Ausbildung
„Wir sind die, die auf den Dächern sind“

Wer den Beruf der Klempnerin oder des Klempners ergreifen möchte, sollte schwindelfrei sein, denn es geht hoch hinaus. Werkstatt, Schule, Baustelle: Der Alltag der Auszubildenden ist facettenreich. 

Den beiden Schwestern Franziska (links) und Elena Dangel ist es ein Herzensprojekt, Menschen fürs Handwerk zu begeistern. Die beiden Klempnerinnen aus Oberlenningen gewähren auf ihrem Instagram-Account handwerk.schwestern Einblicke in ihren Alltag.

 

Den Sonnenaufgang auf dem Dach genießen, wenn ein frischer Wind um die Nase weht – wer kann das schon?, fragt die Lenninger Klempnermeisterin Franziska Dangel. Vor rund vier Jahren hat sie ihre Ausbildung im elterlichen Betrieb Dangel-Metall in Lenningen abgeschlossen. Bevor sie sich für die Handwerksausbildung entschied, zog sie aber erst mal los und studierte. „Meine Eltern haben mich nie gedrängt, in den Betrieb einzusteigen, aber die Idee, ein Handwerk zu ergreifen, wuchs immer weiter. Und dann habe ich es einfach gewagt.“

Auf der Baustelle trifft man sich

Den Schritt vom dualen BWL- und Immobilienwirtschaftsstudium zur Klempnerin hat sie bis jetzt nicht bereut. Ganz im Gegenteil: Auch heute weiß sie kleine Dinge noch zu schätzen. „Ich mag es ganz besonders, an der frischen Luft zu arbeiten.“ Wenn es also heißt, Werkstatt oder Baustelle, fällt die Antwort der 27-Jährigen eindeutig aus: Baustelle. Es ist aber nicht nur die Arbeit im Freien, die ihr gefällt, auch der Kontakt mit Menschen ist ihr wichtig. Vor allem auf größeren Baustellen, so Dangel, treffe man immer auf Handwerkerinnen und Handwerker von anderen Gewerken. Ein weiterer Pluspunkt ist nach ihren Worten darin zu sehen, einfach mal unterwegs zu sein. Und weil der Beruf des Klempners immer noch mit dem des Sanitärinstallateurs verwechselt wird, erklärt sie: „Wir sind die, die auf den Dächern sind.“ 

Das hängt vor allem damit zusammen, dass es Aufgabe der Klempnerinnen und Klempner ist, das Wasser richtig vom Dach abzuleiten. „Wenn die Feuchtigkeit einmal ins Haus eindringt, kann das zu großen Schäden führen“, erklärt Franziska Dangel. Eine häufige Gefahrenstelle ist der Schornstein: „Das Dach ist an dieser Stelle schon durchdrungen, wodurch die Nässe leichter ins Innere kommen kann.“ Zur Prävention muss der Übergang zu den Dachziegeln sorgfältig mit einem Blech verschlossen werden. Auch Fassadenarbeiten und die ­Montage von Dachrinnen stehen nach den Worten der Meisterin auf dem Baustellenplan der Klempnerinnen und Klempner, da sie einen wichtigen Teil bei der Ableitung des Wassers einnehmen.

Zur Arbeit auf Balkonen und Dächern gehört natürlich ein Gerüst – daran muss man sich, so Dangel, aber erst gewöhnen. „Es ist bei mir heute noch so, dass sich die ersten fünf Minuten auf dem Gerüst der neuen Baustelle komisch anfühlen. Danach ist es aber ganz normal.“ Dennoch schadet es nach ihrer Ansicht nicht, schwindelfrei zu sein und keine Höhenangst zu haben. Wer sich für die Ausbildung entscheidet, muss früh aufstehen, denn ein typischer Tag beginnt um 7 Uhr und endet zwischen 16 und 17 Uhr. Freitags werde die Klempnerzange dafür früher aus der Hand gelegt – schon zwischen 12 und 14 Uhr rufe der Feierabend.

Ohne Material geht nichts

Ohne Material geht auf der Baustelle nichts: Zeit für einen Blick in die Werkstatt. Dort werden die Teile für die Baustelle angefertigt, der Feinschliff erfolgt auf der Baustelle, sagt Elena Dangel, 24. Im Lenninger Betrieb gibt es eine Neuerung – und zwar die Azubiwerkstatt. Diese hat die jüngere Schwester entwickelt. „Dort arbeiten wir unsere Auszubildenden intensiv in theoretische und praktische Klempnerthemen ein. Außerdem können sie sich dort ganz ungestört ausprobieren, vor Klausuren üben oder Gelerntes wiederholen“, erklärt Elena Dangel. Sie hat es ihrer älteren Schwester Franziska Dangel gleichgetan und erst mal ein duales Studium absolviert: BWL und Handwerk sollten es sein. Danach hat sie im elterlichen Betrieb die Ausbildung zur Klempnerin abgeschlossen. 

An ihre eigene Ausbildung erinnert sich Elena Dangel noch gerne zurück: „Im ersten der insgesamt dreieinhalb Jahre ist man viermal die Woche in der Schule und nur einmal im Betrieb. Die restliche Zeit hat man dann Block­unterricht.“ Heißt: Die Auszubildenden sind drei bis vier Wochen am Stück in der Schule und dann genauso lange im Betrieb. Es gibt auch die Möglichkeit, die Ausbildung zu verkürzen. Das war bei der 24-Jährigen der Fall. Einen besonderen Mehrwert hat die Lenningerin aus der Zusatzausbildung gezogen, die insgesamt dreimal in Ulm stattfindet und jeweils zwei Wochen dauert. „In dieser Zeit ist man nur in der Werkstatt und lernt das sogenannte Falzen und Schweißen.“ Mit Falzen ist das Verbinden zweier Metalle gemeint.

Den Schwestern ist es wichtig, Menschen fürs Handwerk zu begeistern. „Das ist unser Herzensprojekt“, sagt Elena Dangel. Auf ihrem gemeinsamen Instagram-Account handwerk.schwes­tern nehmen sie ihre Follower mit auf die Baustelle, um zu zeigen, wie schön der Beruf der Klempnerin sein kann: „Es ist einfach schön, am Ende des Tages zu sehen, was man erreicht hat, und der Teamgeist ist super“, sagt Franziska Dangel.