Über die Mehrwertsteuersenkung von 19 auf sieben Prozent in der Gastronomie freut sich Gudrun Weiblen, die Inhaberin des Gasthauses Löwen in Ohmden, sehr. Für das Familienunternehmen sei es eine willkommene Entlastung. Im vergangenen Jahr musste sich die Geschäftsfrau noch mit dem Gedanken beschäftigen, die Preise für ihre Speisen zu erhöhen. Die steigenden Kosten seien der Grund für ihre Überlegung gewesen. Um diesen Schritt ist sie jetzt herumgekommen: „Ich wollte zuerst die Entscheidung des Bundesrats abwarten.“ Am 19. Dezember stand dann fest: Die Mehrwertsteuersenkung für Speisen im Restaurant sollte mit dem Beginn des neuen Jahres in Kraft treten. Getränke sind davon jedoch ausgenommen. Die Gastronomie hatte in den vergangenen Jahren mit massiven Herausforderungen zu kämpfen und soll nun eine Entlastung erfahren. Gudrun Weiblen ist es hierdurch zumindest möglich, ihre bisherigen Preise beizubehalten.
Eine überfällige Entscheidung
„Die Senkung der Mehrwertsteuer war schon längst überfällig“, sagt Peter Misof, der zusammen mit Manuel Rothfuß das Harpprechthaus bei Schopfloch betreibt. Die Branche habe mit sehr hohen Kosten für Energie, Personal, Lebensmittel und andere Waren zu kämpfen. Selbst die Dieselkosten zögen, so Misof, an – die Lieferanten würden ihre höheren Ausgaben natürlich auf ihren bisherigen Preis aufschlagen. Peter Misof gibt außerdem zu bedenken, dass der Mindestlohn gestiegen ist. Wäre die Mehrwertsteuer nicht gesenkt worden, wäre diese Erhöhung nach seinen Worten für viele Gastronominnen und Gastronomen nur schwer zu verdauen gewesen. „Jetzt schaffen wir das alles ohne Preiserhöhung“, sagt er. Dennoch werde es weiterhin schwierig sein, Investitionen zu tätigen.
Auf die eine oder andere Neuanschaffung hat Gudrun Weiblen in den vergangenen Jahren trotz angespannter Lage nicht verzichtet. So sind in ihr Restaurant im vergangenen Jahr zwei neue Küchengeräte eingezogen. Zudem musste sie 6000 Euro für eine neue Kasse in die Hand nehmen, weil die alte nicht mehr alle Anforderungen des Finanzamts erfüllte. Das ist noch nicht alles: Ihr sei es einfach wichtig, hin und wieder zu streichen oder die Polster zu erneuern. Wenn man sich um solche Dinge nicht kümmere, sei es schlicht „auch nichts“.
Größerer wirtschaftlicher Spielraum
Das Geld, das Gudrun Weiblen durch die Senkung der Mehrwertsteuer spart, könne sie gut gebrauchen: „Ich bestelle jeden Monat im Großen und Ganzen die gleichen Produkte, zahle aber laufend mehr.“ Insbesondere durch Corona sei die Branche stark auf die Probe gestellt worden. Sie selbst schätzt sich noch vergleichsweise glücklich, weil sie keine Pacht für ihr Gasthaus zahlen muss, da sie selbst Eigentümerin ist. Über zu wenig Kundschaft kann sich die Wirtin auch nicht beklagen, sagt sie mit einem freudigen Lachen. Vor hohen Energie- und Personalkosten bleibe sie aber natürlich nicht verschont. Als sie gehört hat, dass die Steuersenkung „durchgegangen“ ist, habe sie sich daher sehr gefreut.

Von einem durchweg positiven Effekt durch die Mehrwertsteuersenkung geht Daniel Ohl vom Hotel- und Gaststättenverband Baden-Württemberg aus. Die Betriebe gewinnen, so Ohl, wirtschaftlichen Spielraum für Investitionen, die in vielen Unternehmen dringend notwendig sind. Aufgrund rückläufiger Umsätze und steigender Kosten sei die Situation für die Branche nach wie vor schwierig, und die steuerliche Entlastung trage dazu bei, die wirtschaftliche Lage der Betriebe zu stabilisieren. Daniel Ohl gibt zu bedenken, dass auch der Mindestlohn zum 1. Januar 2026 um 8,4 Prozent gestiegen ist. Mehrausgaben, die nun auch aufgebracht werden müssten.
Mehr Betriebe überleben
„Wir gehen davon aus, dass auch die Gäste profitieren“, sagt Daniel Ohl. Zum einen dadurch, dass mehr Betriebe dank der Neureglung überleben könnten, wodurch es ein größeres und vielfältigeres Angebot gebe. Zum anderen gibt es, laut Ohl, über 20.000 Restaurants in Baden-Württemberg, die im gegenseitigen Wettbewerb stehen, was sich zum Vorteil der Kundinnen und Kunden auswirken werde. Ohl ist sich sicher, dass es auch Betriebe geben wird, die den größeren wirtschaftlichen Spielraum dazu nutzen werden, um attraktive Angebote zurückzugewinnen.

