gebe nicht die eine Musterlösung. „Jedes Gebäude, jedes Quartier muss für sich selbst betrachtet werden“, sagte sie. „Wir sind heute noch nicht so weit, dass wir jedem Eigentümer sagen können, was er zu tun hat.“
Auch in der Bürgerfragestunde meldeten sich vor allem Owener mit kritischen Beiträgen zu Wort, die in dem vorgestellten Plan Aspekte wie beispielsweise die Wärmegewinnung durch Gülle vermissten. Ein Bürger äußerte erhebliche Bedenken gegenüber einem Wärmenetz. „Ich lasse meine Ölheizung drin, weil ich mich nicht abhängig machen will“, sagte er. Den Hinweis, dass er beim Öl ja auch abhängig vom Preis des Lieferanten sei, wollte er nicht gelten lassen. adö

